Seiten in anderer Sprache:

Druckansicht aufrufen:

Suchbegriff eingeben:

Hauptnavigation:

Unternavigation:

herausgegeben vom Förderverein Schlesisches Museum zu Görlitz – Landesmuseum Schlesien e.V.

 

Fünf Jahre Kulturreferentin für Schlesien – ein persönlicher Rückblick 

Am 18. August 2018 enden für mich fünf Jahre Lebens- und Arbeitszeit in Görlitz. Genau für diesen Zeitraum habe ich meine Tätigkeit als Kulturreferentin für Schlesien 2013 vertraglich zugesagt. Jetzt freue ich mich darauf, wieder ständig in meiner Wahlheimat Kreisau in Niederschlesien leben zu können. Görlitz und dem Schlesischen Museum werde ich sicher verbunden bleiben, denn die Wege sind mir vertraut und leicht zurückzulegen.

Als ich anfing war das alles dominierende Thema im Museum die Vorbereitung der internationalen Ausstellung „Adel in Schlesien“, die 2014 gezeigt wurde. Dieses Projekt sehe ich rückblickend als einen der Höhepunkte meiner Zeit an, denn wie selten danach verband das Ausstellungsvorhaben samt Begleitprogramm alle wissenschaftlichen Mitarbeiter/innen des Museums sowie Kolleg/innen aus den Partnermuseen in Görlitz, Liegnitz und Breslau. Daraus ergaben sich die Zusammenarbeit eines größeren Teams und später die gemeinsame Freude an den Ergebnissen. Zugleich hat mich das Thema inhaltlich sehr gefordert und diese Chance, sich mit neuen Themen zu beschäftigen nach über 10 Jahren Kreisau-Fokussierung hatte mich gerade gereizt an der Aufgabe als Kulturreferentin am Schlesischen Museum. Manche Formate sind damals entstanden, die ich seitdem fortgeführt habe – zum Beispiel regelmäßige Tagesfahrten in das polnische Schlesien zu Themen der Kulturgeschichte oder das Kulturwochenende in Buchwald/Bukowiec im Hirschberger Tal, das wir gemeinsam mit den Partnern vor Ort „Landpartie zur Gräfin von Reden“ nennen.

Die Kulturreferate leben von Netzwerken und Kooperationen, denn mangels Mitarbeiter/innen passiert nur so viel, wie man als Kulturreferent/in als Einzelne auf die Beine stellt. Insofern ist man auf Partner angewiesen, nicht nur um die Arbeit zu teilen, sondern vor allem um Ideen und Konzepte zu entwickeln und Menschen außerhalb des eigenen Blickfeldes zu erreichen. Ich werde viele der Kolleg/innen in den Partnerinstitutionen persönlich sehr vermissen, denn über die fünf Jahre sind vertrauensvolle Beziehungen gewachsen.  Hervorheben möchte ich vor Ort in Görlitz die Kirchliche Stiftung Evangelisches Schlesien mit ihrer Geschäftsführerin Margrit Kempgen. Wir haben gemeinsam für die Reformationsdekade und das Reformationsjubiläum 2017 Veranstaltungen, Ausstellungen und Exkursionen geplant und umgesetzt.

In diesem thematischen Zusammenhang steht auch ein wichtiges und für mich sehr wertvolles Tagungs- und Buchprojekt  „,Unfreiwillige‘ Ökumene in Niederschlesien nach 1945“, das wir gemeinsam mit Haus Schlesien und seiner Leiterin Frau Nicola Remig in den Jahren 2014-2017 gestaltet haben. Die Idee kam von Frau Dr. Inge Steinsträßer, freie Mitarbeiterin von Haus Schlesien und als Historikerin mit dem Thema befasst.  Von den Fragestellungen, den Zeitzeugen und Referent/innen der ersten Tagung 2014 in Königswinter war ich so angetan, das wir gemeinsam an einer Fortsetzung gearbeitet haben. Im Herbst 2015 konnten wir zu einer Tagung nach Wałbrzych/Waldenburg einladen, mit starker Beteiligung polnischer Zeitzeugen sowie Wissenschaftler/innen und gutem Zuspruch deutscher Teilnehmer/innen. Bei dieser zweiten Tagung unterstützten uns Frau Kempgen und ihre Stiftung inhaltlich und organisatorisch. Schließlich konnte der Verein für schlesische Kirchengeschichte gewonnen werden, um die Publikation der Tagung in seinen Beiheften zum Jahrbuch für Schlesische Kirchengeschichte zu veröffentlichen. Hier ist nicht der Platz, um allen Partnern zu danken, aber ich möchte unterstreichen, wie wichtig sie sind und die Liste ist lang.

Die deutsch-polnische Zusammenarbeit in der Europastadt Görlitz-Zgorzelec hatte ich mir sehr viel selbstverständlicher und intensiver vorgestellt, als vor Ort erlebt und erfahren. Es ist wahrscheinlich eine Frage der Zeit, denn wenn ich durch die Straßen laufe und Kinder und Jugendlichen höre, mischt sich das Polnische ständig mit dem Deutschen. Ich freue mich deshalb umso mehr, dass wir bei der jährlichen Veranstaltung „Schlesisches Nach(t)lesen“  seit 2015 in Kooperation mit den beiden Stadtbibliotheken in Görlitz und Zgorzelec das Programmformat  weiterentwickelt haben, immer auf der Suche nach Angeboten, die für beide Stadtgesellschaften interessant sein können. Diese Erfahrungen haben sich auch für die Literaturtage an der Neiße bewährt,  die wir bereits drei Mal gemeinsam mit dem Deutschen Kulturforum Östliches Europa und dem Kulturservice Görlitz durchführen konnten.

Die Schriftstellerin Olga Tokarczuk, die in den letzten Jahren immer wieder Gast dieser Veranstaltungen war und fast zu einer Botschafterin der Städte Görlitz-Zgorzelec geworden ist, hat den Satz formuliert: „Niederschlesien ist ein eigener Kosmos, der für ein ganzes Land ausreichte.“ Dem kann ich mich anschließen und möchte den Satz noch ergänzen – ein eigener Kosmos, der nie langweilig wird und einen nicht mehr loslässt! 

Annemarie Franke