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Nachrichten aus dem Schlesischen Museum

Aufführung der Rübezahl-Arien 2016. Foto: Krzysztof Sawicki  

In den Sommermonaten Juli-August laden wir zu einem Ferienprogramm für Kinder und Museumsführungen ein.
Aktuelle Angebote finden Sie unter http://www.schlesisches-museum.de/index.php?id=3606

Über die kommenden Exkursionen informieren wir in diesem Newsletter.  

Besonders empfehlen möchten wir das Konzert am 18. August 2017 um 19.30 Uhr im Saal des Restaurants Vino e Cultura, Untermarkt 2: 

Rübezahls Musikalischer Garten - ein Opern-Pasticcio
Eine Operngala mit Musik der europäischen Romantik im Rahmen des Projektes Rübezahls Musikalischer Garten - Muzyczny Ogród Liczyrzepy 2017.

Bereits zum 9. Mal gastieren junge Opernsänger*innen aus Mittel- und Osteuropa in Görlitz, die Arien und Duette aus wiederentdeckten Werken über den Berggeist Rübezahl aufführen. Während eines Meisterkurses in Buchwald (Bukowiec) im Hirschberger Tal proben sie die Musik von u.a. Louis Spohr, Carl Maria von Weber, Friedrich von Flotow oder Hans Sommer. Die Leitung hat Małgorzata Mierczak, Opernsängerin und Musikwissenschaftlerin in Salzburg und gebürtig aus Karpacz/Krummhübel, inne. Bereichert wird das Programm durch Opernarien bekannter Komponisten der europäischen Romantik.
- Eine Veranstaltung der Kulturreferentin in Kooperation mit dem Verband der Riesengebirgsgemeinden (Związek Gmin Karkonoskich).
- Eintritt: 12 Euro, ermäßigt 8 Euro
- Reservierung: Telefon +49 3581 87910

Bente Kahan und Adam Skrzypek in der Görlitzer Synagoge. Foto: SMG 

Rückschau:

Bente Kahan in der Görlitzer Synagoge mit ihrem neuen Programm „Wie ist die Welt so stille….“

Am 18. Juni 2017 sang die norwegisch-jüdische Künstlerin Bente Kahan aus Breslau begleitet durch den Kontrabassisten Andrzej Skrzypek in der Görlitzer Synagoge ein Programm mit Texten von Ilse Weber. Als Kinderbuch- und Rundfunkautorin hatte sie sich einen Namen gemacht, bevor sie Opfer der Judenverfolgung unter den Nationalsozialisten wurde. 1942 wurde Ilse Weber ins Ghetto Theresienstadt deportiert, wo sie bis 1944 rund 60 Gedichte schrieb. Die Texte in deutscher Sprache erzählen vom Leben im Lager und vermitteln Einblicke in die täglichen Kämpfe der Häftlinge. Ihre Gitarre konnte sie in das Ghetto einschleusen und spielte in der Krankenstation für Kinder Lieder, die sie selbst komponiert hatte. Gemeinsam mit ihrem jüngsten Sohn wurde sie nach Auschwitz transportiert und dort umgebracht. Ihr Mann überlebte das Lager und rettete ihre Gedichte. Viele davon waren an den ältesten Sohn Hanus gerichtet, der mit einem Kindertransport über England nach Schweden kam und heute in Stockholm lebt. Für die Uraufführung der Texte seiner Mutter in der Görlitzer Synagoge reiste er mit seiner Frau persönlich an. Eine Ausstellung auf roll-ups im Eingangsbereich zeigte ihn als Kind mit seinen Eltern in Prag, wo die Familie vor dem Krieg lebte.
Vor rund 150 Zuhörer/innen interpretierte Bente Kahan 13 Lieder über das Leben im Ghetto Theresienstadt. Die Tatsache, dass der Sohn, dem diese Zeit im Ghetto dank der Umsicht der Eltern erspart geblieben war, jetzt im Publikum saß, hat alle besonders berührt.  Eines der Gedichte war direkt an ihn gerichtet, getragen von der Sehnsucht der Mutter nach dem Kind und der Vorstellung eines Wiedersehens. Das Publikum hielt den Atem an und erst nach dem letzten Lied löste sich die Spannung und  im Stehen wurde anhaltend applaudiert. Das Programm soll als CD erscheinen.

