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herausgegeben vom Förderverein Schlesisches Museum zu Görlitz – Landesmuseum Schlesien e.V.

 

Silber von Lemor in Breslau 1818-1945
Ausstellung vom 7.12.2018 bis 10.3.2019

Keulenhalter, Hummergabeln, Gebäckzangen, Teesiebe, Spargelheber, Obstmesser, Zuckerzangen oder Sardinenheber bilden nur eine kleine Auswahl von Spezialbestecken, die von der Firma Julius Lemor in Breslau hergestellt wurden. Ein Musterblatt aus den 1920er Jahren zeigt über 70 solcher besonderen Besteckteile für die festliche Tafel, auf der neben dem Silberbesteck auch dreidimensionale silberne Objekte wie Leuchter, Terrinen oder Kaffee- und Teekannen standen. Eine solche umfassende Ausstattung an silbernen Objekten gehörte schon immer zu einem adeligen Haushalt. Seit den 1860er Jahren finden sich solche Gegenstände aber zunehmend auch in bürgerlichen Haushalten. Begünstigt wurde diese Entwicklung durch den Wirtschaftsboom der Gründerzeit und den seit 1871 sehr günstigen Preis für Rohsilber.

Unter den zahlreichen schlesischen Silberwarenherstellern nahm die 1818 gegründete Firma Lemor unangefochten die führende Position ein. Sie war bis 1945 der größte Silberwarenproduzent Ostdeutschlands und hätte 2018 ihr 200jähriges Bestehen feiern können. Von ihrer Gründung durch den aus Unterfranken stammenden Johann Adam Lemor an blieb die Firma immer in Familienbesitz. Von Beginn an bildeten die Bestecke den wichtigsten Produktionszweig, da sie immer einen kontinuierlichen Absatz fanden. Neben zahlreichen klassischen Besteckmustern wurden auch modische Varianten hergestellt und den Kunden über Jahrzehnte hinweg angeboten. Ein Silberbesteck für zwölf oder mehr Personen war eine Anschaffung für das ganze Leben und oft wurde bei Mädchen schon in jungen Jahren damit begonnen, nach und nach einzelne Teile für sie zu erwerben, so dass bis zur Hochzeit die Aussteuer komplett war. Wie die Forschungen von Rainer Lemor zeigen, bot die Firma Anfang des 20. Jahrhun-derts ca. 100 verschiedene Bestecke an und dehnte ihr Angebot bis 1945 noch weiter aus.

Rainer Lemor hat in jahrzehntelanger Arbeit Produkte der Firma Julius Lemor gesammelt und über 2500 Besteckteile sowie ca. 250 Silberwaren zusammengetragen. Dazu zählen neben allen Arten von Korpuswaren wie Leuchter, Kaffee- und Teeservicen, Terrinen, Saucieren und Schalen oder Schreibtischgarnituren auch Flachwaren wie Tabletts und Teller sowie Kleinsilberwaren wie Etuis und Dosen aller Art. Diese umfangreiche Sammlung – sicherlich die größte Sammlung schlesischen Silbers des 19./20. Jahrhunderts überhaupt – übergab Rainer Lemor dem Schlesischen Museum zu Görlitz als Dauerleihgabe, die nun in großen Teilen ausgestellt wird.

Zur Ausstellung erscheint eine Publikation über die Entwicklung der Besteckproduktion der Firma Lemor, in der u.a. die von ihr hergestell-ten Besteckmuster abgebildet sind. Damit ist Sammlern eine wertvolle Bestimmungshilfe geboten. Ergänzt wird die Publikation durch einen Beitrag über die Silberpunzierung der Stadt Breslau von 1818 bis 1945 mit Abbildung aller Marken dieser Zeit.

Martin Kügler