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Nachrichten aus dem Schlesischen Museum

Eröffnung 9.12.2016 Foto: SMG 

Eröffnung Wanderausstellung „Kirchfahrer, Buschprediger, betende Kinder. 500 Jahre evangelisches Leben in Schlesien.“  

Am 9. Dezember eröffnete ein Konzert mit geistlicher Musik schlesischer Dichter und Komponisten von der Reformation bis zur Neuzeit  die Präsentation der Wanderausstellung „500 Jahre evangelisches Leben in Schlesien“.  Das Programm unter dem Titel  „Wer singt, betet doppelt“ - nach Martin Luther - hatten Margrit Kempgen (Kirchliche Stiftung Evangelisches Schlesien), Dr. Stephan Aderhold (Friedenskirche zu Schweidnitz) und Kreiskantorin Ulrike Scheytt gemeinsam entworfen. Es sang Mi-Seon Kim, Sopranistin und Sängerin am Gerhart-Hauptmann-Theater. Einige Strophen und Refrains durfte auch das Publikum mitsingen, was zur guten Stimmung im mit über 100 Besucher/innen gefüllten Saal beitrug. Die einzelnen Lieder wurden von Frau Kempgen und Dr. Aderhold abwechselnd kommentiert. 
In die Ausstellung führte Dr. Markus Bauer ein. Das Konzept zur Ausstellung sowie die Umsetzung hatte er gemeinsam mit  der Kulturreferentin für Schlesien, Dr. Annemarie Franke, erarbeitet. Die Wanderausstellung ist Teil des Projektes „Reformation im östlichen Europa“, getragen durch das Deutsche Kulturforum Östliches Europa in Potsdam und gefördert durch die Bundesbeauftrage für Kultur und Medien. Grußworte während der Eröffnung sprachen der Bischof der Diözese Breslau der Evangelisch-Augsburgischen Kirche Polens, Waldemar Pytel und der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises  Schlesische Oberlausitz Dr. Thomas Koppehl.  Unter den Ehrengästen waren die Generalkonsulin der Bundesrepublik Deutschland in Breslau, Frau Elisabeth Wolbers, und der Landtagsabgeordnete  Octavian Ursu sowie Vertreter der Stadt und des Landkreises. Unter den Gästen zahlreich vertreten waren Mitglieder der Gemeinschaft Evangelischer Schlesier sowie vieler Kirchengemeinden des Kirchenkreises und der benachbarten polnischen evangelischen Gemeinde Lauban/Luban, zu der auch Zgorzelec gehört. 
Die Ausstellung wird bis zum 12. März 2017 im Schönhof zu sehen sein. Danach geht sie zunächst nach Schweidnitz/Swidnica und wird in der Taufhalle der Friedenskirche gezeigt.

Begleitveranstaltungen zur Wander- und Sonderausstellung Januar – März 2017

4. Januar 2017, Mittwoch 15 Uhr

Kaffee & Kultur – natürlich schlesisch zum Thema der Wanderausstellung „500 Jahre evangelisches Leben in Schlesien“ mit Dr. Annemarie Franke

22. Januar 2017, Sonntag 12 Uhr

Führung in polnischer Sprache durch die Wanderausstellung „500 Jahre evangelisches Leben in Schlesien“ mit Dr. Katarzyna Zinnow.

1. Februar 2017, Mittwoch 15 Uhr

Kaffee & Kultur – natürlich schlesisch zum Thema Silesia Cantans – das singende Schlesien mit Margrit Kempgen, Kirchliche Stiftung Evangelisches Schlesien.

7. Februar 2017, Dienstag 11 Uhr

Ein evangelisches Pfarrhaus im Bartschtal.
Zeitzeugengespräch für Schüler/innen mit Bettina Harnischfeger.

9. Februar 2017, Donnerstag 18 Uhr

Die Reformation in Ostmitteleuropa.
Vorträge zum Ausstellungsprojekt des Deutschen Kulturforums Östliches Europa in Potsdam  „Reformation im östlichen Europa“. Die Wanderausstellung über 500 Jahre evangelisches Leben in Schlesien ist Teil dieses Vorhabens. Drei andere Regionen Ostmitteleuropas sollen an diesem Abend vorgestellt werden.

19. Februar 2017, Sonntag 17 Uhr

Polnische, litauische und deutsche Lieder und Psalmen der Reformationszeit.
Konzert des Ensembles „The School of Night“.