Postkarte mit Ansicht des Neiße-Viadukts von 1847; Sammlung Bernd Peschel, Görlitz 

Freitag, 1. September, 19 Uhr

Eröffnung neue Sonderausstellung „Achtung Zug! 175 Jahre Eisenbahn in Schlesien“

2017 ist das Jubiläumsjahr der schlesischen Eisenbahn und insbesondere für Görlitz. 1842 wurde die erste Bahnlinie von Breslau nach Ohlau eröffnet, 1847 und 1917 entstanden die Bahnhofsgebäude in Görlitz. Die Ausstellung zeigt die rasche Entwicklung des Schienenverkehrs in Schlesien und seine Bedeutung für Görlitz.

Mittwoch, 6. September, 15 Uhr
Kaffee & Kultur – natürlich schlesisch

Auf den Zug aufspringen! Görlitz wird an das Eisenbahnnetz angeschlossen

Seit dem Bau des Bahnhofes und des Neiße-Viadukts 1847 war Görlitz gut in das expandierende schlesische Eisenbahnnetz eingebunden. Mit dem Zug gelangte man nach Dresden, Breslau und Berlin. Wolf-Dieter Fiedler spricht über die Bedeutung der Eisenbahn für Görlitz.  

- Eintritt: 10 Euro (inkl. Kaffee und Kuchen)
- Reservierung: +49 3581 87910,  kontakt(at)schlesisches-museum.de 

Flanieren im Park von Buchwald in historischen Kostümen. Foto: Magdalena Maruck.  

Samstag, Sonntag 16. – 17. September 2017

Landpartie zur Gräfin von Reden. Künstlerischer Herbst in Buchwald/Bukowiec.

Zum vierten Mal laden wir zu einem deutsch-polnischen Wochenende mit Parkführungen, Musik, Vorträgen, Literatur und Ausstellungen nach Buchwald (Bukowiec) ein. Im Mittelpunkt des Programms steht das 180. Jubiläum der Ankunft der Tiroler Glaubensflüchtlinge im Hirschberger Tal. Gräfin Friederike von Reden, Hausherrin auf Schloss Buchwald, hatte sich gegenüber dem preußischen König Friedrich Wilhelm III. dafür stark gemacht, die 416 Protestanten aus dem Zillertal in Erdmannsdorf (Mysłakowice) und Seidorf (Sosnówka) anzusiedeln.

- Eine Veranstaltung des Verbands der Riesengebirgsgemeinden (Związek Gmin Karkonoskich), der Kulturreferentin und des Kulturforums Östliches Europa in Potsdam.

- Informationen: Tel. 03591 / 8791 116,  afranke(at)schlesisches-museum.de

Schacht "Schwarze Forelle". Foto: D. Smolorz 

Tarnowitz/Tarnowskie Góry Weltkulturerbe der UNESCO

Im Silesia Newsletter 8/2015 haben wir über die Bemühungen der Stadt Tarnowitz/Tarnowskie Gory berichtet, die Silbermine und das industriekulturelle Erbe der Stadt auf die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO einzutragen. Bei seiner Sitzung in Krakau am 9. Juli 2017 hat das UNESCO-Weltkulturerbe-Komitee eine positive Entscheidung getroffen, so dass jetzt neben den Friedenskirchen zu Schweidnitz und Jauer und der Jahrhunderthalle in Breslau auch ein erstes Denkmal aus Oberschlesien mit dem prestigeträchtigen Titel ausgezeichnet wurde. Insgesamt 28 Objekte, sowohl das ausgedehnte Gelände der unterirdischen Schächte, Gruben und Entwässerungstunnel, als auch die Halden und postindustrielle Landschaft in der Region des Schutzgebietes „Segeth“ und „Silberberg“ wurden gemäß Antrag des Vereins der Freunde des Tarnowitzer Landes auf die Liste gesetzt.
Der stellvertretende Vorsitzende des Vereins, Zbigniew Pawlak, gab seiner Freude nach der Entscheidung in Krakau Ausdruck: „Im 18. Jahrhundert hat Goethe gesagt, dass wir am Ende des Reiches liegen. Heute weiß ich, wir sind im Zentrum der Welt.“

http://www.karpacz.pl/pierwsze-parkowanie-pod-lipa-za-nami-3888/n 

Sommer-Tipps für Festivals und Kunstaktionen

In jedem Menschen ruht ein künstlerischer Geist, man muss ihn nur wecken, so die Prämisse des Kunstfestivals „Parken unter der Linde“ in Krummhübel (Karpacz).

