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Fot.: SMG 

Seit der September-Ausgabe schreibt Aneta Augustyn Kurzreportagen aus Breslau und Niederschlesien für den SILESIA-Newsletter. Sie ist seit über 20 Jahren als Journalistin tätig, vor allem mit der Tageszeitung „Gazeta Wyborcza“ verbunden, für die sie längere Reportagen aus und über Schlesien schreibt. Ausgezeichnet mit Medaillen der Universität Wroclaw und der Hochschule für Natur- und Umweltwissenschaften für die Popularisierung der Wissenschaft.

Ich habe eine Schwäche für Glas und für Niederschlesien und ich habe das Glück, dass gerade in meiner Region die Glasblastraditionen stark vertreten und bis heute lebendig sind. Ich habe Glas als Leitmotiv dieses Monats gewählt, weil Glanz, Helligkeit und Durchsichtigkeit des Glases ein gutes Heilmittel gegen Novemberdunkel sind. Es gibt auch andere Gründe dafür: vor ein paar Tagen endete das Europäische Glasfestival in Breslau, in der Stadt, wo es die einzige Hochschule gibt, die Glaskünstler ausbildet. Das Riesengebirgsmuseum in Hirschberg/Jelenia Góra, das die in Polen reichste Sammlung des Kunstglases besitzt, feiert dieses Jahr sein hundertjähriges Jubiläum und konnte seine Sammlung um wertvolle Stücke bereichern. Das sind ausreichende Gründe, zwei Glaswanderungen – in Zeit und Raum – zu machen. Bei der ersten sehen wir uns das hinter Museumsmauern verschlossene Glas an, und bei der zweiten sehen wir das „befreite“, im Stadtraum ausgestellte Glas.

Kunstglas, Sammlung: Muzeum Karkonoskie, Fot. Muzeum Karkonoskie 

Wir beginnen die Reise im Riesengebirgsmuseum in Hirschberg/Jelenia Góra, wo 7 000 Glasobjekte gesammelt worden sind. Es ist die einzige Institution in Polen, wo eine historische Glasausstellung, vor allem schlesischen Glases, fest etabliert ist. In den einzelnen Etagen des Museums glänzt es förmlich mit klaren Farben und Glasreflexen. Das Glasblashandwerk im an Holz, Wasser und Quarz reichen Riesengebirge begann schon im Mittelalter, als sogenannte Wanderhütten entstanden, die museale Wanderung in die Vergangenheit fängt aber erst in der Barockzeit an. Aus dieser Zeit stammen die ältesten der präsentierten Objekten, u.a. großes Jubelglas (szklanica wiwatowa), sog. Willkommen, oder solche Raritäten, wie eine Babyflasche aus dem 18. Jahrhundert oder ein interessantes, durch Pulver aus Schafbeinen getrübtes Milchglas. Es imitierte Porzellan, das sehr lange nur für Wohlhabende reserviert war. Weiter Karaffen, Kännchen, Kelche, Spiegel, Leuchter… Alles nach Epochen geordnet: Empire, Biedermeier, Historismus, Sezession, Art Deco bis zum heutigen Tage.

Es lohnt sich auf die Gefäße aus der berühmten Josephinenhütte in Schreiberhau zu achten, die im 19. Jh. ihre Blütezeit erlebte. Gerade aus der Josephinen- und der Karlstalhütte, auch aus Schreiberhau und Fritz Heckerts Werkstatt in Petersdorf stammen große Gläser, Kelche, Vasen, die das Museum in diesem Jahre ankaufte.

- Diese besonders wertvollen Anschaffungen freuen mich, 40 besonders interessante Objekte. Es ist uns gelungen, sie von Privatsammlern zu erwerben – sagt Gabriela Zawila – Leiterin des Museums – Sie zeigen die unerreichbare Meisterschaft der ehemaligen schlesischen Künstler.

