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Nachrichten aus dem Schlesischen Museum

Führung im "Goldenen Baum" mit Museumsdirektor Dr. Bauer. Foto: SMG/Pech 

Doppeljubiläum des Schlesischen Museums

Das Museum hat sich herausgeputzt und freut sich auf zahlreiche Gäste, um gemeinsam sein Jubiläum zu feiern. Im Museumsgebäude Untermarkt 4 und dem Schönhof fanden zwischen 11.00 und 18.00 Uhr vielfältige Angebote regen Zuspruch der Besucher. Rund 1500 Gäste besuchten die Häuser. Ein Höhepunkt war das Konzert der norwegisch-jüdischen Sängerin Bente Kahan mit ihrem Programm "home" und der Auftritt des Renaissance-Ensembles Thomas Friedländer.  

Bericht zum Jubiläumsfest hier!

Kommende Veranstaltungen im Schlesischen Museum:

Montagsführungen

Jeden Montag, 10 Uhr, bieten die wissenschaftlichen Mitarbeiter des Museums Führungen durch die Dauerausstellung an.  

Mittwoch, 4.5., 15 Uhr
Kaffee & Kultur – natürlich schlesisch
Kleiner Streifzug durch die Geschichte Breslaus in Bildern und Geschichten

Die Geschichte der diesjährigen Kulturhauptstadt ist bunt und vielfältig. In der Veranstaltungsreihe „Kaffee  Kultur – natürlich schlesisch“ nimmt Dr. Johanna Brade den Besucher mit auf eine unterhaltsame Reise durch die Stadt und erzählt von bedeutenden Bauwerken, von Menschen und Ereignissen, die das Leben in der Stadt mitgeprägt haben. Eintritt: 10 € (inkl. Kaffee und Kuchen)
Reservierung: Telefon +49 3581 8791 0

Sonntag, 8.5., 15 Uhr
Führung durch die Sonderausstellung „Die große Not“
Teilnahme: 5 Euro/ermäßigt 4,50 Euro

Freitag, 13.5., 19 Uhr, im Kino PozaNova in Zgorzelec, Dom Kultury, ul. Parkowa 1 Film: „Leise gegen den Strom“ von Robert Żurek und Tomasz Kycia

Der Film bringt die in Vergessenheit geratene Pilgerfahrt der „Aktion Sühnezeichen“ nach Auschwitz-Birkenau von 1965 in Erinnerung. Drei Teilnehmer, Rudi Förster, Werner Ross und Konrad Weiß, entschließen sich im Jahr 2008, die Wegstrecke noch einmal zurückzulegen. Wie damals starten sie in Görlitz. Im Anschluss an die Vorführung laden die Filmemacher zum Gespräch ein. Die Filmvorführung findet im Rahmen des Neiße-Filmfestivals im Kino PozaNova in Zgorzelec (Dom Kultury, ul. Parkowa 1) statt. Eintritt: 6 €, erm. 3,50 €
Filmvorführung im Rahmen einer Reihe der Kulturreferentin „Das östliche Europa im deutschen Film“ in Kooperation mit dem BKGE

Sonntag, 22.5.

Internationaler Museumstag
ir laden ganztägig kostenlos ins Museum ein. Um 14 Uhr führt Kuratorin Dr. Martina Pietsch durch die Ausstellung „Die große Not“. Um 15 Uhr lädt Museumsdirektor Dr. Markus Bauer zu einer Sonderführung „Museumslandschaft Schlesien“ ein.

Goethe- Institut 

Unsere Empfehlungen aus dem Programm der Kulturhauptstadt Europas 2016 Breslau

Goethe- Institut Pop Up Pavillon

Am Wochenende 22.-24. April startet das Goethe- Institut sein interdisziplinäres Programm in Breslau zu den Themen Identitäten, Urbane Utopien und Spieltrieb. Seine Adresse in der Odermetropole wird zentral auf dem Plac Nowy Targ sein. Die Filiale wird in Form eines kompakten 7 x 3 x 3m großen Glascontainers ins Auge fallen. Auf unkonventionelle Art und in offener Atmosphäre wird eine Vielfalt von Veranstaltungen angeboten, in Kooperation mit Partnern vor Ort: WRO Art Center, Institut für Germanistik und dem Deutschen Generalkonsulat. Ausstellungen, Konzerte, Lesungen, Performances und Kunstinstallationen stehen bis Mitte Juli auf dem Programm. Als Gäste kommen Autoren, wie z. B. Olga Grjasnowa, Silke Scheuermann, Markus Stromiedel und Christian „Flake” Lorenz von der Band Rammstein.