Am 15., 22. und 29. Juli öffnen dort Künstler ihre Ateliers für Besucher und die Stadt feiert ein Volksfest. Treffpunkt ist im Park an der „Gerichtslinde“. 1602 soll in Krummhübel bei schönem Wetter unter der Linde (gegenüber des heutigen Restaurants Bachus) gerichtet worden sein. So kam die Linde zu ihrem Namen: Gerichtslinde. An diesem alten Baum steht eine steinerne „Gerichts-Bank“ und ein Pranger an dem Verbrecher gestraft wurden.

 

 

https://pl-pl.facebook.com/fbkorgpl/ 

Zwischen dem 23. Juli und dem 3. September finden in der Synagoge zum Weißen Storch in Breslau jeden Sonntag um 18 Uhr Konzerte statt.

Den Auftakt bildet das Musikprojekt „Irgendwas kommt: Liebe oder Krieg” von Lena Piękniewska und ihrer Band: Musik nach Texten aus dem Getto, erfüllt von der Hoffnung ihrer jungen Autoren, u.a. Abraham Koplowicz, Zuzanna Ginczank, Janek Hescheles, Abraham Cytryn. Am 20. August tritt Jalda Rebling  auf, die zu den wichtigsten Interpreten jiddischer Musik aus Deutschland zählt und von der Wiederentdeckung des Jiddischen in der Zeit der DDR erzählt.
Die Karten kosten 35zl (25zl ermäßigt) und können per e-mail reserviert werden  bilety(at)fbk.org.pl.

 

Programmübersicht unter:  http://fbk.org.pl/new/event/latowsynagodze/

Foto www.bach.pl  

XVII. Internationales Bach-Festival in Schweidnitz

Vom 27. Juli bis 6. August 2017 erklingen in der Friedenskirche zu Schweidnitz sowie in weiteren Kirchen der Stadt und an ungewöhnlichen Orten wie dem Einkaufszentrum oder dem Schweidnitzer Bahnhof Musik von Barock bis Gegenwart. Das Thema des Festivals lautet in diesem Jahr „ Auf der Suche nach Ausdrucksformen für unsere Zeit“. Am Sonntag, den 30. Juli 2017 spielen in der Friedenskirche Cantus Cölln Werke von Heinrich Schütz, Johann Hermann Schein und Heinrich Albert. Es gibt Konzerte „Bach und die Frauen“ oder „Bach für Kinder“, Bach-Kantaten an den Sonntagen im Gottesdienst in der Friedenskirche, Klavier-Recitale  - Arnold Schönberg „Verklärte Nacht“ - und viele weitere Formate.

Informationen zu Programm und Reservierung:  http://bach.pl/

www.festivaldellarte.eu 

Das 6.  „Festival dell‘ Arte“ im Tal der Schlösser und Gärten lockt vom 12. bis 19. August Kunstfreunde in die Schlösser Schildau (Wojanów), Buchwald (Bukowiec), Wernersdorf (Pakoszów) und Fischbach (Karpniki).

Das Leitmotiv des Festivals ist,  unterschiedliche Kunstgattungen zu verbinden und sie in historischen Anlagen des einzigartigen Tals der Schlösser und Gärten zu präsentieren. Eine malerische Landschaft,   prächtige, in vergangenen Jahrhunderten errichtete Gebäude, die oft mit ausgedehnten Parks und Gärten umgeben waren, bildeten eine Inspiration für Maler, Dichter und Musiker. Die in der Nachkriegszeit zerstörten und verfallenen Schlösser und Herrenhäuser in denen einst die herausragenden Adelsfamilien Europas lebten, werden seit einigen Jahren in ihrer alten Pracht sorgfältig wiederhergestellt. „Diese materielle Substanz alter königlicher und fürstlicher Residenzen wollen wir um zusätzliche künstlerische Eindrücke bereichern, d.h. um Konzerte, Theateraufführungen, Ausstellungen von Malerei und Skulpturen, Begegnungen mit Künstlern und sowie Diskussionen über Kunst und Denkmäler“, so Piotr Napierała, Vorsitzender der Stiftung der Schlösser und Gärten im Hirschberger Tal. 