1. März 2017, Mittwoch 15 Uhr

Kaffe & Kultur – natürlich schlesisch zum Thema Vom Bauernsohn zum Akademielehrer – Valtentin Trotzendorf mit Wolf-Dieter Fiedler.

11. März 2017, Samstag 19 Uhr

Luther war nie in Schlesien.
Ein vergnügliches, historisches Jugendtheaterstück, in der Ausführung von Schüler/innen des Berufsschulzentrum Görlitz.

12. März 2017, Sonntag 14 Uhr

Rundgang durch die Wanderausstellung „500 Jahre evangelisches Leben in Schlesien“  mit Museumsdirektor Dr. Markus Bauer,

18. März 2017, Samstag 15 Uhr

Selbstbehauptung in der DDR-Zeit: Die evangelische Hoffnungskirche Königshufen
Neue Reihe zum Reformationsjubiläum  – Kirchenexkursionen in Görlitz.

Weitere Informationen zu den Angeboten

Ausschreibung: Kulturrefernt/in für Oberschlesien
bei der Stiftung Haus Oberschlesien in Ratingen

Informationen von der Website der Stiftung:
Das Anforderungsprofil ist hoch, was nicht als Hürde zu missverstehen, sondern als hochwertiger auszufüllender Gestaltungsauftrag zu begreifen ist. Dienstort wird Ratingen bei Düsseldorf in Nordrhein-Westfalen sein. Dort ist das Oberschlesische Landesmuseum die Arbeitsstätte. Ausgehend von den reichhaltigen Erfahrungen, Kontakten und Projekten dieses Landesmuseums lassen sich viele Projekte begleiten, initiieren und durchführen. Das Instrumentarium des Kulturreferenten für Oberschlesien wird nicht neu zu erfinden sein. Seit Jahren gibt es die bewährte Funktionsstelle beim Schlesischen Museum in Görlitz. Doch der Bildungsbereich in Deutschland, das Organisationsgeflecht in den polnischen Woiwodschaften Schlesiens sowie die grenzüberschreitende Wahrnehmung der schlesischen Landesteile in Tschechien bieten für neue Vorhaben unbegrenzte Möglichkeiten. Um dafür Ideen umzusetzen, braucht es nun die "richtige" Persönlichkeit.
Bewerbungen werden bis zum 22. Januar 2017 entgegengenommen. Die Stelle ist zunächst auf zwei Jahre befristet.
Hier die Ausschreibung:
 http://www.oberschlesisches-landesmuseum.de/über-uns/stellenangebote/559-kulturreferent-in.html

Jüdische Schulklasse in Breslau 1938@Karin Kaper 

Wir sind Juden aus Breslau. Überlebende Jugendliche und ihre Schicksale nach 1933

Am 6. November im Breslauer Kino Nowe Horyzonty und am 13.11. in Berlin im Zeughauskino des Deutschen Historischen Museums fanden die polnische und deutsche Erstausstrahlung des Dokumentarfilmes von Karin Kaper und Dirk Szuszies statt. 14 Zeitzeugen stehen im Mittelpunkt des Filmes. Sie erinnern nicht nur an vergangene jüdische Lebenswelten in Breslau. Ihre späteren Erfahrungen veranschaulichen eindrücklich ein facettenreiches Generationenporträt. Einige von ihnen nehmen sogar den Weg in die frühere Heimat auf sich, reisen ins heutige Wrocław, wo sie einer deutsch-polnischen Jugendgruppe aus Wroclaw und Bremen begegnen.

Ein Projekt in Kooperation mit der Bente-Kahan-Stiftung in Wrocław gefördert von der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien.

Protagonisten:

Esther Adler, Gerda Bikales, Anita Lasker-Wallfisch, Renate Lasker-Harpprecht, Walter Laqueur, Fritz Stern, Guenter Lewy, David Toren, Abraham Ascher, Wolfgang Nossen, Eli Heymann, Mordechai Rotenberg, Max Rosenberg, Pinchas Rosenberg.