  https://www.goethe.de/ins/pl/pl/kul/sup/wro/20695023.html

Foto: Janusz Krzeszewski 

Verfolgte Kunst – Der jüdische Künstler Heinrich Tischler und sein Breslauer Kreis

Heinrich Tischler gehörte zu den Künstlern der sogenannten verschollenen Generation, welche zwischen dem Ende des Ersten Weltkrieges und dem Holocaust tätig waren. Zugleich ist der Maler und Architekt der Moderne als einer der ersten Opfer des NS-Regimes eine symbolische Figur dieser Generation geworden. In seinem kaum bekannten und verstreuten Werk wurde die Atmosphäre seiner Zeit aufgegriffen.

Die vom Schlesischen Museum zu Görlitz konzipierte Ausstellung gibt einen repräsentativen Einblick in das Oeuvre des Künstlers und ist bis Ende Juni im Breslauer Stadtschloss zu sehen.

Mehr unter:  www.mmw.pl

Siehe auch "Exkursion"

 

 

 

Ośrodek "Pamięć i Przyszłość" 

Sieben Wunder von Wrocław und Niederschlesien

Unter diesem Titel wird bis Mitte Mai im Bürgersaal des Breslauer Rathauses eine Ausstellung präsentiert. Der Veranstalter ist das Zentrum "Erinnerung und Zukunft". Die von Prof. Wojciech Mrozowicz und Dr. Wojciech Kucharski kuratierte Ausstellung zeigt als Wunder sieben ausgewählte Kulturbereiche der Region: Landschaft, Sprache, Religion, Wissenschaft, Kunst, Architektur und Begegnungen. Zu sehen sind z. B. das Manuskript der Legende der Hl. Hedwig sowie seine erste Druckfassung aus den Beständen der Breslauer Universitätsbibliothek, die älteste Schlesienkarte von Martin Hedwig aus der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe oder der Hirtenbrief der polnischen Bischöfe an ihre deutschen Amtsbrüder vom 1965 aus der Sammlung des Kölner Archivs. Exponate und Dokumente wurden durch interaktive und kindgerechte Präsentationen ergänzt.

Die Ausstellung und der begleitende Katalog sind zweisprachig, polnisch- englisch.

 ww.siedemcudow.eu

Der Weg in die Moderne. Werkbund Siedlungen 1927-1932

In den 20er und 30er Jahren des XX. Jahrhunderts sind auf Initiative des Deutschen Werkbunds sechs experimentelle Mustersiedlungen in Stuttgart, Brünn, Breslau, Zürich, Prag und Wien entstanden. Im Architekturmuseum werden sie anhand von Entwürfen, Modellen, Haustypen und Mustereinrichtungen präsentiert und veranschaulichen so die idealistischen Zukunftsvisionen der Moderne. Interessant ist zum Beispiel die damals wie heute kontroverse Idee eines Gemeinschaftshauses: das Kollektivhaus von Adolf Rading oder das Ledigenwohnheim von Hans Scharoun, die im Rahmen der Werkbundausstellung Wohnung und Werkraum (WuWa) in Breslau realisiert wurden. Ein wichtiger Teil der Schau ist der heutige Zustand dieser Architektur und damit verbunden denkmalpflegerische Herausforderungen. Die Ausstellung samt Begleitprogramm ist bis zum 5. Juni zu sehen.

  www.ma.wroc.pl

Foto: Anke Illing 

Stadtschreiber in Breslau

Der Schriftsteller und Publizist Marko Martin wird ab Mitte April die Funktion des Stadtschreibers in der Kulturhautstadt 2016 übernehmen. Die Idee knüpft an die Tradition des hoch angesehenen und verantwortlichen Amtes im Magistrat der Stadt aus der Zeit des Mittelalters und der frühen Neuzeit an. In der heutigen, modernen Fassung werden dafür Schriftsteller berufen, die sich in ihrer künstlerischen Freiheit mit einer konkreten Stadt und ihrer Geschichte und Gegenwart auseinandersetzen. Auch Mirko Martin, der Stipendiat des Deutschen Kulturforums östliches Europa, sieht seine Aufgabe nicht im Berichtswesen über das Kulturprogramm, sondern will in einem Internettagebuch seinen eigenen Blick auf die schlesische Metropole mit ihren Identitäten und Schicksalen vermitteln.