Informationen und Programm auf www.festivaldellarte.eu

www.swietoceramiki.pl 

Keramik-Fest in Bunzlau (Bolesławiec)


Die Stadt der Keramik lädt vom 16. bis 20. August zum 23. Keramikfestival ein. Der malerische Bunzlauer Ring wird in dieser Zeit zur Kulisse für den berühmtesten Töpfermarkt Niederschlesiens.
Das Bunzlauer Keramikfest pflegt die jahrhundertealte Keramiktradition dieser Stadt. An zahlreichen Ständen wird die berühmte Bunzlauer Keramikwahre zum Verkauf angeboten. Außerdem werden mehr als 100 Aussteller aus Polen und dem Ausland auch ihre Erzeugnisse feilbieten.
An einigen unter freiem Himmel errichteten Keramiköfen können Zuschauer den spektakulären Prozess des Keramikbrands verfolgen. Und wer möchte, kann an der Herstellung eigener Töpferware mitwirken, am Töpferrad drehen, mit Ton basteln, die Keramik unter Anweisung des Töpfermeisters selbst bemalen. Auf der Bühne sorgen polnische und internationale Musiker für Stimmung.

Informationen zum Programm (auch in deutscher Sprache) finden Sie auf  www.swietoceramiki.pl

www.krzyzowa-music.eu 

Vom 15. bis 27. August treffen sich in Kreisau (Krzyżowa) Musiker aus über 20 Ländern der Welt, um miteinander zu leben, zu musizieren und Erfahrungen auszutauschen.

Gestandene Musiker treffen auf Nachwuchskünstler, um in Proben und Konzerten „große musikalische Energien freizusetzen“, so die Veranstalter. Sie erarbeiten gemeinsam das Konzertprogramm in Workshops. Die Schirmherrschaft über das Kammermusikfestival „Krzyżowa-Music“ haben die Außenminister von Polen und Deutschland, Sigmar Gabriel und Witold Waszczykowski übernommen. Am 17. August wird auf dem Kreisauer Gutsgelände zum Eröffnungskonzert geladen. Auf dem Programm steht u. a. Mozarts  Klaviertrio B-dur, KV 502 und Werke aus der Probenarbeit. Am 18. August geben die Musiker ein Gastspiel auf Schloß Fürstenstein (Zamek Książ) und am 26. August im Kurtheater Bad Salzbrunn (Szczawno-Zdrój). Das Abschlusskonzert findet in der Breslauer Synagoge zum Weißen Storch statt. Alle Konzerte beginnen um 19:30 Uhr.

Eintrittskarten und Informationen gibt es auf der Internetseite:  www.krzyzowa-music.eu

 

Foto Meetingpoint Music Messiaen  

10. Worcation – aktive Sommerferien in Görlitz-Zgorzelec

Der Meetingpoint Music Messiaen e.V. lädt junge Leute im Alter zwischen 16-26 Jahren zur Teilnahmen an der zweiwöchigen internationalen Jugendbegegnung in Görlitz-Zgorzelec ein. Das Projekt WORCATION, das vom 22.07.-05.08.2017 stattfindet, ist eine Mischung aus kreativer Arbeit und aktivem Freizeit-Angebot. Das ist richtig viel Arbeit - graben, kehren, putzen, schweißen, biegen – und denken. Aber es ist auch richtig viel Spaß - chillen, grillen, baden und die schöne Region erkunden. Die Teilnehmer lernen gemeinsam die Geschichte der Stadt kennen, die nach dem Krieg geteilt wurde. Der Ausgangspunkt für die Arbeit ist ein über Jahrzehnte fast vergessener Ort, das Kriegsgefangenenlager Stalag VIII A und die Schicksale der damaligen im Lager inhaftierten Kriegsgefangenen.