- Das ist auf dem antiquarischen Markt begehrtes Glas, gefärbt, graviert und bemalt. Auf der höchsten künstlerischen und technologischen Stufe – fügt Justyna Wierzchucka, Leiterin der Kunstglasabteilung, hinzu. In den nächsten Wochen werden diese Objekte in die ständige Sammlung integriert.

Der natürliche weitere Verlauf der historischen Erzählung ist von Werken gegenwärtiger Künstler, von Legenden wie Zbigniew Horbowy sowie Henryk Albin Tomaszewski, bis zur jüngeren Generation aus Polen, Tschechien und Deutschland, geprägt. In einem vielfarbigen und von mehren Generationen gestalteten Glas spiegelt sich die Geschichte Schlesiens, nicht nur in präzis gravierten Veduten von Hirschberg, Bad Warmbrunn und dem Riesengebirgspanorama. Die verwickelten Schicksalswenden sieht man an den aufeinander folgenden Besitzern: es gibt hier Schmuckstücke aus der deutschen Hütte der Grafen von Schaffgotsch, aus der böhmischen Hütte der Grafen Harrach, aus gegenwärtigen Glaserwerkstätten. Alles aus Schlesien, obwohl in verschiedenen Sprachen. Diese Verschiedenheit setzt sich fort, das polnisch-tschechisch-deutsche Grenzland ist weiterhin durch die Zusammenarbeit und Unterstützung der drei Länder präsent. Dank der Hilfe der Erika-Simon-Stiftung vergrößerte das Museum seine Sammlung um Barockgläser, u.a aus Warmbrunner Werkstätten. In diesem schlesisch-gläsernem Puzzle gibt es, außer einem deutschen und einem polnischen, auch ein tschechisches Motiv. Das Museum engagierte sich gemeinsam mit dem Glasmuseum in Novy Bor/Haida im Projekt „ Neubelebung der polnisch-tschechischen Glastradition“. Sein Effekt ist u.a. eine neue Ausgabe der Glassammlung, mit Multimedia und einem zweisprachigen Reiseführer, der dazu einlädt, mit Glas verbundene  Orte zu erkunden: Museen, Glashütten, Galerien, Manufakturen.

Kontakt: Muzeum Karkonoskie, ul. Jana Matejki 28, Jelenia Góra, tel. +48 75 645 50 73,  www.muzeumkarkonoskie.pl

Glasskulptur, Hotel Puta, Wrocław, Fot. A. Augustyn 

Von der grenzüberschreitenden gläsernen Reise lade ich nach Breslau ein, wo eine außergewöhnliche Glasroute entstanden ist. Interessant, dass niemand aus Schlesien sie erfand, sondern eine Krakauerin. Anita Bialic ist Kulturmanagerin, sie führt Galerien in Krakau und Breslau. Zusammen mit Prof. Kazimierz Pawlak von der Werkstatt für Glasgestaltung an der Kunsthochschule in Breslau entwickelte sie das Europäische Glasfestival. Die zweite Auflage endete in Oktober, aber die Route kann man das ganze Jahr erlaufen.

- Die Idee zu dieser Route entstand aus mehreren Gründen. Jede Stadt hat etwas charakteristisches, wie der Wawel-Drache in meinem Krakau. In Breslau wurden leider Zwerge zu einem solchen Symbol, die zu künstlich, zahlreich und oft hässlich sind. Inzwischen ist Glas als Kunst, das es viel in Breslau gibt, ganz verkannt als Werbeträger. Das ist spannend, weil so gute Qualität an Glas in Polen im Stadtraum selten anzutreffen ist  – sagt die Ideengeberin – Die Route bezieht sich auch auf eine jahrhundertealte schlesische Glastradition und steht in Zusammenhang damit, dass die Breslauer Kunsthochschule als die einzige in Polen eine Keramik- und Glasfakultät hat – fügt Anita Bialic hinzu. Sie brachte als erste gemeinsam mit Kunsthistorikern und Glaskünstlern Glasrealisierungen auf Breslauer Plätzen, Straßen, in Mietshäusern und Kirchen an die Öffentlichkeit und inventarisierte sie; insgesamt über 60 Einzelstücke. Und so entstand die „Glaskarte“ der Altstadt, auf der Objekte, ihre Namen, ihre Autoren, die Techniken eingetragen wurden. – Das ist eine ganz neue Sache, weil es bisher keine Literatur über die Glasarchitektur Breslaus gab – sagt die Kulturmanagerin.

