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Die jüdische Totenhalle in Gleiwitz 

Bożena Kubit ist keine Unbekannte in Oberschlesien. Die Ethnographin ist Kustodin des Gleiwitzer Museums (Muzeum Gliwice) und Autorin. Ihr Interesse gilt der Multikulturalität der Stadt Geiwitz. Neben mehreren Ausstellungen zu Geschichte der Armenier, Protestanten, Juden und Ostpolen in Gleiwitz sowie zu den Trachten und Bräuchen der Schönwälder (Bojków) folgten Publikationen unter denen die „Gleiwitzer Juden“ (Żydzi Gliwiccy) die bislang bekannteste ist.
Nun erschien aus ihrer Feder eine neus Buch: „Max Fleischer und sein Werk. Die Geschichte des jüdischen Friedhofs und der Totenhalle in Gleiwitz“ (Max Fleischer i jego dzieło. Historia żydowskiego cmentarza i domu przedpogrzebowego w Gliwicach).
Das neogotische Backsteingebäude auf dem Neuen Jüdischen Friedhof zu Gleiwitz hat der Wiener Architekt Max Fleischer Anfang des 20. Jahrhundert entworfen. Heute befindet sich in dem sanierten Gebäude der Sitz des Hauses des Gedenkens der Oberschlesischen Juden – einer Abteilung des Gleiwitzer Museums (ul. Ks. Józefa Poniatowskiego 14).
Fleischer hat diese Totenhalle, wie er selbst schrieb, „der jüdischen Gemeinde zu Ehren und der Stadt zur Zierde“ entworfen. Nach Kriegsende verfiel sie zunehmend. 2013 komplettsaniert gehört sie zu den schönsten erhaltenen Bauten Oberschlesiens.
Kubits Buch (in polnischer Sprache) ist das Ergebnis vieler Jahre historischer Recherchen und fasst historische und jetzige Informationen sowie eine reiche Ikonografie zusammen.

 

Verborgene Geschichte auf Oberschlesischen Friedhöfen

Friedhöfe erzählen Geschichte und Geschichten. Deutsche Friedhöfe in Oberschlesien erzählen eine viele Jahre verschwiegene, verborgene und fast vergessene Geschichte, dabei sind sie oft ein Ruheort herausragender Persönlichkeiten. Diese vergessenen und verborgenen Relikte will die Publikation „Verborgene Geschichte auf oberschlesischen Friedhöfen“ wieder in Erinnerung bringen. Das Buch ist das Ergebnis eines zweijährigen Projekts des Hauses der deutsch-polnischen Zusammenarbeit, dessen Ziel eine umfangreiche Dokumentation der 50 bedeutendsten und interessantesten Nekropolen Oberschlesiens ist. Es erzählt Schicksale Einzelner umfasst aber auch ein Kompendium der wichtigsten historischen Nekropolen. Die 50 ausgewählten Friedhöfe bilden zusammengenommen ein vielfältiges religiöses und nationales Mosaik, das Oberschlesien als politisches, kulturelles und sprachliches Grenzgebiet charakterisiert. Die auf der letzten Seite beigefügte Landkarte lädt zu einer Entdeckungsreise durch die Region ein. Es ist eine deutsch-polnische Publikation.  Die Publikation verfasste Dawid Smolorz, Journalist, Autor und Kenner Oberschlesischer Geschichte, Autor der Ausstellung „Nachbarn – über eine der beständigsten Grenzen Europas. An Oberschlesiens östlichem Rand“.

Das Buch kann über das Haus der deutsch-polnischen Zusammenarbeit in Gleiwitz bestellt werden: www.haus.pl E-Mail: haus@haus.pl 

Neuerscheinung - Hinweis in eigener Sache:

Breslau museal

Das Kulturerbe von Breslau (Wrocław) bildet eine Schnittstelle der Geschichte Deutschlands, Polens und Tschechiens. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts zeugen wirkmächtige Ausstellungen vom historischen Bewusstsein des schlesischen Bürgertums. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg, der zu einem nahezu vollständigen Austausch der Bewohnerschaft dieser bedeutenden Großstadt führte, überdauerten in den Museen lokale Traditionen die Zeiten nationaler Aufrechnungen. Am Beispiel herausragender Geschichtsausstellungen aus elf Jahrzehnten beleuchtet die Studie den sich wandelnden Umgang mit der bewegten Vergangenheit der schlesischen Landeshauptstadt, ihrer konfessionellen und nationalen Minderheiten sowie der deutsch-polnischen Konflikt- und Versöhnungsgeschichte.