Auf die Teilnehmer des Worcation wartet ein vielfaltiges Programm. Tagsüber werden die Jugendliche Garten- und Waldarbeiten auf dem Gelände des ehem. Kriegsgefangenenlagers vornehmen und dabei den Ort und dessen Geschichte „begreifen lernen“ und mit einem Archäologen die Spuren des Lagers neu aufdecken. Eine Metallbauworkshop-Gruppe hat die Möglichkeit sich mit Einzelschicksalen der Kriegsgefangenen auseinanderzusetzen und ihre Erkenntnisse und Gefühle in Metallskulpturen in der Werkstatt umzusetzen.

Worcation feiert in diesem Jahr ein rundes Jubiläum und findet zum 10. Mal statt. Melde Dich jetzt an und werde Teil der WORCATION 2017! (22.07.-05.08.2017):  www.formular.io/worcation/

Weitere Informationen:  http://www.meetingpoint-music-messiaen.net/worcation-2017/?lang=pl

 

Wettbewerb Denkmal – denk mal dran!

Der Verein zur Pflege schlesischer Kunst und Kultur in Görlitz (VSK) hat zusammen mit dem Vereinszentrum im Hirschberger Tal einen Wettbewerb ausgeschrieben. „Pomnik – nie zapomnij! Denkmal – denk mal dran!“ ist der Titel. Private Eigentümer und gemeinnützige Vereine sollen ermutigt werden, in Objekte von kulturhistorischer Bedeutung zu investieren, so dass ihre einstige Schönheit und Besonderheit im Gesamtbild der schlesischern Landschaft zum Vorschein und zur Wirkung kommt. Der Gewinner bekommt ein Preisgeld in Höhe von 12.000 zł. (etwa 3.000 Euro). Der Preis wird am 30. September auf Schloss Wernersdorf (Pałac w Pakoszowie) feierlich verliehen. Im Wettbewerb werden Anträge für Objekte angenommen, die vom 1. Januar 2012 bis zum 15. September 2017 in Bereich des Woiwodschafts-Denkmalschutzamtes (Delegatura Jelenia Góra) restauriert werden oder restauriert worden sind. Einsendeschluss ist der 15. September 2017. Weitere Informationen gibt es auf  www.vskschlesien.de

Barbara Loch und Margarethe Wysdak 

Preisverleihung 41. Kulturpreis Schlesien

Am 12. August 2017 werden im Theater Osnabrück die Preisträger 2017 des Kulturpreises Schlesien des Landes Niedersachsen geehrt. Durch die Jury ausgewählt wurden die Regisseurin Karin Kaper aus Berlin (Dokumentarfilm „Wir sind Juden aus Breslau“ 2016), der Historiker und Kunsthistoriker Prof. Stanisław Sławomir Nicieja (langjähriger Rektor der Universität Opole/Oppeln) und der Verein Pro Liberis Silesiae ( privater Träger von zweisprachigen Montessori-Bildungsangeboten in Oberschlesien) aus Raszowa. Lesen Sie in folgendem Beitrag mehr über die Personen, die hinter dem Verein stehen! 

Powerschwestern revolutionieren die Bildungslandschaft

Nächstes Jahr feiern sie das 10. Gründungsjubiläum ihres Vereins Pro Liberis Silesiae. Die Schwestern aus dem Oppelner Vorort, Margarethe Wysdak und Barbara Loch richteten 2008 im oberschlesischen Raschau (Raszowa) ihre erste Schule mit Kindergarten ein, die nicht nur in Deutsch und Polnisch, sondern auch nach dem pädagogischen Prinzip Maria Montessori unterrichten und erziehen. „Das ist ein pädagogischer Weg, bei dem Kinder sehr individuell arbeiten können. Wenn man sich die Regale in unserer Schule anschaut, sieht man, dass selbst das Arbeitsmaterial in unserer Montessoriausführung deutsch-polnisch ist. Die Kinder wählen erst einmal was sie machen möchten, ob sie heute Mathematik oder Sprache oder Naturkunde machen und zusätzlich können sie auch die Sprache wählen. Eine große Hilfe, wenn man über Fächer zur Sprache finden soll“, so Dr. Wysdak, Vorsitzende des Vereins Pro Liberis Silesiae.