Während des fast zweistündigen Spazierganges sehen wir u.a. den Glasbrunnen am Marktplatz von Prof. Alojzy Gryt, benannt nach dem Namen des ehemaligen Oberbürgermeisters Bogdan Zdrojewski „Zdrój“ (Quelle). Wir sehen die phänomenalen Glasfenster der Matthiaskirche, die Verglasung an der Fassade des Standesamts und auf den Fußböden der Mietshäuser, Glasfassaden und Glas-Blüteninstallationen… Man kann dieselben Namen, die sich im Riesengebirgsmuseum befinden auf den Breslauer Straßen wiederentdecken, wie Zbigniew Horbowy, Beata Stankiewicz-Szczerbik, Tomasz Urbanowicz und andere. Vielfältige Persönlichkeiten und verschiedene Techniken, vom Glasfenster bis zum Fusing. Glas ist eben unser schlesisches Alleinstellungsmerkmal.

Die Karte der „Glasroute“ ist in der Galerie BB, Jatki 3-6 zugänglich, E-Mail:  galeria(at)galeriabb.com. Dort kann man sich mit Kunsthistorikern bzw. Künstlern zu einem Glasspaziergang verabreden.

 

Wiedereröffnung des Bergwerkes Julia

Das ehemalige Bergwerk Julia in Wałbrzych/Waldenburg wurde in ein Kultur- und Wissenschaftszentrum umgebaut. Die Eröffnung des renovierten Objektes fand am 9. November statt. Es gab Konzerte, Workshops, Ausstellungen, Trial-Schau und viele andere Veranstaltungen. Die Hauptattraktion des Tages war aber das historische Bergwerk selbst, wo sich heute u.a. ein Zukunftsmuseum, eine Talentschmiede, ein Maschinenraum für Videos, ein Ökologieturm und ein geologischer Touristenpfad befinden. Diese multidisziplinäre Einrichtung soll das Kulturleben der Region fördern.  

Mehr Informationen:  www.starakopalnia.pl

 

Deutsche Kultur in europäischer Verflechtung: Kulturstaatsministerin schreibt neue akademische Förderprogramme aus

Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) fördert wissenschaftliche und kulturelle Projekte zur Erforschung und Präsentation von Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa. Ziel des Förderprogramms ist es, Forschungen über Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, insbesondere in den Wechselbeziehungen mit ihren Nachbarn, anzuregen. Ausgeschrieben wurden zwei Förderprogramme für Universitäten und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen für die Jahre 2015-2017: Wandel - Brüche - Kontinuitäten. Die Deutschen und ihre Nachbarn im östlichen Europa und Umsiedlung, Flucht und Vertreibung der Deutschen aus dem östlichen Europa 1939-1948 und ihre Folgen: Ereignisgeschichtliche Studien

Mehr Informationen:  www.bkge.de

 

Schlesisches Museum zu Gast auf der 23. Breslauer Buchmesse

Vom 4. bis 7. Dezember 2014 findet die Breslauer Buchmesse „23. Wrocławskie Targi Dobrych Książek“ in den Sälen des Hauptbahnhofes der Oderstadt statt. Das Schlesische Museum zu Görlitz präsentiert sich und seine Publikationen an einem Gemeinschaftsstand mit dem Bergstadtverlag Wilhelm Gottlieb Korn.

Mehr Informationen:  www.wpdk.pl