Seiten in anderer Sprache:

Druckansicht aufrufen:

Suchbegriff eingeben:

Hauptnavigation:

Unternavigation:

Maria-Magdalena-Kirche in Breslau. Foto: S.Klimek 

Hinweise auf Tagungen im Herbst

Jahrestagung des Vereins für Schlesische Kirchengeschichte in Breslau
vom 4.-7. September 2017

Mitglieder und Freunde des Vereins für Schlesische Kirchengeschichte treffen sich vom 4. – 7. September 2017 im Gästehaus der Hofkirchengemeinde in Breslau zum Thema „Die preußische Kirchenunion von 1817“. Im Gedenkjahr an 500 Jahre Reformation greift der Verein einen wichtigen Einschnitt in der schlesischen Kirchengeschichte auf, als 300 Jahre nach der Reformation der preußische König Lutheraner und Reformierte zur Aufgabe ihrer liturgischen und theologischen Unterschiede zugunsten einer gemeinsamen Kirchenordnung aufforderte. Vorträge und eine Exkursion widmen sich den spezifischen Auswirkungen der Kirchenunion in Schlesien.
Anmeldung und Information: Dr. Thomas Koppehl,  sup.sol(at)kkvsol.net

Wangener Gespräche 2017

Die nächsten Wangener Gespräche finden in Wangen im Allgäu vom 21. bis zum 24.  September 2017 statt. Der diesjährige Eichendorff-Literaturpreis geht an Michael Krüger (München).
Informationen:  http://www.wangener-kreis.de/aktuell.html

Das Haus in Wolfshau. 

Gerhart Pohl und seine Gäste - Tagesseminar

Am Samstag, den 4. November 2017 findet in Krummhübel (Karpacz) die 3. Tagung des Vereins Fluchtburg e.V. statt. Vorgestellt werden Freunde aus dem Kreis um Gerhart Pohl, u.a. der Dichter Jochen Klepper durch seinen Biographen Markus Baum. Vorgestellt wird sicherlich auch ein sensationeller Fund: Pfarrer Edwin Pech von der Evangelisch-Augsburgischen Kirchengemeinde Wang und Michael Schuster vom Verein Fluchtburg e.V. sind bei einem Treffen in Wolfshau (Wilcza) auf ein altes Schulheft gestoßen, eng beschrieben und mit der Kennzeichnung versehen: „Latein. Gerhart Pohl“. Beim näheren Betrachten und nach genauerer Untersuchung entpuppte sich der in Sütterlin verfasste Text als Urmanuskript von „Fragolfs Kreuzweg“. Das Manuskript stellt eine literaturhistorische Besonderheit dar, auf die Pfarrer Pech und Schuster in Gerhart Pohls ehemaligem Arbeitszimmer gestoßen sind.
Der Verein „Fluchtburg e.V. ist eine Organisation, die sich für die Begegnung europäischer Kultur, vorrangig in den Bereichen Literatur, Musik und Bildende Kunst engagieren möchte. Als Begegnungsstätte soll das ehemalige Wohnhaus des Schriftstellers Gerhart Pohls dienen, das sich in noch fast unverändertem Zustand in Wolfshau, einem Stadtteil der Gemeinde Krummhübel befindet.

Termin: Samstag, 4. November 2017, 13 -17 Uhr
Ort: Hotel Artus in Krummhübel, ul. Wilcza 9
Information und Anmeldung:
Verein Fluchtburg e.V.  –  www.fluchtburg.eu
Herrn Michael Schuster  fluchtburg(at)gmx.de

 

 

Der Breslauer Reformator Johannes Heß.  

Rückblick: 
65 Jahre Kulturwerk Schlesien – Jahrestagung in Görlitz zum Thema 500 Jahre Reformation in Schlesien

Vom 16. – 18. Juni 2017 trafen sich Mitglieder und Gäste der Stiftung Kulturwerk Schlesien in Jauernick bei Görlitz zu ihrer Jahrestagung. Den Eröffnungsvortrag zu „Görlitz im Zeitalter der Reformation“ hielt Dr. Christian Speer, Universität Haale/Saale und Vorsitzender des Vereins für Geschichte Schlesiens e.V., vor zahlreichem Publikum im Schlesischen Museum.
Am Abend des zweiten Tagungstages richtete die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesischer Oberlausitz einen Empfang aus, der den festlichen Rahmen bot, um auf 65 Jahre Kulturwerk Schlesien zurück zu blicken. Dr. Ulrich Schmilewski, Geschäftsführer der Stiftung, beendete seinen Vortrag mit dem Appell „Mögen andere mit 65 in Rente gehen, das Kulturwerk Schlesien will zu neuen Horizonten aufbrechen für die schöne, für die einzigartige, für die lohnende Kulturlandschaft Schlesien!“ 
Am 11. Juli 1952 wurde das Kulturwerk Schlesien als eingetragener Verein in Marburg an der Lahn gegründet. Daraus entwickelte sich 1974 die Stiftung Kulturwerk Schlesien als Neugründung in der Rechtsform einer öffentlichen Stiftung bürgerlichen Rechts. Aufgabe der Stiftung ist es laut Satzung, „Maßnahmen durchzuführen und zu fördern, die geeignet sind, den schlesischen Beitrag zur deutschen und europäischen Kultur deutlich zu machen und seine Wirksamkeit und Weiterentwicklung zu fördern sowie schlesisches Kulturgut zu erhalten, zu sichern und zu pflegen.“  Das Kulturwerk Schlesien hat und vermittelt noch heute Kenntnisse und Informationen über Schlesien auf wissenschaftlicher Grundlage vor allem über Ausstellungen, Tagungen und Publikationen.