Die Premiere in Dresden findet am 18.1. um 19 Uhr im Programmkino Ost in Anwesenheit der Regisseure statt. Ab 19.1. ist der Film im regulären Programm des Kinos zu sehen. In Zittau wird der Film im Kronenkino am 27.1. um 20 Uhr mit Regisseurbesuch gezeigt und am 29.1. um 20 Uhr in der Kulturfabrik Meda in Mittelherwigsdorf.

www.judenausbreslaufilm.de

Spielszene aus dem Film, Fotos ©Halbtotalfilm/Reinhard Berg  

Die Deutschen und die Polen. Geschichte einer Nachbarschaft

Am 9. November wurde bei 3sat die deutsch-polnische Koproduktion gezeigt, welche die Geschichte der komplexen nachbarschaftlichen Beziehungen erzählt und neu beleuchtet. Die Filmreihe besteht aus vier Teilen, die unter der Regie von Andrzej Klamt, Zofia Kunert und Gordian Maugg gedreht wurden. Am 12. und 19. Dezember wird sie im Fernsehsender TVN präsentiert. In der "Gazeta Wyborcza" ist bereits eine umfangreiche Rezension über den Film erschienen.

Mehr Informationen unter:  www.deutsche-polen.eu

Ausschreibung für den Karl-Dedecius-Preis

Zum achten Mal lädt die Robert Bosch Stiftung polnische und deutsche Übersetzer ein, sich um den Karl-Dedecius-Preis zu bewerben. Die mit 10.000 € dotierte Auszeichnung wird in Zusammenarbeit zwischen dem Deutschen Polen-Institut Darmstadt und der Stiftung Karl Dedecius-Literaturarchiv vergeben und geht zugleich an einen deutschen und einen polnischen Übersetzer.  Sie werden für ihre herausragenden Leistungen und ihre Vermittlungsarbeit zwischen den beiden Nachbarländern geehrt. Die Preisträger werden von einer unabhängigen deutsch-polnischen Jury vorgeschlagen und im Mai 2017 bekannt gegeben. Die Preisverleihung findet am 9. Juni 2017 in Krakau statt. 
Bewerbungen per E-Mail an  kaluza@dpi-da.de

Mehr Infos unter: www.karl-dedecius-preis.de

Fotos www.zajezdnia.org. 

 

Aneta Augstyn berichtet von ihrem sehr persönlichen Besuch in der neuen ständigen Ausstellung des Zentrums „Erinnerung und Zukunft“ im früheren Straßenbahndepot im Stadtteil Wrocław-Grabyszynek (Breslau-Gräbschen), die im September diesen Jahres eröffnet wurde. 

Neues Museum „Straßenbahndepot“

Aus dem Lautsprecher kommt die Stimme von Jozef Pilsudski, von der Wand lächelt Eugeniusz Bodo, der Herzensbrecher im Kino der Vorkriegszeit, und Halina Konopacka erobert die erste olympische Gold -Medaille für Polen im Diskuswurf. In den schwarz-weißen Bildern im Fotoplastikon kehrt die Welt der polnischen Städtchen der Vorkriegszeit zurück: spazierende vornehme Damen, verbissen handelnde Kaufleute, rasende Automobile. Diese Welt wird gleich verschwinden, sobald ich den Fluss überschreite. Die Brücke trennt mich von der Zwischenkriegszeit, die so voller Energie und Hoffnung war nach der Wiedergewinnung der Unabhängigkeit Polens nach 123 Jahre Teilung des Landes.

Ich besuche noch einen Salon; ich habe den Eindruck, dass seine Bewohner ihn nur für einen Moment verlassen haben. So könnte ein Innenraum in einem Städtchen in den ehemaligen polnischen Ostgebiete ausgesehen haben: bestickte Wandbehänge, eine Nähmaschine, häusliche Belanglosigkeiten. Ich setze mich in den Sessel, greife nach der Ausgabe des "Kurier Warszawski" (Warschauer Kurier) vom 1. September 1939 mit der Bekanntgabe des Kriegsausbruchs. Brennende Gardinen erinnern an die Zeit, nach der sich Breslau nicht nur in Ruinen verwandelte, sondern auch ihre Bevölkerung fast komplett ausgetauscht wurde.

- Das war eine einmalige Situation in der Weltgeschichte. Niemals davor noch danach wiederholte sich ein Bevölkerungsaustausch in solchem Ausmaß. Die neuen Bewohner kamen aus verschiedenen Richtungen in die Stadt und wahrscheinlich hat sich etwas von dem Geist dieser Zeit bewahrt: der Mut, die Ader für Abenteuer, die Offenheit für den Anderen- sagt Juliusz Woźny, Pressesprecher des Zentrums "Erinnerung und Zukunft", des Betreibers des neuen Museums in Breslau.