Weitere Informationen auf:   www.stadtschreiber.kulturforum.info

Stummfilmvorführung von "Die Weber“

Im Rahmen einer Reihe zum Thema Kino und Stummfilm findet am 12. Mai im Breslauer Kulturhaus MDK eine Stummfilmvorführung von "Die Weber" statt. Der Berliner Komponist Tomas Peralta hat mit seiner Band einen neuen Soundtrack für den Film komponiert und wird diesen live, passend zum Film aufführen. Der Veranstalter ist der Kulturmanager des Instituts für Auslandsbeziehungen in Kooperation mit der Deutschen Sozial-Kulturellen Gesellschaft in Breslau. Der nächste Termin findet am 11. Mai im Kino Apollo in Görlitz im Rahmen des Neiße Filmfestivals statt. Der Partner vor Ort ist die Kulturreferentin für Schlesien.

 https://www.facebook.com/events/949223291798224/

 http://www.neissefilmfestival.de


Aneta Augustyn berichtet von der Eröffnung und den geplanten Großereignissen im Kulturhauptstadtjahr 2016 in Breslau:

Vier Themen haben Chris Baldwin, Kurator der Kulturhauptstadt Europas Breslau 2016, zu seiner monumentalen Eröffnungsveranstaltung inspiriert: der Wiederaufbau von Breslau nach dem Krieg, die konfessionelle Vielfalt der Stadt, die Flut von 1997 und Innovationen in der Stadt. Am Sonntag, dem 17. Januar starteten aus vier Ecken der Stadt vier Paraden mit riesigen Metallkonstruktionen,  denen sich später Künstler und Breslauer Publikum anschlossen. Nach mehreren Stunden des Sternmarsches sind die vier „Geister“ (des Wiederaufbaus, der Religionen, der Fluten und der Innovationen) aus tausenden Elementen am überfüllten Markt miteinander verschmolzen.

Bei der Vorbereitung dieser Metapher der Geschichte von Breslau und seines genius loci, stützte ich mich auf Erzählungen Hunderter von Breslauern und auf das Buch „Die Blume Europas" von Norman Davies – sagt der britische Regisseur. Seine Performance "Erwachen" war das eindrucksvollste Element des Eröffnungswochenendes. Über 100 000 Menschen nahmen an den über 100 kulturellen Veranstaltungen teil, dabei besonders hervorzuheben die Ausstellung „Made in Europe” im Architekturmuseum (bis 13. März). Anhand von Visualisierungen und Modellen wurden die besten Objekte der europäischen Architektur gezeigt, die mit dem Mies van der Rohe-Preis, dem renommiertesten Architektur-Preis in Europa, ausgezeichnet wurden. Unter den Nominierten befinden sich auch Entwürfe und ihre Realisierungen aus Breslau: der Umbau des Warenhauses "Renoma“(früher „Wertheim"), das Museum für Gegenwartskunst, „Serowiec” – das Gebäude der Breslauer Technischen Hochschule und der Umsteigeknotenpunkt beim Stadion. Mit der Eröffnungsfeier im Januar startet eine Vielfalt von Veranstaltungen. Bereits im Februar kann im Breslauer Rathaus eine interaktive Ausstellung „7 Wunder von Breslau und Niederschlesien" besichtigt werden. Es geht keineswegs um eine gewöhnliche Aufzählung interessanter Orte, sondern um die Darstellung der Region unter sieben Aspekten, wie Landschaft, Sprache, Kunst, Wissenschaft, Architektur, Religion und Begegnung, und damit um eine Verkörperung  der Multikulturalität der Stadt in Figuren von Angelus Silesius, Johannes Brahms, Pablo Picasso und Kardinal Bolesław Kominek.  Ebenfalls im Februar kommt der Weltstar: Ennio Morricone. Der berühmte Filmkomponist wird ein Konzert in der Jahrhunderthalle geben.

