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Grußwort des Sächsischen Ministerpräsidenten Prof. Dr. Georg Milbradt

Ich freue mich, dass ich heute mit Ihnen das Schlesische Museum eröffnen darf und damit eines der herausragenden Projekte des Deutsch-Polnischen Jahres, das vor zwei Wochen zu Ende ging. Damit wird ein vor zehn Jahren begonnenes Projekt Wirklichkeit. Die Idee war und ist und soll auch sein, eine Brücke zu bauen. Eine Brücke der Kultur, die Deutschland und Polen im Geiste verbindet. So wie die Görlitzer Altstadtbrücke seit anderthalb Jahren die Menschen zueinander bringt. So wie die Kultur Schlesiens Deutschland und Polen, aber auch Böhmen seit Jahrhunderten verbunden hat.

Schlesien ist eine alte europäische Region und ein wichtiges Bindeglied zwischen Ost und West und Nord und Süd. Zusammen mit Böhmen und Sachsen war es einst Teil der wichtigsten Industrie- und Gewerberegion Europas. Die Teilung unseres Kontinents am Ende des Zweiten Weltkriegs und die schmerzhafte Verschiebung der Grenze hat dieser Gemeinsamkeit vorübergehend ein Ende gemacht – wirtschaftlich wie kulturell.

Die Geschichte und Kultur Schlesiens geriet in Polen und Deutschland vielfach in Vergessenheit. Hier in Sachsen war es den Schlesiern bis zur Wende 1989 untersagt, ihr Brauchtum zu pflegen. Deshalb beruft sich die sächsische Verfassung auch ausdrücklich auf das niederschlesische kulturelle Erbe. Das ist nicht nur ein Lippenbekenntnis des Verfassungsgebers. Das zeigt zum einen unser Engagement für das Schlesische Museum. Vor allem aber entdecken immer mehr junge Menschen in Deutschland und Polen die gemeinsame Geschichte unserer Länder.

Die schlesische Kultur baut damit Brücken der Verständigung zwischen Deutschen und Polen und Tschechen. Sie knüpft alte Verbindungen neu, so wie die Altstadtbrücke Neues entstehen lässt, zu beiden Seiten der Neiße.

Meine Damen und Herren, wir haben in den vergangenen Jahren viele solcher Brücken zwischen Sachsen und Polen gebaut und Verbindungen geknüpft. Regierungen, Verwaltungen, Schulen, Hochschulen, Verbände, Vereine und Unternehmen arbeiten eng zusammen, und auch die Menschen treffen sich immer häufiger. Dazu gehört auch, dass wir vor drei Monaten auf dem Regionaltreffen in Zittau die traditionelle trilaterale Zusammenarbeit von Sachsen, Schlesiern und Böhmen wieder belebt haben.

Denn wir haben erkannt: Nur in der Zusammenarbeit liegt für uns die Chance, an die wirtschaftlichen Erfolge der Vergangenheit anzuknüpfen. Wir sind eine aufstrebende Region im Herzen Europas, die aus ihren Gemeinsamkeiten im Wortsinne Kapital schlagen kann.

Der Beitritt unserer Nachbarn, der Tschechen und der Polen, in die EU vor zwei Jahren hat diese Region Schlesien wieder in die Mitte Europas – nicht nur geografisch, sondern auch wirtschaftlich und kulturell – zurückgebracht.

Kulturelle Einrichtungen wie das Schlesische Museum legen das Fundament, auf dem diese vertrauensvolle Zusammenarbeit ruht. Der Blick auf die Kunst zeigt uns: Es gibt mehr Verbindendes als Trennendes. Und der Blick auf die gemeinsame, nicht immer leichte Geschichte gibt uns Orientierung für die Zukunft.

In diesem Sinne wünsche ich dem Schlesischen Museum viele Besucher von beiden Seiten der Neiße. Und ich bin mir sicher: das wunderbare Ambiente des Schönhofs macht es zu einer neuen Attraktion der Stadt, die weit über die Region hinausstrahlt.