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herausgegeben vom Förderverein Schlesisches Museum zu Görlitz – Landesmuseum Schlesien e.V.

 

 

Schlesisches Museum zu Görlitz ehrt Rainer Lemor

Im Rahmen der Mitgliederversammlung des Vereins der Freunde und Förderer am 3. November 2018 wurde Dr. Rainer Lemor, der Sohn des letzten Eigentümers der berühmten Silberfabrik Julius Lemor in Breslau für seine Verdienste um das Schlesische Museum geehrt.

In seiner Laudatio sagte Dr. Markus Bauer zu Anfang, dass jedem, der das alte Breslau kennt, die Ohren klingen, wenn er den Namen „Lemor“ hört. „Julius Lemor“, das war die große Silberwarenfabrik in der Fischergasse, eine der ältesten und angesehensten Firmen in Breslau, die für Jahrzehnte Adel und gehobenes Bürgertum mit luxuriösem Tafelgeschirr und unzählige Familien mit Bestecken versorgte, die einzige Silberfabrik in Schlesien, die über die Grenzen der Provinz hinaus bekannt und bedeutend war.

Rainer Lemor wurde 1937 in Breslau geboren. Sein Vater und sein Onkel waren Eigentümer der Fabrik. Sein jüngerer Bruder und er selbst waren als Erbe der traditionsreichen Silberfabrik Julius Lemor vorgesehen, die dieses Jahr ihren 200jähriges Gründungsdatum begehen würde. Sein Onkel Hans Ulrich war bis 1945 Geschäftsführer der Silberwarenfabrik, während sein Vater eingezogen war und seit Juni 1945 als vermisst gilt. Nach Flucht und Vertreibung gelangte die Familie über viele Stationen schließlich zu den Großeltern mütterlicherseits, nach Schieder, einem kleinen Kurort bei Bad Pyrmont. Später zog die Familie nach Kiel. Sein Onkel Hans Ulrich startete einen Neuanfang in Heidelberg, seine Firma existierte bis 1972. Rainer Lemor entschied sich jedoch für das Studium der Wirtschaftswissenschaften und wurde Banker und erfolgreicher Manager bei der Landesbank Schleswig-Holstein.

Aber von der Breslauer Silberfabrik kam er sein Leben lang nicht los. Vom Silber der Firma Lemor war der Familie nicht viel geblieben. Kurz vor Kriegsende war es der Mutter gelungen, einige Stücke des Familiensilbers zu ihren Eltern nach Bad Pyrmont zu retten. Das war der Grundstock einer kleinen Sammlung, die Dr. Lemor anzulegen begann. Seine Sammlung wuchs und er entwickelte sich nach und nach zum besten Kenner schlesischen Silbers, nicht nur der Firma Lemor. 1993 gestaltete er eine Ausstellung zum 175. Jahrestag der Firmengründung in Haus Schlesien, es folgte eine große Lemor-Ausstellung, die 2003 und 2004 im Breslauer Stadtmuseum, in Haus Schlesien und im Braunschweigischen Landesmuseum gezeigt wurde, schließlich die Ausstellung „Silber aus Schlesien“ 2010 im Schlesischen Museum, zusammen mit Dr. Martin Kügler. Inzwischen ist die Sammlung auf über 2500 Besteckteile und einige hundert Corpuswaren angewachsen.

Im Einvernehmen mit seinen Töchtern und seinem Sohn hat sich Dr. Lemor nun entschieden, die Sammlung als Dauerleihgabe dem Schlesischen Museum anzuvertrauen, mit der Maßgabe, dass Leihgaben, die im Museum nicht gezeigt werden können, auch an Haus Schlesien und an das Stadtmuseum Breslau weitergereicht werden, denn auch dort soll weiter an die Silberwarenfabrik Lemor erinnert werden. Das Schlesische Museum erhält damit einen einzigartigen Fundus, der seine Sammlungen an Porzellan und Glas aus dem Schlesien des 19. und frühen 20. Jahrhunderts aufs glücklichste ergänzt, Grundlage für die Ausstellung „Silber von Lemor aus Breslau“, zum 200. Jahrestag der Firmengründung, die wir am 8. Dezember eröffnen wollen.

Dr. Lemor dankte für die Ehrung und fügte hinzu, dass er sich über die eigene Familiengeschichte hinaus intensiv mit der Geschichte der Gold- und Silberschmiede in Schlesien beschäftigt und darüber zwei Bücher veröffentlicht habe. Bei seiner Entscheidung, die Sammlung dem Schlesischen Museum als Dauerleihgabe zu überlassen habe Görlitz als Stadt im bei Deutschland verbliebenen Teil Schlesiens den Vorzug erhalten, wo sich außerdem auf dem städtischen Friedhof die Gräber seiner Mutter und seiner Großeltern befinden.

Klaus Schneider