Die Idee eine Schule in eigener Trägerschaft zu gründen ist Margarethe deshalb in den Sinn gekommen, weil sie in ihrer Tätigkeit als Lehrerin vom Bildungssystem der öffentlichen Schulen maßlos enttäuscht wurde. „Mir gefällt eine Schule nicht, in der die Kinder sich nicht entfalten können oder in der man nur darauf Wert legt, dass die Kinder sich auf Examina vorbereiten und dabei die Leidenschaft fürs Entdecken und Lernen völlig verloren geht“, so die Germanistin und Expertin für Methodik, Margarethe Wysdak.

So haben die Schwestern im Stillen, ohne mediales Aufsehen, aber mutig und konsequent ihre erste Schule und den dazugehörigen Kindergarten eingerichtet. Mut brauchten sie, weil vor 10 Jahren die Oppelner Bildungsbehörde keineswegs offen für private deutsche Schulprojekte war. Doch die Schwestern überzeugten durch gute Ergebnisse. „Man traute es uns nicht zu. Unangemeldete Kontrollen vom Bildungskuratorium waren unser Alltag. Doch die Ergebnisse dieser Prüfungen fielen gut aus. Das zeigte uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, erinnert sich Wysdak.

Heute führen die Schwestern drei Schulen und drei Kindergärten: in Raschau, Goslawitz (Gosławice) und Oppeln-Malino (Malina). Bekannt ist ihr Verein auch durch seine Kinderkulturprojekte wie Theaterbegegnungen oder die seit fünf Jahren organisierte Kinderspielstadt, die in diesem Jahr erstmals auf dem Schulgelände der neusten Pro-Liberis-Schule in Oppeln-Malino stattfand. Dieses Schulgebäude wurde dem Trägerverein von der Stadt zu Verfügung gestellt, nachdem die Schule aus Mangel an Schülern geschlossen werden sollte. Das Gebäude, wie auch die Schule in Goslawitz waren in einem maroden Zustand und mussten erst saniert werden. Durch Fördergelder u. a. aus der Stiftung für Entwicklung Schlesiens, dem polnischen Ministerium für Verwaltung und Digitalisierung, der Stadt Oppeln und dem deutschen Ministerium des Innern ist es gelungen, die wichtigsten Renovierungen durchzuführen.

Doch nicht allein die Beschaffung der Gelder bereitet den Schwestern schlaflose Nächte. „Für die Kindergärten müssen wir vielen Familien allein aus Platzmangel absagen. Etwas anders sieht es mit den Schülerzahlen aus. Wenn entschieden wird, wo die Kinder eingeschult werden, dann kommt oft das Thema der heiligen Kommunion ins Spiel, dann entscheiden sich viele Eltern für den Ort der Einschulung, wo ihre kirchliche Heimatgemeinde ist. Es wird befürchtet, dass die Kinder aus ihren Ortschaften herausgerissen werden“, so die ältere der beiden Schwestern, Margarethe. „Man muss einfach von Außen Kinder herbeiholen. Unsere Schüler kommen aus bis zu 25 km Entfernung. Diese Eltern wollen für ihre Kinder etwas Besonderes, sie legen eben großen Wert auf Bildung“, freut sich Barbara Loch, Vorstandsmitglied im Verein.

Der Verein Pro Liberis Silesiae (für die Kinder Schlesiens) wird als Leuchtturmprojekt in der Bildungs- und Kulturlandschaft der Deutschen in Polen angesehen. Im vergangenen Jahr wurden die Schwestern durch den deutschen Botschafter Rolf Nikel mit einer Urkunde ausgezeichnet. Am 12. August diesen Jahres erhalten sie dem Kulturpreis Schlesien des Landes Niedersachsen überreicht.

