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herausgegeben vom Förderverein Schlesisches Museum zu Görlitz – Landesmuseum Schlesien e.V.

 

Medaille auf den Großen Kometen, 1744, Silber geprägt, Medailleur: Georg Wilhelm Kittel, SMG 2002/1365, Leihgabe der Bundesrepublik Deutschland (Sammlung Baschinski), Fotos: René Pech  

 

Große Ereignisse auf kleinen Medaillen

In der Ausstellung „Kopf und Zahl. Geschichte des Geldes in Schlesien“ (deren Laufzeit bis zum 1. Juni 2020 verlängert wurde) sind neben Hunderten Münzen auch zahlreiche Medaillen zu sehen. Sie sind meist ebenso rund und aus Metall, doch gelten sie nicht als Zahlungsmittel, sondern besitzen vor allem künstlerischen und ideellen Wert. Seit der Renaissance wurden auf den kleinen, robusten Kunstwerken bedeutende Persönlichkeiten, wichtige Ereignisse und imposante Bauwerke abgebildet oder große Botschaften durch Symbole, Wahlsprüche, Heiligen- und Mythendarstellungen vermittelt.

Nur 22 Millimeter beträgt der Durchmesser einer Silbermedaille, die an eine großartige Himmelserscheinung der Jahre 1743/44 erinnert: der Große Komet, der über 110 Tage lang mit bloßem Auge sichtbar war. Seine Helligkeit und seine gewaltigen Schweifstrahlen machten ihn zu einem Weltereignis, das von Zeitgenossen vielfach beschrieben und dargestellt wurde. Bis heute rangiert der „Komet Klinkenberg“ oder auch „Komet de Chéseaux“ – benannt nach seinen offiziellen Entdeckern Dirk Klinkenberg und Jean-Philippe de Chéseaux – auf Platz 5 unter den Top Ten der Kometen.

Selbst am Taghimmel war der Komet sichtbar. Bis zu zwölf sich fächerartig ausdehnende Schweifstrahlen ragten lange Zeit über den Horizont, versetzten die Menschen in großes Staunen und Schrecken. Über die Natur dieses Phänomens wurde noch lange gerätselt und Kometen galten seit der Antike als Vorboten von bedeutenden Ereignissen und Katastrophen. Im Mittelalter deutete man sie als Zeichen oder Strafe Gottes.

Für den Medailleur Georg Wilhelm Kittel (in Breslau 1684 geboren und 1769 gestorben) war der Große Komet eine Erscheinung, welche auf die Größe und das Geheimnis Gottes verwies.

Seine Medaille zeigt auf einer Seite den Kometen mit seinem Schweif am Himmel über einer kargen Landschaft, auf der anderen Seite ein Bibelzitat: „Wer hat des Herrn Sinn erkannt? (Röm XI 34)“. Das Schlesische Museum besitzt diese Medaille in Silber, wobei sie auch als Dukat hergestellt worden war.

Würde heutzutage ein Großer Komet erscheinen, so wären die Menschen ganz bestimmt stark beeindruckt  - trotz umfassender wissenschaftlicher Erklärungen und automatischer Himmelsdurchmusterungen, die bis zu 20 Kometen pro Jahr feststellen. Möglicherweise würden neue Medaillen entstehen. Allerdings ist für das kommende Jahr 2020 kein Großer Komet angekündigt.                               

Martina Pietsch