Seiten in anderer Sprache:

Druckansicht aufrufen:

Suchbegriff eingeben:

Hauptnavigation:

Unternavigation:

 

Joanna Lamparska, Złoty pociąg. Krótka historia szaleństwa, Wydawnictwo: Burda Publishing Polska, 2016, ISBN: 978837596-728-9, S. 270.  [Der goldene Zug. Eine kurze Geschichte des Wahnsinns]

Der legendäre "goldene Zug" auf dem 65. Kilometer der Eisenbahnstrecke zwischen  Wrocław/Breslau und Wałbrzych/ Waldenburg ist im August 2015 zu einem der Hauptthemen in den lokalen und polenweiten Medien geworden. Ein Pole und ein Deutscher, Piotr Koper und Andreas Richter, meldeten die Lokalisierung  des Zuges aus der Nazi-Zeit. Diese Nachricht von der Entdeckung wurde rasch in der ganzen Welt verbreitet. Joanna Lamparska, Autorin, Journalistin und Initiatorin des Niederschlesischen Festivals der Geheimnisse, spürt seit vielen Jahren den Schätzen der Region aus der Kriegszeit nach. Diesmal berichtet sie nach und nach von den drei Monaten der Hoffnungen und Enttäuschungen, die den „Goldrausch“ begleiteten. Sie zitiert sowohl Dokumente wie auch Klatsch, leiht ihr Ohr den Zeitzeugen, darunter den älteren Bewohnern, den Schatzsuchern und staatlichen Behörden, sowie Kreisen der Historiker und Denkmalpflegern. Bis heute ist der Schatz ein Rätsel geblieben, dafür wurde dieser Stadtteil Waldenburgs von Touristen, Journalisten und Schutzsuchern wochenlang belagert. Als erfreulicher Nebeneffekt steigerte sich damit die Bekanntheit und Anziehungskraft der ganzen Region.

 

Jacek M. Kowalski, Robert J. Kudelski, Robert Sulik, Lista Grundmanna. Tajemnice skarbów Dolnego Śląska, Wydawnictwo Melanż, 2015, 608 S., ISBN 978-83-64378-21-8 [ Das Verzeichnis Grundmann. Die Geheimnisse der niederschlesischen Schätze]

Der Kunsthistoriker Günther Grundmann (1892-1976), geboren in Hirschberg,  war seit 1932 der letzte deutsche Provinzialdenkmalpfleger in Niederschlesien.  Ihm fiel die große Aufgabe zu, die Kulturgüter aus Schlesien und anderen bedrohten deutschen Gebieten während des Zweiten Weltkrieges zu bergen. Da Grundmann bei der Flucht aus Schlesien im Februar 1945 den wesentlichen Part seiner Dokumentation aus dem regionalen Denkmalpflegeamt mitgenommen hat, kann man die Ereignisse aus dem Zeitraum vom Sommer 1942 bis Februar 1945 teilweise rekonstruieren. Anhand von Quellen aus dem Günther Grundmann Archiv des Herder- Instituts in Marburg, der Sondersammlung des Nationalmuseums in Wroclaw/Breslau und der Sammlung der Central Collecting Point Munich beleuchten die Autoren des Buches-  Jacek M. Kowalski, Robert J. Kudelski, Robert Sulik- die Aktion der Sicherstellung von Kunstwerken, Bibliothekssammlungen und Archivalien. Das alphabetische Verzeichnis der etwa 100 Bergungsorte - Burgen, Schlösser, Kirchen und Klöster in Schlesien - füllt den Großteil des reichlich bebilderten Buches.  Die Autoren stützen sich vor allem auf die umfangreiche Korrespondenz zwischen Grundmann und den schlesischen Adeligen, die ihre Herrensitze zu Verfügung stellten sowie den Vertreten der öffentlichen und privaten Sammlungen aus Schlesien und Berlin.  Das Buch veranschaulicht dem polnischen Leser spannende Details der Sicherstellungsaktion, wie Raumbedingungen, Bergungstransporte oder Materialmangel.