Centrum Historii Zajezdnia - Geschichtszentrum Straßenbahndepot:

Das neue Museum kostete 36 Millionen Zloty (zur Hälfte aus städtischen Mitteln, zur Hälfte aus dem norwegischen Finanzierungsmechanismus im Europäischen Wirtschaftsraum „norwey grants“) und erzählt von der Stadt in der Gegenwart. Die Einrichtung ist untypisch aus mehreren Gründen. Sie befindet sich außerhalb des Stadtzentrums in einem Wohn- und Industrieviertel und an einem besonderen Ort - in einem stillgelegten Straßenbahndepot. Dieses älteste in Polen vorhandene Straßenbahndepot, 1893 in Breslau errichtet, ist für die heutigen Stadtbewohner ein symbolischer Ort. Am 26. August 1980 blockierte hier Tomasz Surowiec, ein Fahrer des Städtischen Verkehrsunternehmens, mit seinem Bus die Ausfahrt und damit begann der  Streik im Straßenbahndepot. Der Ort wurde zum Zentrum für Information und Organisation der Streikaktion in der ganzen Region (Tomasz Surowiec ist in diesem Jahr, noch vor der Ausstellungseröffnung gestorben).

"Straßenbahndepot" betont stark das Thema der Opposition in Breslau nach 1945, dennoch beginnt die Geschichte in den 1930er Jahren, stellt den Krieg dar, um sich auf die Ereignisse, die wir oft direkt erfahren haben, zu konzentrieren. Auch meine Großeltern, meine Eltern, ich, mein Sohn. Am besten besucht man das Museum mit der Familie, mit Bekannten. Es ist ein mit Emotionen gefüllter, sentimentaler Ort, wo man oft hört- "erinnerst Du dich?".

Die ältesten polnischen Bewohner Breslaus erinnern sich vielleicht an die Wagons der UNRRA (Hilfs- und Wiederaufbauverwaltung der UNO), einen von vielen, in welchen sie aus verschiedenen Richtungen in die entvölkerte Stadt gekommen sind. Mit Pappkoffern, Bettwäsche, Gebetbüchern. Die damalige Presse und die Mauern der Stadt waren voll von Anzeigen, wie diese im Museum: "Janek, dir ist alles vergeben, komm nach Hause."

Als wir in eine Metzgerei kamen, wurde meine Mutter von der Erinnerung an das Schlangenstehen ergriffen: leere Haken und eine Theke wie in der Volksrepublik Polen. Nur eine Halogeninstallation zeigt, wie viel Fleischgut damals ein Lehrer und wie viel eine privilegierte Person bekommen konnte. Mein Vater, Absolvent der Technischen Hochschule Breslau, würde bestimmt von dem Rechner "Odra" aus den 70er Jahren, eine der besten Leistungen der Wissenschaftler vor Ort, gerührt sein. Mir ist ein Kiosk zu Herzen gegangen, identisch mit dem aus den 70er Jahren in meinem Städtchen: mit Plastiksoldaten,  Zigaretten und Zeitungen, die es nicht mehr gibt.  Im Inneren des Kiosks verbirgt sich der Fahrstuhl, mit dem ich in das Untergeschoß fahre. Das Straßenbahndepot wurde extra um die Ebene -1 erweitert und zwar aus zwei Gründen: um eine zusätzliche Fläche zu gewinnen (insgesamt fast 2000 Quadratmeter) und um uns symbolisch in die Zeit der antikommunistischen Opposition zu überführen. Daran erinnern die historischen Anführer der Gewerkschaftbewegung "Solidarność" in Breslau, u.a. Władysław Frasyniuk und Józef Pinior, Happenings der Orangenen Alternative, die sensationelle und schon verfilmte Geschichte der versteckten 80 Millionen Zloty ( als das Konto der Gewerkschaft „Solidarność“ gesperrt werden sollte, wurde alles Geld abgehoben und vor der Staatsmacht erfolgreich versteckt, Anm. d. R.) eine konspirative Druckerei, hervorragende Schablonengraffiti an den Mauern der Stadt aus den 80er Jahren oder ein durchschossener Schuh von der Demonstration am 31. August 1982.

