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herausgegeben vom Förderverein Schlesisches Museum zu Görlitz – Landesmuseum Schlesien e.V.

 

Eröffnung der Ausstellung „Verfolgte Kunst – Der jüdische Künstler Heinrich Tischler und sein Breslauer Kreis“  

Am 19. März 2016 luden Dr. Maciej Łagiewski, der Direktor des Breslauer Stadtmuseums, und Dr. Markus Bauer ins Breslauer Schloss zur Vernissage ein. Etwa fünfzig Gäste aus Polen, Deutschland, der Schweiz und anderen Ländern kamen, um Bildwerke der einst verfolgten und heute meist vergessenen jüdischen Künstler aus der Breslauer Kunstszene der 1920er-Jahre zu sehen.

Nach der Begrüßung und Einführung durch Dr. Maciej Łagiewski sprach Dr. Markus Bauer der Museumsleitung seinen Dank aus, denn es handelt sich bei der rund 100 Exponate umfassenden Schau um ein Gemeinschaftswerk
beider Museen. Zwar stammt der Bilderschatz bis auf weniges aus dem Schlesischen Museum, wo auch die wissenschaftliche Vorbereitung geleistet wurde, in Breslau bemühte man sich dafür um den Druck des umfangreichen Katalogs, beleuchtete die Übersetzungen kritisch und sorgte zuverlässig für die Realisation der Ausstellung. Während der Besichtigung kamen viele Besucher miteinander ins Gespräch, wobei der Bezug zur aktuellen politischen Lage stets eine Rolle spielte. Vor allem von Seiten der heutigen jüdischen Gemeinde Breslaus war das Interesse groß.

Die Schau ist in erster Linie eine Wiederentdeckung des vielseitigen Schaffens des Malers, Graphikers und Architekten Heinrich Tischler (1892–1938). Seine ausdrucksstarken, vom Expressionismus bestimmten Bilder vermitteln Eindrücke vom Breslauer Alltagsleben und von der Situation der jüdischen Gemeinde. Tragisch muten viele bissige Selbstkarikaturen des Künstlers an, mit denen er auf die Ausgrenzung und Verfolgung nach 1933 reagierte. Er starb 1938 an der Folgen einer Internierung im KZ Buchenwald.

Tischlers Grabstein auf dem Neuen Jüdischen Friedhof an der Flughafenstraße (heute: ul. Lotnica) ist kürzlich wieder aufgerichtet worden. Dies dürfte besonders Tischlers Enkel erfreut haben, der im April aus England anreiste. Viele Werke dürften ihm ebenfalls neu sein, da seine Großmutter bereits Anfang der 1970er Jahre einen Großteil des nach London geretteten Nachlasses an den Privatsammler Hans Peter Reisse (Kassel) verkaufte. Über Hans Peter Reisse gelangten die Werke 2001/02 dann ins Schlesische Museum.

Die Schau ist noch bis 31. Juli 2016 zu sehen. Der Katalog (polnisch und deutsch, Farbdruck, 272 Seiten, Format 26 x 21 cm), der weitaus mehr Bilder enthält als die Ausstellung, ist in Breslau (60 PLN) und in Görlitz (15,- EUR) erhältlich.

Johanna Brade