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herausgegeben vom Förderverein Schlesisches Museum zu Görlitz – Landesmuseum Schlesien e.V.

 

Literaturtage an der Neiße und Schlesisches Nach(t)lesen in Görlitz-Zgorzelec

Zum zweiten Mal konnten vom 7.-10. April 2016 die Literaturtage an der Neiße, veranstaltet vom Kulturforum Östliches Europa in Potsdam gemeinsam mit der Görlitzer Kulturservicegesellschaft mbH ausgerichtet werden. Das Schlesische Museum hat das Projekt mit initiiert und begleitete gemeinsam mit der Kulturreferentin für Schlesien die Vorbereitung und Umsetzung. Künstlerischer Leiter war in diesem Jahr ebenso wie bei der Premiere im September 2014 Thomas Schulz, langjähriger Literatur- und Länderreferent für Polen beim Kulturforum.

In diesem Jahr haben wir bewusst das „Schlesische Nach(t)lesen“ in das Programm der „Literaturtage“ hinein komponiert. Wir hatten darauf gesetzt, dass die Veranstaltungen sich gegenseitig bewerben und dadurch insgesamt mehr Öffentlichkeit für Literatur geweckt werden kann. Obwohl es viel Arbeit gekostet hat, die beiden Formate parallel vorzubereiten und jeweils und gemeinsam zu bewerben, hat sich meiner Einschätzung nach der Aufwand gelohnt.
Das „Nach(t)lesen“ hat für seine Besucher/innen Unterhaltungswert und die Form der Literaturvermittlung – Kurzlesungen, vorgetragen von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens der Stadt Görlitz an ungewöhnlichen Orten – lockt andere Menschen, als das Angebot eines Gesprächs mit den Autoren über ihre Bücher. Allerdings bieten die Veranstaltungen der „Literaturtage“ längst nicht nur Lesungen im klassischen Stil, im Gegenteil in diesem Jahr wurde mit „Janosch“ in unterschiedlichen Varianten und der Kafka-Band von Jaroslaw Rudis einiges an Abwechslung und Unterhaltung geboten.

Ich möchte zwei Titel besonders empfehlen, die während der Literaturtage im Autorengespräch präsentiert wurden und einen direkten Bezug zu „Schlesien“ haben: Małgorzata Szejnert – gerade feierte sie ihren 80. Geburtstag – und ihre historische Reportage „Der schwarze Garten“ über die Bergarbeitersiedlungen im oberschlesischen Nikischschacht/Nikiszowiec und Giesche-wald/Giszowiec, zu lesen spannend wie die Biographie einer Region zwischen 1907 und 2007. Die Autorin war gemeinsam mit ihrem Übersetzer Benjamin Voelkel Gast im Schlesischen Museum und das Buch ist in der Reihe des Potsdamer Kulturforums erschienen.  Zum anderen ein Band, der demnächst im Dresdner Thelem-Verlag erscheinen und von Jörg Bernig (Radebeul) herausgegeben wird: Die Sudeten – eine dreisprachige Anthologie mit Texten polnischer, deutscher und tschechischer Autoren u.a. von Henryk Waniek und Jaromir Typlt, die bei den Literaturtagen gemeinsam mit Bernig Gäste einer Matinee „Die Sudeten. Zwischen (T)raum und Zeit“ waren.

Die Literaturtage mit ihrem auf Mitteleuropa ausgerichteten Programm verbinden die historischen Regionen deutscher Geschichte und Kultur zu einem lebendigen Dialog von heute unter Nachbarn in Europa.               

Annemarie Franke