Grundmann hat viel für die Rettung der deutschen Kulturgüter getan, desto umstrittener ist seine Rolle bei der Verlagerung von Kunstwerken in der Zeit der deutschen Besatzung aus dem polnischen Generalgouvernement nach Schlesien (im Schloss Muhrau/ Morawa, Kynau/ Zagórze Śląskie, Warmbrunn/ Cieplice) und danach bei der Auslagerung von Kunstschätzen aus dem polnischen Besitz ins Deutsche Reich. Bis heute, über 70 Jahre nach dem Krieg, sind viele Fragen zu verlorenen Kunstsammlungen noch nicht beantwortet.

Das Verzeichnis von Grundmann – auf Polnisch Lista Grundmanna wie der Titel des Buches -  bildete in der Nachkriegszeit den Ausgangspunkt für einen Mythos von den verborgenen Schätzen, die sich vorgeblich in Niederschlesien noch befinden würden.  Entsprechende Legenden verbreiteten sich bei den polnischen Ansiedlern und zeitigen bis heute ihre Wirkung. Die Darstellung der Verfasser, ein Politologe, ein Archäologe und ein Schatzsucher und Publizist, bewegt sich allerdings jenseits der Legenden und stellt sachlich einen Überblick über die quellengestützten Tatsachen zusammen. Unabhängig davon benennen die Autoren moralische Fragen in Verbindung mit Grundmanns Tätigkeit, ohne selbst Wertungen oder Antworten zu geben. 

 

Marcin Makuch, Sekrety Legnicy, Wydawnictwo Księży Młyn, 2015, 184 S., ISBN: 9788377292655 [Die Geheimnisse von Liegnitz]

Das populärwissenschaftliche Buch von Marcin Makuch besteht aus 40 kurzen Beiträgen zur Geschichte der deutschen Stadt Liegnitz und der polnischen Stadt Legnica. Der Titel führt in die Irre. Der Historiker, Mitarbeiter des Kupfer Museum zu Legnica/ Liegnitz liefert keine Sensationen oder Kuriositäten, sondern stützt seine Arbeit auf solide Recherchen der Fachliteratur und lokalen Presse aus dem 19. und 20. Jahrhundert der als Garnisonsstadt, Gurkenstadt oder Klein Moskau bezeichneten Stadt. Der Autor stellt ausgewählte Persönlichkeiten wie Beamte, Fabrikanten, Offiziere und Künstler vor, erklärt die Geschichte von Gebäuden und Institutionen, beschreibt die nicht mehr existierenden Städtischen Sammlungen und die Synagoge, erläutert die Überreste der Denkmäler, Kasernen und Grabsteine. Nicht nur die Vorkriegszeit, sondern auch das Schicksal der Stadt nach 1945 als Hauptquartier der sowjetischen Truppen wurde in einigen Beiträgen veranschaulicht. Dem einen mag die Publikation vielleicht zu allgemein erscheinen, anderen wird sie bestimmt einen Anstoß für die eigenständige Vertiefung der Themen geben. Wie groß der Bedarf nach dieser Art Literatur ist bezeugt der Erfolg des ausverkauften Buches, das kurz nach Erscheinen schon zum Liegnitzer Buch des Jahres 2015 gekürt wurde.

 

Jahrbuch Polen 2016 Minderheiten. Hrsg. von Deutschen Polen- Institut Darmstadt, Verlag Harrassowitz Wiesbaden 2016, S.236, zahlreiche Abb., ISBN 978-3-447-10557-6

Noch am Vorabend des Zweiten Weltkriegs stellten nationale Minderheiten mehr als ein Drittel der Bevölkerung Polens dar. Heute machen Vertreter nationaler und ethnischer Minderheiten nur etwa 1,5 Prozent der polnischen Bevölkerung aus. Nach der Zeit der restriktiven Minderheitenpolitik in der Volksrepublik bekennt sich das demokratische Polen seit dem politischen Umbruch von 1989 zu seinen nationalen und ethnischen Minderheiten. Das aktuelle Jahrbuch Polen 2016 setzt sich mit historischen wie gegenwärtigen Entwicklungen der in Polen ansässigen Minderheitengruppen, -strukturen und -identitäten auseinander.  Zum Thema der deutschen Minderheit gibt es einen Beitrag von Marcin Wiatr, zur Situation in Oberschlesien einen Text von Z. Kadlubek über die Ziele der oberschlesischen Autonomisten sowie ein Streitgespräch zwischen Piotr Semka und Dawid Smolorz über das Wesen des Oberschlesischen.

  www.deutsches-polen-institut.de