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Drei Jahre dauerte die Arbeit an einem Buch, das es in und über Oberschlesien noch nie gegeben hat. Das kürzlich vom Staatlichen Schlesischen Institut in Oppeln herausgegebene "Lexikon der Mythen, Symbole und Helden Oberschlesiens vom 19. - 20. Jahrhundert" misst sich mit den bekanntesten Fakten, Vorstellungen und Stereotypen über die Geschichte der Region in den vergangenen zwei Jahrhunderten.

Auf den fast 500 Seiten findet der Leser 110 Artikel, die - und das ist wesentlich - das polnische, deutsche und tschechische Gedächtnis der Region beschreiben. Die Beiträge wurden in fünf Hauptkategorien unterteilt: Menschen und ihre Zeichen, Heilige und Helden, Mythen und Traditionen, Festtage und Rituale, Orte. Abgesehen von allgemeinen Themen, die schon häufig behandelt worden sind, präsentieren die Autoren Aspekte, die bisher in wissenschaftlichen Bearbeitungen eher selten anzutreffen waren. Dementsprechend gibt es einerseits Beiträge zum oberschlesischen Dialekt, dem Ethos der Arbeit, der Volksgläubigkeit, der Landschaft, den bekanntesten Persönlichkeiten der Region (Schriftsteller, Politiker, Herrscher, Industrielle usw.) und zum anderen Beiträge zu Phänomenen, denen sich die Wissenschaft bisher nicht angenommen hat, zum Beispiel: das kulutrelle Phänomen der Reisen in die Bundesrepublik in den Jahrzehnten des kommunistischen Polens und die von dort geschickten Päckchen, die Idealisierung Westdeutschlands in dieser Zeit; der schlesische Blues und die zwei wichtigsten oberschlesischen Fußballclubs: Górnik Zabrze und Ruch Chorzów. Das Thema Fußball kommt im Lexikon auch in Bezug auf die schwierigen politischen Entscheidungen vor, die im 20. Jahrhundert die Einwohner Oberschlesiens treffen mußten. Allein schon wegen des Themas kann man das "Lexikon" schwer als typische enzyklopädische Publikation ansehen. Die Herausgeber unterstreichen, dass sie sich zum Ziel gesetzt haben, möglichst strukturiert die oberschlesischen Vorstellungswelten zu präsentieren.

Alle Phänomene, Ereignisse und Personen wurden für diesen Zweck als kulturelle Phänomene beschrieben. Im Falle Oberschlesiens ist diese Aufgabe insofern schwierig, als dass die Vergangenheit der Region bis heute Kontroversen hervorruft und immer wieder in bestimmen Schemata und Bildern wahrgenommen wird, die in historischen Perioden unterschiedlicher staatlicher Zugehörigkeit geformt wurden.

Thema und die Struktur der Publikation sind ebenso wie die Zusammensetzung der Autoren ein Pluspunkt. 17 Wissenschaftler/innen aus Polen, Deutschland und der Tschechischen Republik haben gemeinsam mit den Herausgebern Bernard Linek und Andrzej Michalczyk die Beiträge verfasst. Unter den Autoren sind überwiegend Historiker, aber ebenso Sprachwissenschaftler, Germanisten und Kulturwissenschaftler.

(D.Smolorz)

Bibliographische Angabe:

"Leksykon mitów, symboli i bohaterów Górnego Śląska XIX-XX wieku"
Redakcja naukowa Bernard Linek, Andrzej Michalczyk
Państwowy Instytut Naukowy - Instytut Śląski w Opolu, Opole 2015
ISBN 978/83/7126/306/4