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herausgegeben vom Förderverein Schlesisches Museum zu Görlitz – Landesmuseum Schlesien e.V.

 

Barockes Glas aus Schlesien / Śląskie szkło barokowe

Unter den 70 barocken Gläsern des Schlesischen Museum zu Görlitz sticht eines ganz besonders hervor: Ein Pokal mit der Darstellung des Lamm Gottes. Das 16,2 cm hohe Glas wurde um 1690 auf der Preusslerschen Glashütte in Weißbach (heute zu Schreiberhau/Szklarska Poręba gehörig) gefertigt und von Friedrich Winter (1652-1708), dem berühmtesten schlesischen Glasschneider des 17. Jahrhunderts, kunstvoll dekoriert. In die dickwandige Kuppa schnitt er im Tiefschnitt das Lamm Gottes heraus, das auf dem Paradieshügel steht. Von ihm strömt das Wasser des Lebens, das den Garten Eden bewässert. Unter dem Hügel liegen zwei gegen-ständig angeordnete Füllhörner, aus denen breit ausladende Akanthusranken herauswachsen; sie überziehen die ganze Kuppa. Gegenüber dem Lamm ist eine Mondsichel mit einem menschlichen Gesicht eingeschnitten.

Der Pokal erinnert noch an die dickwandigen Gefäße aus echtem Bergkristall, zeigt aber auch schon die Feinheit und Eleganz der Preusslerschen Gläser, die sich gegen Ende des 17. Jahrhunderts von den älteren Vorbildern lösen. Mit dem Schnitt und Schliff Friedrich Winters bekommt der Pokal seine Eleganz, die ihn zu einem hochwertigen Erzeugnis der schlesischen Glaskunst macht. Er gelangte 2009 in den Besitz des Schlesischen Museums, als Prof. Dietmar
Zoedler sich von seiner exquisiten Sammlung schlesischer Gläser der 17.-19. Jahrhunderts trennte. Damals gelang es mit Hilfe der Bundesrepublik Deutschland, der Ernst von Siemens Kunststiftung und des Vereins der Freunde und
Förderer des Schlesischen Museums, insgesamt 35 Gläser aus der Zoedlerschen Sammlung zu erwerben. 19 Gläser stammen aus der Zeit vor 1800 und bilden einen elementaren Bestandteil der Sammlung barocker Gläser.

Diese 19 Gläser werden nun zusammen mit 51 anderen barocken Gläsern des Schlesischen Museums sowie einem annähernd großen Be-stand aus den Sammlungen des Muzeum Kar-konoskie w Jeleniej Górze / Riesengebirgsmuseum in Hirschberg vom 11. Juni bis 31. Juli in Hirschberg / Jelenia Góra und vom 20. August bis 20. November 2016 im Schlesischen Museum zu Görlitz gezeigt. Ergänzt wird die Ausstellung durch Leihgaben aus polnischen, deutschen und einem tschechischen Museum. Es ist die erste Ausstellung, die sich speziell dem Thema „Barockes Glas aus Schlesien” widmet und die die Bestände der beiden Partnermuseen fast vollständig zeigt.

Der gemeinsame Katalog ist ein Bestandkatalog der beiden Sammlungen – erstmals veröffentlichen ein polnisches und ein deutsches Museen gemeinsam in einer Publikation einen speziellen Teil ihrer Bestände. Zu diesem Zweck wurden sämtliche Gläser neu fotografiert und in zahlrei-chen Fällen spezielle Panoramaaufnahmen angefertigt, die aus 35 Einzelaufnahmen zusammengesetzt sind. Sie ermöglichen eine Rundumansicht der vielfältigen, detaillierten Schliff- und Schnittdekore und lassen so die Darstellungen weit besser erkennen, als es bisher bei Abbildungen von Gläsern möglich war.

Martin Kügler