Informationen:  http://www.kulturwerk-schlesien.de/home/index.html

Wir veröffentlichen den Tagungsbericht von Dr. Ulrich Schmilewski:

Jahrestagung zur Reformation in Schlesien
Görlitz und Umgebung waren der Ort für die Jahrestagung 2017 der Stiftung Kulturwerk Schlesien mit dem Titel „Die Reformation in Schlesien“. Man weilte in der evangelischen Tagungsstätte Kreuzbergbaude in Jauernick-Buschbach, präsentierte den Görlitz betreffenden Eröffnungsvortrag im dortigen Schlesischen Museum und wählte die Neisse-Stadt als Ziel für eine Exkursion auf vor- und spätreformatorischen Spuren. Bei einem Empfang ergab sich die Möglichkeit, auf das 65jährige Bestehen des Kulturwerks Schlesien hinzuweisen.

Das erste Referat galt „Görlitz im Zeitalter der Reformation“, vorgetragen von Dr. Christian Speer (Halle/Saale). Hier wurde zum ersten Mal „lutherisch“ durch Pfarrer Franz Rotbart im Jahre 1521 gepredigt. Er war Exponent der neuen Lehre, wurde zunächst durch den Rat als Patronatsherr der Stadtpfarrkirche entlassen, 1525 zurückberufen und nach seiner Verheiratung 1530 abermals eines Amtes enthoben. Fünf Jahre später wurde ein verheirateter Prediger nach Görlitz berufen, was zeigt, dass sich das lutherische Bekenntnis durchgesetzt hatte. Das Verhalten des Rates als städtische Obrigkeit lavierte in jenen Jahren zwischen dem Verbieten der „reformatorischen Umtriebe“ und gewähren lassen. Bemerkenswert ist für Görlitz, dass keine öffentlichen Disputationen in konfessionellen Fragen stattfanden. Für die Gläubigen kam es im Alltag, so der Referent, zu einer „unbekümmerten, überlappenden Konfessionalität“: Katholische Traditionen wurden mit lutherischen Inhalten überlegt; man gelobte bei der Taufe, die Kinder katholisch zu erziehen, erinnerte sich jedoch später nicht mehr daran.
In Breslau führte der Rat mit der Berufung von Johann Heß als Pfarrer an die St. Maria Magdalena Kirche 1523 die Reformation ein, zwei Jahr später wurde mit Ambrosius Moibanus ein weiterer lutherischer Pfarrer an die Kirche St. Elisabeth verpflichtet. Beide Pfarrer setzten die neue Lehre in behutsamer Weise und ohne spektakuläre Aktionen durch. Der Breslauer Rat wie auch der Breslauer Bischof fühlten sich dem Humanismus verpflichtet, wohingegen das Domkapitel am katholischen Bekenntnis festhielt. Prof. Dr. Arno Herzig (Hamburg) interpretierte sodann einen Quellenfund, eine Beschreibung der konfessionellen Lage in der schlesischen Hauptstadt aus dem Jahr 1529. Darin wird berichtet, dass es den Pfarrern und Predigern freigestellt sei zu heiraten, dass es noch nicht zum Auftreten von Sektierern gekommen sei, eine Armenordnung eingeführt und katholische Bräuche abgeschafft worden seien; den Polen werde das Evangelium polnisch, den Deutschen deutsch gepredigt.
Von den Auswirkungen der Reformation auf die Grenzstadt Greiffenberg berichtet Dr. Jarosław Bogacki (Oppeln). In Greiffenberg setzte sich die Reformation vor 1529 durch, wie aus einer Beschwerde über einen dortigen evangelischen Gottesdienst in diesem Jahr zu schließen ist. Nach der Kirchenreduktion wich die evangelische Gemeinde zum Besuch des Gottesdienstes über den Queis in das sächsisch-oberlausitzische Friedersdorf aus. Als sich hier Schwierigkeiten finanzieller Art ergaben, entwickelten die Greiffenberger die Idee, dass der Grundherr im ebenfalls sächsisch-oberlausitzischen Nieder Wiesa eine Kirche errichten möge. In der dortigen Grenzkirche trafen sich ab 1669 dann bis zu 5.000 Gläubige zu den sonntäglichen Gottesdiensten. Angesprochen wurde damit die singuläre evangelische Kirchenlandschaft Schlesiens mit ihren Friedenskirchen (nach dem Westfälischen Frieden von 1648), den Grenz- und Zufluchtskirchen, den Gnadenkirchen (nach der Konvention von Altranstädt von 1707) und den friderizianischen Bethauskirchen (nach der Eroberung Schlesiens durch Preußen 1742).
