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herausgegeben vom Förderverein Schlesisches Museum zu Görlitz – Landesmuseum Schlesien e.V.

Liegnitz/Legnica, Foto: Pankiewicz, Przybyłko 

 

Nieswojość/Unheimisch – Buch und Fotoausstellung über Niederschlesien

Wie manifestieren sich die kulturellen Folgen des Bevölkerungsaustausches nach 1945 in der geistigen und sichtbaren Landschaft Niederschlesiens? Wie äußert sich der Cultural Clash nach dem Zusammenprall des Vorgefundenen und des Mitgebrachten? Entstanden aus dieser erzwungenen Begegnung nur Chaos und eine Kakophonie der Kulturen oder wurde auch Raum für eine neue, eigenständige Entwicklung frei?

Die Schriftstellerin Olga Tokarczuk verfasste einen Essay unter dem Titel „Die namenlose Landschaft“ und beschreibt darin die Chancen, die sie für die Schaffung einer neuen Erzählung über die Region Niederschlesien sieht: „Als Schriftstellerin empfinde ich das als großes Glück, bedingt durch die Mühlen der Geschichte an so einem Ort wie Niederschlesien leben zu dürfen. Das ist ein Geschenk, ein Land zum Leben zu bekommen, das in der Sprache und Kultur, zu der ich gehöre, nicht ausreichend erzählt wurde. Alles will neu erzählt werden. Man muss die Feder spitzen, damit sie im Stande ist, diese unheimlich große Welt zu beschreiben und alle leeren Räume in der Landschaft und im Gedächtnis zu füllen.“ Ihr Essay wird zusammen mit anderen Beiträgen namhafter polnischer Autoren im Foto-Essay-Buch „Nieswojość“ („Unheimisch“) veröffentlicht, das Anfang Dezember 2019 von der Kunstakademie Krakau (Akademia Sztuk Pięknych w Krakowie) und dem Verlag Wydawnictwo Warstwy am Breslauer Literaturhaus (Wrocławski Dom Literatury) gemeinsam herausgegeben und gleich bei der 28. Breslauer Buchmesse in der Jahrhunderthalle präsentiert wird.

Die von Agata Pankiewicz und Michał Przybyłko initiierte und redigierte Publikation ist ein interdisziplinäres Projekt, das die Bereiche Fotographie und Literatur verbindet. Die Autorinnen und Autoren reflektieren in ihren Fotos und Texten die mentale Landschaft der Polen in Niederschlesien. Der Foto-Essay der beiden Initiatoren des Projektes wird ergänzt durch literarische und publizistische Texte wie auch durch Reportagen und populärwissenschaftliche Analysen. Die stilistische und thematische Vielfalt der Ansätze hilft dabei, das Phänomen der Region Polens zu verstehen, in der es einen beinahe vollständigen Bevölkerungswechsel gab, und erneut über seine kulturellen Folgen nachzudenken. Die neuere Geschichte hat ihre Spuren in der Architektur und Landschaft Niederschlesiens hinterlassen.

Ausgewählte Fotos werden ab dem 6. Februar 2020 in einer Ausstellung unter demselben Titel „Unheimisch“ in der Galerie Brüderstraße in Görlitz präsentiert. Die Fotografien sind kein einfaches Abbild der Landschaft, sondern eine Erzählung. Sie lassen Gefühle des Unbehagens, der Verwunderung und auch des Mitleids mit der alten Bausubstanz entstehen. Wie unheimisch sich die neuen Bewohner Niederschlesiens in der neuen Heimat fühlen mussten, wo sie den Propagandaparolen von den „wiedergewonnenen Gebieten“ folgten, aber mit dem Vorgefundenen wenig anfangen konnten, wo sie den Boden als ihr Terrain, aber die Bauten nicht als Zuhause empfanden – das alles findet sich in den Bildern von Agata Pankiewicz und Michał Przybyłko wieder.

Die Ausstellung in der Galerie Brüderstraße (Brüderstraße 9 in Görlitz) wird vom Kulturreferat am Schlesischen Museum zu Görlitz in Kooperation mit der Görlitzer Kulturservicegesellschaft mbH organisiert und in Anwesenheit der beiden Fotografen am Donnerstag, den 6. Februar 2020 um 17 Uhr eröffnet. Sie ist bis Ende April 2020 von Montag bis Freitag von 11 bis 18 Uhr und samstags von 13 und 18 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Das Projekt „Nieswojość/Unheimisch“ wird von der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit gefördert. Projektpartner sind Schlesisches Museum zu Görlitz (Kulturreferat), Akademia Sztuk Pięknych w Krakowie und Wydawnictwo Warstwy (Wrocławski Dom Literatury).                             

Agnieszka Bormann