An diese Epoche erinnern auch Szenen des gewöhnlichen Alltags. In den Vitrinen präsentieren sich stolz Mangelware und Objekte der Begierde, u.a. Toilettenpapier und Waschpulver "IXI". Eine der Wände füllen Votivgaben, welche während des Kriegszustands und in den Jahren danach in die Kirchen gebracht wurden.  Darunter ein Schlagstock der Miliz mit einer Bemerkung aus dem Jahre 1986: "Ich konnte nie "nein" sagen, jetzt bitte ich um Vergebung Gottes und der Menschen, von nun an will ich der Muttergottes der Barmherzigkeit treu sein."

"Straßenbahndepot" ist ein narratives Museum, welches in Breslau bis jetzt fehlte. Nicht nur Bilder, Worte und Klänge gestalten die Narration, sondern auch eine hervorragende Begleitung wird geboten. Die Stärke der Einrichtung sind ihre Mitarbeiter, u.a. Geschichtsstudenten, welche auf diskrete, nicht aufdringliche Art sich den Besuchern nähern, um ein Motiv und eine Anekdote hinzuzufügen. Die Geschichte wurde in acht chronologische Zeitabschnitte eingeteilt. "Das waren Zeiten!" ist ein Städtchen der Vorkriegszeit in den ehemaligen Ostgebieten Polens, weiter "Krieg 1939-1945" und "Die fremde Stadt" mit dem Thema der Aussiedlung der deutschen Bevölkerung. Danach "Stärkung der Volksmacht", "Hinter dem Eisernen Vorhang", "Stadt an der Oder (1956-1980)", "Solidarisches Wrocław (1980-1989)" und das neueste Kapitel "Stadt der Begegnung".

Das Museum und seine Sammlung ist vor allem dank der Niederschlesier und ihrer Schenkungen entstanden. Der legendäre Radsportler Ryszard Szurkowski  schenkte seine Sportschuhe und der Chef des Festivals  Wratislavia Cantans Tadeusz Strugała seinen Taktstock. Die Familie von Tadeusz Różewicz übergab den ganzen Inhalt seiner Schublade: Notizen, Aquarellfarben, einen kleinen Spiegel, Magentabletten, und sogar eine Eintrittskarte für ein Treffen mit ihm selbst, weil die Veranstalter der Autorenlesung den berühmten Dichter nicht erkannt haben.

Die Bürger erzählen die Geschichte nicht nur mittels von ihnen übergebenen Gegenständen, sondern auch durch direkte Erinnerungen.

- Gleich nach der Museumseröffnung kam zu uns ein älterer Herr, der an dem Streik 1980 teilgenommen hat. Bei der Erinnerung an die Prügelei mit den Funktionären, brach er in Tränen aus. Er kündigte an, dass er "Straßenbahndepot" oft besuchen wird - erzählt der Pressesprecher.

Das Zentrum "Erinnerung und Zukunft" wurde vor einer Dekade gegründet, um Zeugnisse der polnischen Niederschlesiern nach 1945 zu sammeln. Heute gibt es 900 Berichte. Ein Teil davon wurde in der Ausstellung untergebracht: in der "Rotunde des Gedächtnisses" ausgestrahlt und im Kopfhörer  "verschlossen". Zu hören sind Stimmen der Ankömmlinge aus Großpolen, aus den ehemaligen Ostgebieten oder aus Zentralpolen, welche in der Nachkriegszeit Schlesien besiedelt haben.

Das neue Museum ist ausgezeichnet ausgeschildert und auf attraktive, interaktive Art und Weise präsentiert. Hier darf man alles anfassen und zum Beispiel in eine Gefängniszelle eintreten, das Zimmer eines Oppositionellen oder ein Klassenzimmer aus der Zeit vor 50 Jahren besuchen. Es wäre empfehlenswert, wenn Lehrer mit den jüngsten Bewohnern der Stadt kommen und auf diese Weise die jüngere Stadtgeschichte zeigen würden. Und nach einer soliden Vermittlung von Wissen könnte man sie in eine Bar mit Sodawasser aus Saturateur sowie Bigos gehen, fast wie in der Volksrepublik Polen.

Geschichtszentrum Straßenbahndepot, ul. Grabiszyńska 184, Wrocław

 www.zajezdnia.org

Wer eine fachwissenschaftliche Rezension zur Ausstellung lesen möchte, hier unsere Empfehlung: Breslau/Wrocław 1945–2016, 16.09.2016 Breslau, in: H-Soz-Kult, 03.12.2016, < www.hsozkult.de/exhibitionreview/id/rezausstellungen-251>.