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herausgegeben vom Förderverein Schlesisches Museum zu Görlitz – Landesmuseum Schlesien e.V.

 

Das Schlesische Museum zu Gast in der Kulturhauptstadt Breslau 2016

Gemeinsam mit dem Museum der Stadt Breslau zeigt das Schlesische Museum ab Mitte März bis Ende Juli 2016 im Breslauer Schloss die Ausstellung „Verfolgte Kunst: Der jüdische Künstler Heinrich Tischler und sein Breslauer Kreis“. Die Schau lädt zur Wiederentdeckung der bislang nur wenig bekannten jungen jüdischen Künstler Breslaus zwischen den Weltkriegen ein. Sie belebten das Kunstleben der Stadt in den 1920er Jahren auf vielfältige Weise und waren dabei durch verschiedene jüdische „Netzwerke“ miteinander verbunden.

Der Wahlsieg der Nationalsozialisten 1933 beendete schlagartig alle Hoffnungen dieser Künstler auf Ruhm und Anerkennung. Das neue Regime grenzte sie ausnahmslos aus dem kulturellen Leben aus, indem sie ihnen die Mitgliedschaft in der „Reichskulturkammer“ verweigerte. Dies bedeutete praktisch ein Ausstellungs- und Berufsverbot. Nur wenige entkamen der bald einsetzenden Verfolgung durch Emigration und verloren dabei häufig ihre Werke. Was sich bereits von ihrem Schaffen in öffentlichen Museen befand, wurde im Zuge der Aktion „Entartete Kunst“ entfernt und gilt heute als verschollen. Die Zerstreuung privater jüdischer Kunstsammlungen sowie der Krieg und seine Folgen trugen zur weiteren Vernichtung ihres Schaffens bei. Heute ist oft kaum noch etwas von ihrem Leben und Schaffen bekannt, viele Lebenswege liegen im Dunkeln.

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht der Künstler Heinrich Tischler (1892–1938), von dessen Oeuvre als Maler, Graphiker und Architekt noch ein aussagekräftiger Querschnitt von mehreren hundert Arbeiten erhalten ist. Die Ausstellung begleitet den Künstler – flankiert von Kunst-werken seiner Freunde und Kollegen – bei seiner Suche nach einer eigenen Bildsprache zwischen den modernen Kunsttendenzen seiner Zeit, bei seiner Auseinandersetzung mit der jüdischen Lebens- und Vorstellungswelt sowie bei seinem Versuch, die eigene Identität nach 1933 mit innerer Emigration, Anklage und satirischer Gegenwehr zu bewahren.

Johanna Brade