Das ganze Jahr zwischen der Eröffnungsfeier "Erwachen“ im Januar und dem Abschlussfest "Himmel" im Dezember wurde in zwölf Themenwochenenden eingeteilt. Der April steht im Zeichen der Literatur. Breslau übernimmt die Rolle der UNESCO Welthauptstadt des Buches, was mit der Eröffnung des Pan Tadeusz Museums am Breslauer Ring zusammen fällt. Auch im April findet eine Sonderausgabe des Jazz an der Oder Festivals mit dem Finale am Weltjazztag unter der Leitung von Leszek Możdżer statt, einem der beliebtesten polnischen Komponisten und Klavierspieler. Für den Mai wurde die Sonderausgabe der Revue des polnischen Chansons sowie das Internationale Poesiefestival Silesius geplant und im Juni wird Breslau eine Feststadt mit Weltstars wie David Gillmour, Gitarrist und Sänger von Pink Floyd. Die Breslauer Oper mit ihren Megaspektakeln als spécialité de la maison wird im Stadion „die Spanische Nacht mit Carmen – Zarzuela Show" nach Bizets Carmen aufführen.

Im Oktober ist das European Glass Festival, die erste Schau der Glaskunst dieser Art in Polen zu empfehlen. Im gleichen Monat werden im Rahmen der Theaterolympiade Leistungen der größten Persönlichkeiten des Theaters präsentiert; nach Breslau kommen berühmte Theaterregisseure, wie Eugenio Barba und Peter Brook.  – Breslau ist die Stadt von Jerzy Grotowski, dem großen Theaterreformer, deshalb war es uns wichtig, die Theaterolympiade bei uns und erstmals in Polen zu organisieren– sagt Krzysztof Maj, Direktor des Kulturhauptstadtbüros. Im Rahmen der Niederschlesischen Theater Plattform und des Festivals der Theater von Breslau und Niederschlesien werden auf allen Breslauer Bühnen parallel Theaterstücke aufgeführt. Der Dezember steht nicht nur im Zeichen der Buchmesse, sonder auch des Films und der Galaveranstaltung des Europäischen Filmpreises. Diese renommierte Auszeichnung wird von den Mitgliedern der Europäischen Filmakademie verliehen.

- Das Jahresprogramm ist so umfangreich, dass ich zögere zu sagen, welches Ereignis das wichtigste ist- ergänzt Direktor Maj. Im Laufe des ganzen Jahres 2016 werden uns täglich in Breslau Ausstellungen, Festivals, Konzerte, Aufführungen, Open Airs und Happenings unter dem Banner der Kulturhauptstadt Europas anziehen; insgesamt eintausend Ereignisse. Mit Hilfe des Förderprogramms „mikroGRANTY" können auch die Bürger der Stadt die Initiative für die Verwirklichung ihrer Kunstprojekte in die Hand nehmen.

Breslau ist die erste polnische Stadt, welche mit dem von der griechischen Kulturministerin Melina Mercouri im Jahre 1985 ins Leben gerufenen Titel Kulturhauptstadt Europas ausgezeichnet wurde. Im Wettbewerb hat sich Breslau gegen 10 andere polnische Städte durchgesetzt. – Unseren Gegenkandidaten haben wir eine Kooperation vorgeschlagen und so ist eine einmalige Koalition der Städte entstanden. Uns schließen sich Danzig, Kattowitz, Lublin, Lodz, Stettin und Posen an, um zu zeigen, was sie jeweils als bestes anzubieten haben. Damit werden wir auf originelle Art und Weise die Kultur des ganzen Landes darstellen. Eine Stadt wird sich in einem Mietshaus präsentieren, eine andere wird eine Straße besetzen. Ich hoffe, dass damit eine längere Zusammenarbeit entsteht, auch später, wenn der Titel Europäische Kulturhauptstadt in andere Händen übergeben wird - verkündigt Krzysztof Maj.

Nächstes Jahr sind Aarhus (Dänemark) gemeinsam mit Paphos (Zypern) die Europäischen Kulturhauptstädte.

