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herausgegeben vom Förderverein Schlesisches Museum zu Görlitz – Landesmuseum Schlesien e.V.

 

Grußwort

Liebe Mitglieder,
sehr geehrte Damen und Herren, 

der Historiker Karl Schlögel hat vor Jahren einmal geschrieben, das Wissen um die Vertreibungserfahrung könne am besten, statt an einem zentralen Ort, an den „Orten des Geschehens“ wieder angeeignet werden, in den Orten der Herkunft und der Ankunft der Vertriebenen. Ich denke, beides ist wichtig: an die Vertreibung an einem zentralen Ort in Deutschland zu erinnern, und auch an den Orten des damaligen Geschehens.

Ich nenne zwei Städte, die sich beispielhaft dieser Aufgabe gestellt haben.
Im Jahr 2012 wurde im „Museum Bayerisches Vogtland“ der Stadt Hof eine neue Abteilung zur Geschichte der Flüchtlinge und Vertriebenen eröffnet. Der Besucher erfährt, dass mehr als zwei Millionen Menschen von 1945 bis Anfang der 1950er Jahre durch Hof zogen, wie sie Unterkunft und Verpflegung erhielten. Etwa 15.000 Vertriebene blieben, das war ein Zuwachs von fast einem Viertel der Einwohner der Stadt.
Am 15. Oktober wurde in Glogau/Głogów die Ausstellung „Głogowianie 1945“ (Glogauer 1945) im Muzeum Archeologiczno-Historyczne eröffnet. Sie ist in Zusammenarbeit mit dem Schlesischen Museum zu Görlitz und dem Glogauer Heimatbund (Hannover) entstanden. Sie erzählt die Geschichte der Flucht und Evakuierung der Bevölkerung aus der „Festung“ Glogau, die Eroberung der Stadt durch die sowjetischen Truppen, die Ankunft polnischer Siedler, darunter Vertriebene aus Ostpolen, und die Vertreibung der verbliebenen Deutschen. Die Beschriftungen sind polnisch und deutsch.

Zur Geschichte der heute polnischen Städte in Schlesien gehören Flucht und Vertreibung der deutschen Bevölkerung sowie der abrupte Traditionsabbruch durch die Zäsur im Jahr 1945. Die Ankunft und Aufnahme der Vertriebenen sowie die Gründung von Heimatvereinen gehören zur Nachkriegsgeschichte deutscher Städte. Es ist zu hoffen, dass die genannten und andere Beispiele in weiteren „Orten des Geschehens“ Nachahmung finden.

Ihr K. Schneider

 Die PDF-Version der Mittelungen können Sie hier aufrufen.