Klaudia Kandzia

Schlesisches Schaufenster Bayern eröffnet am 15. Juli 2017 

Ab Mitte Juli kann im Herzogsschloß Straubing die Dauerausstellung „Schlesisches Schaufenster in Bayern – Museum und Dokumentation“ besichtigt werden. Diese Dokumentation der Geschichte und Kultur Schlesiens hat die  „Stiftung Schlesien. Bayern - MMIX“ unter Federführung ihres stellvertretenden Vorsitzenden, Dr. Gotthard Schneider, angeregt und umgesetzt. Das „Schlesische Schaufenster in Bayern“ erzählt eine Geschichte, die sich vor allem an die Erlebnisgeneration und ihre Nachkommen richtet – sie dient aber auch dazu, das Erbe der Schlesier in das Bewusstsein heutiger Zeitgenossen zu rücken und den Beitrag schlesischer Heimatvertriebener für die Entwicklung Bayerns seit dem Zweiten Weltkrieg zu veranschaulichen.
Das Straubinger Herzogsschloss dient heute als Sitz des Finanzamts und des Gesundheitsamts. Im Rittersaal finden Veranstaltungen statt. Adresse: Schlossplatz 2b. Öffnungszeiten der Ausstellung bitte erfragen bei:  LS-LV-Bayern(at)t-online.de

Deutsch-Polnische Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz
Gastbeitrag von Dr. Konrad Vanja

„Inventarisierung des wiederentdeckten deutschen Archivs (1436 –1954) des heutigen Benediktinerinnenklosters Grüssau/Krzeszów, Woiwodschaft Niederschlesien, Polen"

 

Die Deutsch-Polnische Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz in Görlitz förderte 2015 gemeinsam mit der Erika-Simon-Stiftung in Rinteln das Projekt „Inventarisierung des wiederentdeckten deutschen Archivs (1436 –1954) des heutigen Benediktinerinnenklosters Grüssau/Krzeszów, Woiwodschaft Niederschlesien, Polen".
Der Gebäudekomplex von Kloster Grüssau ist heute die bedeutendste und am besten erhaltene Klosteranlage Schlesiens. Er besteht aus der 1728 – 1735 errichteten Marienkirche, der 1692 – 1696 für die Josephsbrüderschaft erbauten Josephskirche, dem barocken Gästehaus, der Klausur im Süden mit Klostergarten, die unter Abt Placidus Mundfering (1768 – 1787) vergrößert wurde und unfertig geblieben ist, der Kanzlei und anderen Nebengebäuden wie die ehem. Brauerei und Apotheke, die vornehmlich aus dem 18. Jh. stammen, dem Kreuzweg, der Klostermauer und der Staupsäule. Besonders berühmt ist die Innenausstattung der beiden Kirchen. In der Josephskirche sind es vor allem die 1692 – 1695 entstandenen Fresken zur Josephslegende von Michael Leopold Willmann (1630 – 1706), welche u. a. den bedeutenden deutschen Expressionisten Ludwig Meidner (1884 –1966) zu Begeisterungsstürmen hinrissen, in der Marienkirche die noch teilweise von dem Barockbildhauer und -maler Ferdinand Maximilian Brockhoff (1688 – 1731) konzipierte und von seinem Schüler Anton Dorasil (1695 – 1759) und dessen Mitarbeitern realisierte Innenausstattung. Ein musikhistorischer Höhepunkt der künstlerischen Ausstattung des Klosters ist die 1732 von dem Breslauer Orgelbauer Michael Engler (1688 – 1760) für die immense Summe von 29.000 Talern fertiggestellte Orgel.

Der derzeit im Benediktinerinnenkloster in Grüssau mit seiner wechselhaften Geschichte aufbewahrte Archivbestand reicht nur ausnahmsweise auf die Existenzzeit des Zisterzienserklosters in Grüssau zurück. Die genaueren Umstände seiner Entstehung sind unbekannt. Aus dem Inhalt jüngst wiederentdeckter Archivalien folgt heute, dass diese ursprünglich eigenständigen Archiven angehörten. Das schon 2014 von Urszula Ososko und Rainer Sachs begonnene Unternehmen zur Erfassung eines „kleinen Bestandes deutscher Archivalien“ erwies sich dabei weit umfangreicher, bedeutungsvoller und erfolgreicher als ursprünglich gedacht.[1] Insgesamt umfasst der wiederentdeckte deutsche Archivbestand mit einem bereits 2014/15 aufgetauchten und vorgearbeiteten ersten Teil 2.000 Faszikel, die zu ordnen und in sechs Abteilungen zu gliedern und der interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen gewesen sind;
I.                   Ehemaliges Archipresbyterat Landeshut
II.                Ehemalige katholische Pfarrei Grüssau
III.             Ehemalige katholische Pfarrei Neuen
IV.             Ehemaliges Benediktinerkloster Grüssau
V.                Varia
VI.             Karten und Projekte