Veranstaltungsprogramm der Europäischen Kulturhauptstadt:  www.wroclaw2016.pl

 http://www.cre-aktive.com/downloads/breslau-2016.pdf

Filmaufnahmen im Glatzer Bergland. Foto: Robert Pałka 

Verfilmung des Krimis von Olga Tokarczuk

Die Dreharbeiten zu dem Film von Agnieszka Holland nach dem Roman von Olga Tokarczuk gingen im Februar zu Ende. Unter dem Titel "Pokot" (Zur Strecke gebracht) entsteht die polnisch-tschechisch-deutsch-schwedische Produktion nach dem im 2009 Original erschienenen Roman "Der Gesang der Fledermäuse". Es ist nicht die erste Verfilmung der Prosa von Tokarczuk, dafür ist die erfolgreiche Schriftstellerin auch die Koautorin des Drehbuches. Sowohl im Buch als auch im Film spielt die Welt der Tiere und die Landschaft des Glatzer Berglandes eine gleichberechtigte Rolle. Die Filmaufnahmen wurden u. a. in Neurode/Nowa Ruda, Wölfelsgrund/Międzygórze und Habelschwerdt/ Bystrzyca Kłodzka realisiert. Die Filmpremiere ist für Anfang 2017 geplant.

 

 

 

Projekt: Christin Noack 

Luther war nie in Schlesien

Am 3. April fand die Uraufführung des Theaterstückes "Luther war nie in Schlesien" in Görlitz statt. Das historische Spiel wurde von Jugendlichen aus Schulen in Görlitz, Niesky und Boxberg konzipiert und durchgeführt. Erfrischend und unterhaltsam wurden die Anfänge der Reformationsbewegung mit ihren führenden Persönlichkeiten aus Schlesien und der Oberlausitz dargestellt. Der Veranstalter ist die Kirchliche Stiftung Evangelisches Schlesien mit vielen Partner und Unterstützer. Das Theaterstück wurde als Beitrag zur Lutherdekade im Rahmen des Projektes "Gesichter der Reformation in Oberlausitz, Nordböhmen uns Niederschlesien" realisiert. Nach einer gelungenen Premiere folgen weitere Spieltermine in Görlitz, Eberswalde, Breslau und Schweidnitz (11. Juni 2016) sowie auf Anfrage bei dem Veranstalter.

 

 

 

Karl Dedecius mit Wisława Szymborska. Foto: Paweł Mazur 

Zum Tod von Karl Dedecius

Am 26. Februar ist Karl Dedecius im Alter von 94 Jahren gestorben. Der aus Lodz stammende Übersetzter,  Literaturkritiker und Verleger war ein hervorragender Vermittler der gegenwärtigen polnischen Kultur in Deutschland. Als Gründer und Direktor des Deutschen Polen- Instituts initiierte er u. a. eine 50-bändige Ausgabe der "Polnischen Bibliothek" sowie ein "Panorama der polnischen Literatur des XX. Jh.". Mit Tadeusz Różewicz, Czesław Miłosz, Wisława Szymborska, Zbigniew Herbert und anderen polnischen Lyrikern und Nobelpreisträgern war er eng  befreundet. Seit 2003 wird der hoch angesehene Karl-Dedecius-Preis für polnische und deutsche Übersetzter verliehen.

Hinweis auf Ausstellung unter:

 http://www.deutsches-polen-institut.de/termine/aktuell/

Nachfahren der Familie Zorek. Foto: Tomasz Pietrzyk AG 

Verlegung der Stolpersteine

Im Breslauer Stadtteil Oderteil (Nadodrze) in der Straße Jedności Narodowej 95 wurden am 2. Februar Stolperseine zum Andenken an die jüdischen Opfer des nationalsozialistischen Regimes verlegt. In Anwesenheit der aus Amerika angereisten Nachfahren der Familie Zorek sowie anderer Juden, welche in Breslau der Vorkriegszeit ihre Wurzeln haben, wurden vier Steine im Bürgersteig vor dem ehemaligen Haus der Familie Zorek eingemauert. Die Idee stammt von dem Kölner Künstler Gunter Demnig, der in seinem langjährigen Erinnerungsprojekt die Verfolgten der Nazi- Diktatur ins Gedächtnis zurück ruft. Schon im Jahre 2008 hat der Künstler einen Gedenkstein vor dem Wohnhaus Edith Steins gelegt, welcher zugleich der erste Stolperstein in Polen war. Weitere Stolpersteine für die Stadt Breslau werden folgen.

Die Grenze in Gross Kunzendorf vor 2007. Fot. D.Smolorz 

Das polnisch-tschechische Dorf nach 2007. Fot. D. Smolorz 

Dawid Smolorz, unser Korrespondent aus Gliwice/ Gleiwitz, berichtet über aktuelle kulturelle Ereignisse in Oberschlesien.

