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herausgegeben vom Förderverein Schlesisches Museum zu Görlitz – Landesmuseum Schlesien e.V.

 

 

Das Schlesische Museum ehrt Heidi und Fritz Helle

In der diesjährigen Mitgliederversammlung des Vereins der Freunde und Förderer wurden am 22. Oktober Heidi und Fritz Helle für ihre Verdienste um das Schlesische Museum geehrt. Durch die Großzügigkeit des Sammlerehepaares Helle und die Unterstützung durch die Ernst von Siemens Kunststiftung befinden sich heute 130 Bilder schlesischer Hinterglasmalerei aus der Grafschaft Glatz im Schlesischen Museum.

Das Ehepaar Helle hat mit seiner Sammlertätigkeit kulturgeschichtliches Terrain betreten, bzw. überhaupt erst wieder erschlossen, das seit Jahrzehnten verwaist war. Der große Kunsthistoriker und Direktor des Schlesischen Museums der Bildenden Künste in Breslau, Erich Wiese, hatte sich in den 1930er Jahren um diese scheinbar schlichte Volkskunst bemüht. Wiese trug eine große Sammlung von wohl 4.000 Hinterglasmalereien zusammen. Georg Bernatzky, in Bad Reinerz geboren, reiste in den 1930er Jahren durch die Grafschaft Glatz und sammelte die letzten noch erreichbaren Malutensilien und Bildvorlagen der bereits untergegangenen Volkskunst ein und protokollierte die Berichte der letzten noch aktiven Maler. Hieran knüpften nun Herr und Frau Helle an.

Schon vor Jahrzehnten wurden die beiden von Sammelleidenschaft gepackt. Zunächst richtete sich diese in etwas allgemeinerer Form auf Antiquitäten. Schließlich aber konzentrierte sich ihr Interesse mehr und mehr auf Hinterglasmalerei, und speziell auf schlesische Hinterglasmalerei. „Dass sie sich am Ende entschlossen haben“, so Dr. Bauer in seiner Laudatio, „ihre Sammlung an das Schlesische Museum zu geben, ist für unser Haus ein großes Glück. Abgesehen davon, dass es heute gar nicht mehr möglich wäre, eine Sammlung dieser Qualität und Größe zusammenzubekommen, hätte das Museum aus eigener Kraft den Erwerb niemals leisten können.“ Dr. Bauer erwähnte schließlich, dass in den Tagen vor der Mitgliederversammlung im Gespräch mit Herrn und Frau Helle sowie mit Fachleuten aus Deutschland, Tschechien und Polen über ein Forschungsprojekt zur schlesischen Hinterglasmalerei beraten wurde, mit dem das Schlesische Museum einen Beitrag zur Erforschung dieses kulturgeschichtlich interessanten Genres leisten will, das noch im 19. Jahrhundert das preußische Schlesien mit der österreichisch-böhmischen Kultursphäre verband.

Fritz Helle sagte in seiner Dankesrede, dass er zusammen mit seiner Frau jedes Jahr mehrmals, bei einem Antiquitätenhändler in Zwiesel vorbeischaute und dort 1992 ein Hinterglasbild entdeckten, das sie keiner Schule zuordnen konnten. Der Händler habe gesagt: „Das ist nichts für Euch, das Bild kommt aus Schlesien und hat hier keine Valuta.“ Sie hätten begonnen zu forschen, was es mit Schlesien und Hinterglasbildern auf sich habe. Durch gute Kontakte zum Haus Schlesien konnte das Ehepaar Helle, wohnhaft in Düsseldorf, den schriftlichen Nachlass von Georg Bernatzky einsehen. „Wir, die Helles“, sagte er, „haben seinerzeit unter anderem die Vorlagen der Familien Bernatzky und Wiese aufgenommen und weiterverfolgt. Seit diesem Zeitpunkt versammeln sich die gläsernen Heiligen aus der Grafschaft Glatz - oftmals nach mühsamer Suche - langsam aber stetig an den Wänden des Hauses Helle.“ Am Schluss seiner Dankesworte kam noch eine große Überraschung für Dr. Bauer und alle Anwesenden: „Gleichzeitig möchten wir Ihre Arbeit und die Ihrer Mitarbeiter in diesem schönen Museum in der begeisternden Stadt Görlitz mit einer Spende von 1000 Euro unterstützen“.

Klaus Schneider