Die erhaltenen Akten bringen wichtige Details zum preußischen Kirchensystem zum Vorschein: Wieder gefundene Gemeindeakten zeigen Einzelheiten zur Baugeschichte der letzten 200 Jahre der Kirchen in der Umgebung, darunter wichtige Bauakten zur Restaurierung der wertvollen barocken Englerorgel in der Klosterkirche Grüssau. Von besonderem Interesse sind auch die überkommenen historischen Baupläne, darunter ein Grundriss des Klosters Grüssau, der von dem jüdischen Architekten Paul Israel Ehrlich angefertigt wurde. Einen interessanten Aktenbestand bietet das Archiv des 1919 aus dem Emmauskloster in Prag nach Grüssau verbrachten Benediktinerkonvents. Der Benediktinerkonvent Grüssau (1919-1946) spielt eine wichtige Rolle für die Vorarbeiten der liturgischen Reform der Katholischen Kirche, die im 2. Vatikanischen Konzil 1963 ff. beschlossen wurde. Die Abteilung Varia enthält zudem einen kleinen, aber sehr bedeutsamen Bestand im Hinblick auf die Internierung Schlesischer Juden im Kloster und deren Deportation 1941 – 1943. Ein weiterer Archivalienbereich, der erfasst werden konnte, umfasst Kartenwerke.
Die Deutsch-Polnische Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz (DPS) hat das im Herbst 2015 gestartete und Mitte Januar 2016 beendete Inventarisierungsprojekt mit rund 1.600 Faszikeln als Maßnahmenträger auf Initiative und mit einer von der Erika-Simon-Stiftung in Rinteln eingeworbenen großzügigen zweckgebundenen Spende sowie Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) unterstützt.
Hauptbeweggrund dafür, dass sich die DPS, die ihre zentrale Aufgabe darin sieht, zur Bewahrung besonders erhaltenswerter Baudenkmale beizutragen, des wiederentdeckten Grüssauer Archivguts angenommen hat, war, dass der Bestand, neben Personal- und Wirtschaftsakten und Unterlagen des Verlags für Liturgik, größtenteils aus Bauakten, z. B. der Kapellen des berühmten Kreuzwegs sowie Visitationsberichten, Sitzungsprotokollen der Kirchenvorstände und Rechnungen besteht, die denkmalschutzrelevante Informationen enthalten, und der fortan ausgewertet werden kann. Zugleich bietet diese erste Erschließung allen Interessenten an der Geschichte Schlesiens einen weiteren Einstieg in die Landes-, Konfessions- und Kulturgeschichte dieser europäischen Region.[2]

Konrad Vanja im Frühjahr 2017

 

 

[1] Siehe den Beitrag: Urszula Ososko / Rainer Sachs, Das deutsche Archiv des Benediktinerinnenklosters in Grüssau. In: Zeitschrift für Ostdeutsche Familiengeschichte. Herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft ostdeutscher Familienforscher e. V., 65. Jahrgang (2017), Heft 1, S. 137-140.

[2] Das zweisprachige Inventar („Inwentarz archiwum"/ lnventar des Archivs") ist zu finden unter: http:// benedyktynki-krzeszow.pl/inwentarz-archiwum-inventar-des-archivs [Zugriff am 13.2.2017]. Eine gedruckte Version des Inventars ist vom Sonderforschungsbereich „Kulturerbe der aufgelösten Klöster auf dem Gebiet der ehemaligen Polnischen Republik und Schlesiens im 18. und 19. Jahrhundert" der Universität Breslau ediert worden.