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herausgegeben vom Förderverein Schlesisches Museum zu Görlitz – Landesmuseum Schlesien e.V.

 

Nachrichten aus der Abteilung Museumspädagogik

Die Vielfalt der Arbeitsaufgaben am Schlesischen Museum ist enorm und bereitet mir persönlich genau aus diesem Grund große Freude. Oft sind überraschende Ereignisse und die Intensität der menschlichen Begegnungen nicht im Vorfeld einzuschätzen, so dass es umso wichtiger ist, sich mit einer gewissen Gelassenheit und Spontanität auf den Moment einzulassen, ohne dabei das große Ganze aus den Augen zu verlieren. Der Organisation und Konzeption hinter den Kulissen kommt dabei ein nicht unbeträchtlicher Anteil am Gesamtgeschehen zu. Kooperationen, Weiterbildung und ein gutes Netzwerk sind maßgeblich.

Vielleicht geben Momentaufnahmen meines beruflichen Alltags einen (wenn auch nur fragmentarischen) Einblick in das Tätigkeitsfeld Museumspädagogik am Schlesischen Museum zu Görlitz, zumal dieser Wirkungsbereich nicht selbsterklärend scheint und auch sehr abhängig vom jeweiligen institutionellen Selbstverständnis ist.

In der Dauerausstellung im Schönhof: Angeregt von der Vitrine mit schlesischem Porzellan fängt eine ältere Dame während einer Museumsbegleitung an bühnenreif zu singen. Ich frage mich, ob ich träume.

Im Görlitzer Klinikum: Das Geriatrie-Netzwerk hat mich eingeladen, über das Projekt „Kultur und Demenz“ am Schlesischen Museum zu informieren. Ich erzähle von den neusten Entwicklungen einer stärkeren Öffnung der Museumsangebote für Menschen mit kognitiven Einschränkungen.

Wieder an meinem Schreibtisch: Ich recherchiere, welche Fördermöglichkeiten für die Belange meiner Abteilung in Frage kommen und bereite Projektanträge unterschiedlichen Umfangs für die Förderung von Projekten der kulturellen Bildung am Schlesischen Museum vor.

Im Beratungsraum des Museums: Ich treffe mich mit Vertreter*innen zweier Görlitzer Initiativen der Jugendarbeit, um sie als kooperierende Institutionen für ein 5-monatiges Projekt zu gewinnen.

Im Ausstellungsraum der modernen Kunst: Studierende und eine Praktikantin bereiten drei Stationen für eine Museumsbegleitung für Menschen mit einer Demenz vor. Tastobjekte liegen bereit, genügend Stühle mit Lehne sind aufgestellt, der tragbare Lautsprecher für Geräusch-Sequenzen hat genügend Akku und die Geigenspielerin ist inzwischen auch eingetroffen. Sie versteckt sich bereits hinter einer Texttafel.

Im Veranstaltungsraum des Museums: Die Rie-sengebirgslandschaft von Georg Wichmann dient als Ausmalvorlage für eine kreative Erinnerung an den Museumsbesuch.

In Ausstellungsraum mit der Sonderpräsentation des Görlitzer Modelleisenbahnvereins e. V.: Die Kinder des Ganztagsangebots (GTA) „Tag im Museum“ suchen sich ein Detail, das sie besonders beeindruckt und stellen es der Gruppe vor. So werden sie auf Modellbau eingestimmt, den sie gleich an Hand von Häusermodellen einer regionalen Modellbau-Firma selbst ausprobieren.

Am Schreibtisch meines Dokumentations-Kollegen: Ich bitte ihn, mir geeignete Auswahl-Objekte zum Thema Rübezahl und Wandern im Gebirge herauszusuchen, die potentiell für eine Führung für Menschen mit einer Demenz genutzt werden können.

In einem Görlitzer Café: Mein Kooperationspartner eröffnet mir, dass er seinen Arbeitsplatz wechselt und künftig kein Deutsch als Zweitsprache mehr mit mir im Museum unterrichten kann. Das Happy End ist noch nicht absehbar.

Im Büro einer wissenschaftlichen Mitarbeiterin: Ich stimme mit ihr ab, dass ich gern ein bestimmtes Objekt aus dem Depot für eine Führung nutzen möchte.

Im Sekretariat einer nahe gelegenen Grundschule: Ich gebe einen Pullover ab, den ein Mädchen im Museumspädagogik-Raum des Museums vergessen hat.

Zurück im Büro: Kurz vor Redaktionsschluss dieses Beitrags kommt noch eine bedeutungsvolle Nachricht ins Haus. Der Projektantrag „Alles digital, oder was? Geschichte 2.0“, der über das Vorhaben „Museum macht stark“ des Deutschen Museumsbundes e. V.  gestellt wurde, ist positiv bewertet worden. Das heißt, dass zwischen August und Dezember 2018 zwei ausgewählte Fachkräfte mit Kompetenzen aus Museums- und Medienpädagogik für das Schlesische Museum zu Görlitz tätig werden und Jugendliche, die noch wenig mit dem Museum in Berührung gekommen sind, zu Peer-Teamer*innen ausbilden dürfen. Was ist die Idee? Mit jugendgerecht aufbereiteten Informationen zu Museums- und Medienarbeit sowie praktischen Erfahrungen aus einer Tagesexkursion nach Berlin ausgestattet bringen sich die teilnehmenden Jugendlichen in das Entstehen eines neuen Produkts ein, das sie wiederum anderen Jugendlichen zeigen - ihren ‚Peers‘. Doch mehr wird noch nicht verraten.

Sylvia Wackernagel