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herausgegeben vom Förderverein Schlesisches Museum zu Görlitz – Landesmuseum Schlesien e.V.

 

Bericht des Museumsdirektors

Liebe Freunde des Schlesischen Museums,

das Zusammentreffen von Jahrestagen hat es mit sich gebracht, dass in diesen Monaten der „Krieg“ die Arbeit des Museums stark bestimmt. Zwei Ausstellungen beschäftigen sich 2015 mit dem Thema, wenn auch in sehr unterschiedlicher Weise. Die Ausstellung „Kunst im Krieg“ vermittelte einen Eindruck, wie Künstler aus Schlesien als Kriegsteilnehmer das Geschehen an der Front erlebten und verarbeiteten. Es handelt sich um eine durchgeformte, wohl gestaltete Ausstellung mit einem inhaltlich anspruchsvollen, sehr ansehnlichen Katalog. Dagegen präsentiert sich die Ausstellung „Die große Not“ über Görlitz und Zgorzelec am Ende des Zweiten Weltkriegs in einer offenen Form und hat eher Werkstattcharakter. Sie entstand aus der Auseinandersetzung der Görlitzer mit diesen Ereignissen - bereitwillig kamen sie in den letzten Monaten ins Museum, um ihre Erinnerungsstücke als Leihgaben zur Verfügung zu stellen und deren Geschichte zu erzählen (Kuratorin: Dr. Martina Pietsch). Mit dem Besucherzuspruch zu den Ausstellungen des Museums sind wir zufrieden. Erneut wird das Museum zum Jahresende rund 25.000 Besucher zählen können.

Die Kassenlage machte größer Erwerbungen nicht möglich. Ein schönes Gemälde mit einer Riesengebirgsdarstellung von Getrud Staats, eine der wichtigsten Landschaftsmalerinnen in Schlesien im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts, eine mit christlichen Emblemata verzierte Schraubflasche für den Abendmahlswein von 1691 aus dem Kirchenschatz von Strehlitz und eine Weihnachtskrippe aus der Warmbrunner Holzschnitzschule (die mit Hilfe des Fördervereins erworben werden konnte) waren die wichtigsten Ankäufe. Dazu kamen großzügige Schenkungen: zwölf Koffer und Kisten mit Hirschberger Spitzen aus einer Spitzenschule, die Fürstin Daisy von Pless zwischen 1911 und 1923 unterhielt, eine Sammlung von rund 800 Keramiken, die das Sammlerehepaar Kühn dem Schlesischen Museum und dem Keramikmuseum in Bunzlau zu gemeinsamem Besitz schenkte, schließlich der Überseekoffer eines Breslauer Juden, den dieser bei seiner Flucht 1939 bei sich hatte und der ihm in seinem Unterschlupf in Shanghai als einziges Möbelstück diente.

Frischen Wind bringt die Museumspädagogin Sylvia Wackernagel ins Haus, die zum 1. April dieses Jahres vom Grassi Museum in Leipzig nach Görlitz überwechselte. Mit Führungen in einfacher Sprache, Suchspielen für sprachunkundige Flüchtlingskinder, Geocaching und der Gründung eines Clubs von „Museumsscouts“ hat sie in kurzer Zeit etliche neue Formate eingeführt und die schlesische Museumswelt ordentlich durcheinander gewirbelt.

Ein Ereignis, das sich nicht so schnell wiederholen wird: Am 31. März fand eine gemeinsame Kabinettssitzung der sächsischen und brandenburgischen Landesregierung im Veranstaltungsraum des Schlesischen Museums statt. Da sich die Minister schnell einig waren und die Beratungen kürzer währten als geplant, blieb Zeit für eine ausgiebige Museumsführung, an der auch die beiden Ministerpräsidenten Tillich und Woidke teilnahmen.

Am Ende des Jahres haben wir den Blick nach vorn gerichtet. Schon in Erwartung des zehnjährigen Jubiläums der Museumseröffnung und des großen Museumsfestes am 16. April (bitte vormerken!) haben wir uns in einer zweitägigen Tagung mit den Zukunftsperspektiven des Schlesischen Museums beschäftigt. Die Mitarbeiter des Museums, die Mitglieder der Stiftungsgremien, der Vorstand des Fördervereins und einige externe Fachleute nahmen an dieser Diskussion teil, die eine Fülle von Anregungen und Vor-schlägen erbrachte. Gegenwärtig sind wir bei der Auswertung der Tagung – mehr darüber beim nächsten Mal!

Ihr Markus Bauer