Seiten in anderer Sprache:

Druckansicht aufrufen:

Suchbegriff eingeben:

Hauptnavigation:

Unternavigation:

Gedenktafel 

Jacek Ossowski, Vorsitzender des Breslauer Stadtrats 

Maria Bering, Leiterin der Gruppe Geschichte und Erinnerung bei der Kulturbeauftragten der Bundesregierung 

Enthüllung der Tafel: Rita Kratzenberg (re.) und Dr. Tamar Cohn-Gazit 

Neue Gedenktafel an die Deportation der schlesischen Juden 1941-1944

Fünfzehn Jahre lang hat Rita Kratzenberg daran gearbeitet, ein Familienvermächtnis zu erfüllen. Sie hat Petitionen verfasst und zahlreiche Briefe an Persönlichkeiten in der Politik und im Kulturleben geschrieben. Ihr Ziel: es solle am Odertorbahnhof in Breslau mit einer Tafel an die Deportation der Breslauer Juden in der NS-Zeit erinnert werden. Auch Frau Kratzenbergs Großeltern waren darunter. Ihre Mutter, selbst keine Jüdin, hat die Deportation mitangesehen. Die schrecklichen Szenen, deren Zeuge sie wurde, ließen sie zeit ihres Lebens nicht mehr los.

Am 13. April war es endlich soweit - die Gedenktafel am Odertorbahnhof wurde eingeweiht. Das Schlesische Museum zu Görlitz hatte die Initiative dazu ergriffen und führte gemeinsam mit dem Städtischen Museum in Breslau (Muzeum Miejskie Wrocławia) und der dortigen Jüdischen Gemeinde das Projekt durch. Die Tafel wurde vom Breslauer Bildhauer Stanisław Wysocki gestaltet. Bei der Enthüllung sprachen Maria Bering als Vertreterin der Kulturbeauftragten der Bundesregierung (die das Projekt finanziert hat), und Jacek Ossowski, Vorsitzender des Breslauer Stadtrats, ein Grußwort.

Bei einem anschließenden Empfang im Breslauer Rathaus trat die jüdisch-norwegische Sängerin Bente Kahan auf. Ihre Stiftung hatte wesentlichen Anteil am Gelingen des Gedenktafel-Projekts. Aus Israel war Dr. Tamar Cohn-Gazit angereist. Die Tagebücher ihres Großvaters, des Breslauer Historikers Willy Cohn, gehören zu den eindrücklichsten Zeugnissen der Judenverfolgung in NS-Deutschland. Willy Cohn und seine Familie waren unter den ersten, die vom Odertorbahnhof deportiert und anschließend ermordet wurden. Über 7.000 Menschen, Juden aus Breslau und anderen niederschlesischen Städten, wurden von hier in Güterzügen in die Lager und Vernichtungsstätten im Osten verbracht. Kaum einer hat überlebt.

Fotos: © Muzeum Miejskie Wrocławia / Tomasz Gąsior