Der außergewöhnlich malerische, südliche Teil der Woiwodschaft Oppeln bietet außer interessanten Landschaften und Architekturdenkmälern auch ein Kuriosum der anderen Art, die in Folge von Grenzverschiebungen geteilten Dörfer.

Als Mitte des 18. Jahrhunderts nach den Kriegen zwischen Preußen und Österreich fast ganz Schlesien unter die Herrschaft von Berlin kam, verlief die neue Grenze teilweise durch seit Jahrhunderten bestehende Dörfer. 

Inzwischen sind mehr als 250 Jahre vergangen und statt Preußen und Österreich sind heute Polen und Tschechen Nachbarn, aber in der Gegend hat sich an der Grenzziehung nicht viel verändert. In den Kreisen Leobschütz und Neisse finden wir bis heute noch viele Dörfer, die zwar in verschiedenen Ländern liegen, aber weiterhin eine zusammengewachsene Struktur bilden und ähnliche Ortsnamen tragen. An das polnische Chomiąża grenzt das tschechische Chomyž. Früher war es ein Dorf, Komeise. Der Nachbar des polnischen Dorfes Oprawica ist das tschechische Opavice. Vor der Teilung Schlesiens bildeten beide Dörfer das Städtchen Tropplowitz. Krasne Pole in Polen entspricht dem tschechischen Dorf Krasne Loučky (damals bildeten sie das deutsche Schönwiese). Hingegen, das ehemalige Dirschkowitz, am Stadtrand von Opava gelegen, ist heute zwischen dem polnischen Dzierżkowice und dem tschechischen Držkovice geteilt. Nicht weniger interessant ist das ehemalige Gross Kunzendorf, welches wir auf aktuellen Karten als Sławniowice (der polnische Teil) und Velké Kunětice (der tschechische Teil) finden. Wenn man den Ort zum ersten Mal besucht, braucht man eine Weile, um sich zurechtzufinden, welche Häuser auf der polnischen und welche auf der tschechischen Seite liegen. Auch hier entstand die Grenze erst in der Mitte des 18. Jahrhunderts und gab es bis zur Zeit der "sozialistischen Brüderlichkeit" keine Probleme mit der Überquerung der Grenze. Nach 1945 als Polen und Tschechen an Stelle der vertriebenen Deutschen auf beiden Seiten des Dorfes angesiedelt wurden, waren sie durch einen Zaun, einen Streifen gepflügter Erde und Militärpatrouillen getrennt. Der einzige Kontakt zwischen den Nachbarn der von der Grenze zerschnittenen Dörfer bestand in lautem Rufen und – gelegentlich – illegalem Handel. Beides konnte vor 1989 unangenehme Folgen haben.

Seit den 1990er Jahren wurde die Überquerung der Grenze zwischen dem polnischen und tschechischen Schlesien weniger kompliziert, dennoch war sie weiterhin nur über die offiziellen Grenzübergänge möglich. Die wahre Revolution kam erst mit dem polnischen und tschechischen Beitritt zur Schengen-Zone im Dezember 2007. Lokale Straßen, die bis vor kurzem in Sperrschranken, Zäunen und mit Gras überwucherten Brücken endeten, führen wieder irgendwohin. In den geteilten Ortschaften ist die Grenze kein Hindernis mehr. Bewohner der polnischen Grenzdörfer verkürzen oft ihre Fahrt zu der nächsten polnischen Stadt durch Tschechien. Und umgekehrt. Die durch den Grenzverlauf  geteilten Vororte von Prudnik (Neustadt/OS), Krnov (Jägerndorf) und Opawa (Troppau) richten sich einfach nach ihren alten Stadtzentren wieder aus.

Anna Cokot, Bewohnerin des polnischen Teils des ehemaligen Gross Kunzendorf ist überzeugt, dass das Jahr 2007 ein neues Leben in den Grenzraum gebracht hat: „Wenn ein Eisverkäufer nach Sławniowice kommt, laufen die Kinder von der tschechischen Seite herbei. Wenn der Eiswagen nach Kunětice rollt, rennt unsere Kinderschar rüber. Wir gehen zur Kirche auf die tschechische Seite und machen Einkäufe mal hier mal dort. Auf beiden Seiten kann man mit Złoty und Kronen bezahlen. Heute spürt man wirklich, dass Sławniowice und Velké Kunětice ein Ort sind.“