Dr. Vasco Kretschmann, Kulturreferent für Oberschlesien, wurde 2016 mit dieser Arbeit an der Freien Universität Berlin promoviert. Er

Breslau museal. Deutsche und polnische Geschichtsausstellungen 1900‒2010 (Neue Forschungen zur Schlesischen Geschichte 27).
Böhlau: Köln/Weimar/Wien 2018, 478 Seiten, 65,00 EUR
ISBN: 978-3-412-50938-5

Foto: www.muzeum1939.pl 

Paweł Machcewicz: Der umkämpfte Krieg. Das Museum des Zweiten Weltkriegs in Danzig. Entstehung und Streit

Das Deutsche Polen-Institut hat verdienstvollerweise das Buch des Gründungsdirektors des Museums des Zweiten Weltkriegs in Danzig Pawel Machcewicz, der im letzten Jahr seinen Posten auf politischen Druck des Ministeriums für Kultur und nationales Erbe nach inhaltlichen und gerichtlichen Auseinandersetzungen aufgeben musste, ins Polnische übersetzt und herausgegeben. In Deutschland wurde das Museum bekannt, als die politischen Auseinandersetzungen zwischen der nationalkonservativen Regierung nach dem politischen Wechsel in Polen im Herbst 2015 und der Museumsleitung die internationale Öffentlichkeit empörten. Durch die Gründung eines neuen "Westerplatte-Museum" hatte der Minister eine Institution geschaffen, die wenig später das Museum des Zweiten Weltkriegs übernehmen sollte, um dadurch die rechtliche Grundlage zu schaffen für eine neue Museumsleitung. Allerdings konnte diese Fusion durch den Widerstand des Museumsdirektors, die Mobilisierung der Öffentlichkeit und durch die Unterstützung des Ombusdsmanns für Bürgerrechte zeitlich aufgeschoben werden. In einem Wettlauf mit der Zeit wurde die Dauerausstellung des Museums fertiggestellt und noch unter der Regie des Gründungsdirektors Machcewicz im März 2017 eröffnet. Zwei Wochen später wurde das Museum mit dem Westerplatte-Museum vereint und damit war das "Museum des Zweiten Weltkriegs" formell aufgelöst. "Es musste mich noch nicht einmal jemand entlassen, da die Institution, deren Direktor ich gewesen war, schlicht und einfach verschwand", schreibt Pawel Machcewicz im Vorwort zu seinem Rechenschaftsbericht über den Streit und seine Vorgeschichte um das Danziger Museum.
Es lohnt in unserem Zusammenhang in Erinnerung zu rufen, dass die Gründung eines Museums des Zweiten Weltkriegs in Polen auf den deutsch-polnischen Streit um die Frage eines Zentrums gegen Vertreibungen in Berlin bzw. des "Sichtbaren Zeichens", wie es im Jahr 2007 diskutiert wurde, zurückgeht. Pawel Machcewicz (Jg. 1966), Geschichtsprofessor an der Polnischen Akademie der Wissenschaften und im Jahr 2000 Gründungsdirektor des Büros für öffentliche Bildung des Instituts des nationalen Gedächtnisses in Warschau, hatte in einem Zeitungsartikel in der  Gazeta Wyborcza seine Idee vorgestellt, als Gegenentwurf zu den Berliner Vorhaben in Polen die Geschichte der Deportationen, Zwangsumsiedlungen und Vertreibungen im Kontext der Geschichte des Zweiten Weltkriegs in einem eigenen Museum darzustellen. Schon damals löste sein Vorschlag über die internationale Ausrichtung dieses Museums, den er im Buch ausführlich dokumentiert, eine öffentliche Debatte aus, an der sich Historiker, Publizisten des liberalen und nationalkonservativen Lagers beteiligten.
In der Einführung zum Buch schreiben Peter Oliver Loew und Julia Röttjer vom Deutschen Polen-Institut zutreffend: Die Entstehung des Museums des Zweiten Weltkriegs in Danzig und der Streit um dessen Ausstellungskonzept sind ein Lehrstück sondergleichen. Hier kann besichtigt werden, was das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Vorstellungen von Geschichtspolitik und Identität im Herzen Europas bewirkt.

Dem kann ich mich nur anschließen und möchte das Buch zur Lektüre empfehlen! (Annemarie Franke)

Paweł Machcewicz
Der umkämpfte Krieg. Das Museum des Zweiten Weltkriegs in Danzig. Entstehung und Streit
Aus dem Polnischen von Peter Oliver Loew. Wiesbaden: Harrassowitz Verlag 2018 (Polnische Profile, Bd. 5), 250 S., Farbabbildungen, 22,90 EUR