Dr. Dr. Winfried Irgang (Marburg/Lahn) stellte die Auswirkungen der Reformation auf die Klöster in Schlesien vor, wobei das Gesamtbild für die Niederlassungen der verschiedenen Ordensgemeinschaften im Zeitraum von 1520 bis 1570 äußerst unterschiedlich ist. Viele Ordensgeistliche verließen von sich aus die Klostergemeinschaften, wechselten zum neuen Bekenntnis und nutzten die neuen Freiheiten, etwa um zu heiraten. In Schlesien gab es rund 130 Männer- und 14 Nonnenklöster. Für die Einrichtungen der Bettelorden brach die wirtschaftliche Grundlage weg, waren sie doch vorrangig auf das Almosengeben angewiesen. Bei den Mönchsorden wurden zwei Drittel der Männerklöster, aber nur ein einziges Nonnenkloster geschlossen. Während die Sachlage in Breslau relativ gut untersucht ist, fehlt es an eingehenderen Forschungen zu den Klöstern im Reformationszeitalter im übrigen Schlesien. Erst im 17. Jahrhundert kam es im Zuge der Gegenreformation zu Wieder- oder Neugründungen von Klöstern.
In das Jahrhundert vor der Reformation, zu den reformatorischen Bestrebungen des Jan Hus und den aus seiner Hinrichtung 1415 folgenden Kämpfen führte der Vortrag von Prof. Dr. Karl Borchardt (München). Er stellte die für Schlesien relevanten Quellen vor und schilderte die dortigen Auswirkungen der konfessionell-sozialrevolutionär geprägten Hussitenkriege. Diese Kriege stellten eine Herausforderung für die Lausitzen und für Schlesien dar. Für das Land an der Oder wurden sie Ansporn für eine gemeinsame Verteidigungsorganisation und Maßnahmen zur Friedenssicherung. Zu einer Übernahme der Vorstellungen des Jan Hus kam es nicht, da dieser als „undeutsch“ und als Ketzer gebrandmarkt wurde.
Mit dem Breslauer protestantischen Schultheater befasste sich Dr. Tomasz Jabłecki (Breslau). Dieses erlebte in den Jahren 1618 bis etwa 1638 seinen Höhepunkt. Die öffentlichen Aufführungen der auch religiöse Themen beinhaltenden Stücke von Andreas Gryphius, Daniel Casper von Lohenstein und Johann Christian Hallmann bedurften der Genehmigung des Stadtrates. Dem Theater kam eine kulturelle und gesellschaftliche Unterhaltungsfunktion zu, die sich auch die seit 1638 in Breslau befindlichen Jesuiten zunutze machten. Mit der Einführung von Vorder- und Hinterbühne, von Spezialeffekten und musikalischen Einlagen überflügelte schließlich das Jesuitentheater die protestantischen Schultheateraufführungen. Bleibendes Verdienst des protestantischen Schultheaters ist allerdings die Durchsetzung der deutschen Sprache auf der Bühne.
Zu den besonderen Sehenswürdigkeiten in Görlitz gehört der Nachbau des Heiligen Grabes mit dem Ölberggarten in Jerusalem, die Ende des 15., Anfang des 16. Jahrhunderts errichtet wurden und so vorreformatorisch sind. Wie wirkte sich die lutherische Reformation auf dieses „katholische“ Bauwerk aus? Margrit Kempgen (Görlitz) erläuterte während der Führung, dass Dank der „sanften“ Reformation in Görlitz die Einrichtung unversehrt blieb und weiterhin als christliches Bauwerk genutzt wurde. Die Exkursion führte zu den einzelnen Bauten, durch den Ölbergarten über den Nikolaifriedhof mit seinen Grüften und dem Grab für Jakob Böhme in die Nikolaikirche und weiter zur St. Peter und Paul Kirche. Hier schloss sich, passend zum Thema der Tagung, ein evangelischer Gottesdienst an, den Generalsuperintendent Martin Herche hielt. Im Anschluss daran lud dieser zu einem Empfang der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesischer Oberlausitz. Die Tagungsteilnehmer und geladene Gäste wurden von ihm willkommen geheißen, Grußworte sprachen Bürgermeister a.D. Andreas Böer und Prof. Dr. Friedrich Albrecht, Rektor der Hochschule Zittau/Görlitz. Seitens der Stiftung Kulturwerk Schlesien stellte Dr. Ulrich Schmilewski diese mit ihrer 65jährigen Geschichte kurz vor, und Dr. Dietrich Meyer dankte als Vorstandesvorsitzender für den freundlichen, musikalisch umrahmten Empfang und das Willkommen. – Die nächste Jahrestagung der Stiftung Kulturwerk Schlesien wird wieder in Würzburg stattfinden, und zwar vom 1. bis 3. Juni 2018; über das Thema werden wir rechtzeitig informieren.

Fotonachweis: Johannes Heß (Nürnberg 1490-1547 Breslau) aus: Jahrbuch des Schlesischen Museums für Kunstgewerbe und Altertümer N.F. 5 (1909), Tafel VII