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Nachrichten aus dem Schlesischen Museum

 

20. November, 19 Uhr

Eröffnung der Ausstellung

Die große Not. Erinnerung an das Kriegsende 1945 und den Neubeginn in Görlitz und Zgorzelec

Die Ausstellung ist aus Erinnerungsstücken, Berichten und Informationen von zahlreichen Zeitzeugen, Vereinen und Institutionen entstanden. Sie soll ein öffentliches Forum der Erinnerung an das Kriegsende und die Nachkriegszeit in Görlitz, Zgorzelec und in der Region sein.

Ausfuhrliche Informationen: Die große Not. Erinnerungen an Kriegsende und Nachkriegszeit

 

 

26. November, 19 Uhr

Lesung und Gespräch

Christine von Brühl: Anmut im märkischen Sand. Die Frauen der Hohenzollern

Weitere Informationen: Lesung und Gespräch - Christine von Brühl

Ort: Akademie modus vivendi, Elisabethstr. 10-11

Eine Veranstaltung der Kulturreferentin für Schlesien und der Redaktion “Schlesien heute”. 

 

28. November, 14 Uhr

Schlesischer SaTOURday                            Spiegelverkehrt schick – Heilige hinter Glas

Die Hinterglasmalerei ist eine sehr alte Maltechnik. Sie erfordert viel Geschick und Fantasie, denn das Bild wird beim Malen spiegelverkehrt gedacht! Doch was hat die Schutzpatronin von Schlesien

auf diesen Bildern zu suchen? Folgt ihr in eine Welt voller Heiliger und probiert selbst aus, wie sie hinter Glas kommen.

– Dauer: 60 bis 90 Minuten

– Kosten: 3,50 Euro pro Kind (8 bis 12 Jahre)

– Die Veranstaltung kann auch zu anderen Terminen von Hort und Schulgruppen gebucht werden

Foto: Miejski Dom Kultury w Zgorzelcu 

4. Dezember, 16 Uhr, Dom Kultury Zgorzelec

Deutsch-Polnische Vortragsreihe

Piotr Arcimowicz: Die Entstehung von Zgorzelec

In der Görlitzer Oststadt vollzog sich nach der Grenzziehung entlang der Neiße ein nahezu vollständiger Bevölkerungsaustausch.

Piotr Arcimowicz, Leiter des Muzeum Łużyckie (Lausitz-Museum) in Zgorzelec, spricht über die Entstehung einer polnische Stadt: Zgorzelec. Im Januar 1947 lebten hier etwa 4300 Polen.

 

– Eintritt frei

Foto: KAS/ACDP 

7. Dezember, 19 Uhr

Erinnerungen an Herbert Hupka

Am 15. August 2015 wäre Dr. Herbert Hupka 100 Jahre alt geworden.

Dr. Jörg Bernhard Bilke, Alfred Theisen, Dr. Markus Bauer und Dr. Klaus Schneider werden an ihre Begegnungen mit Herbert Hupka erinnern, wie sie ihn als Privatmenschen und in Ausübung seiner Ämter als Vorsitzender der Landsmannschaft Schlesien, Präsident des Ostdeutschen Kulturrats, Mitglied im Stiftungsrat der Stiftung Schlesisches Museum zu Görlitz und zuletzt noch als Mitglied im Vorstand des Vereins der Freunde und Förderer erlebt haben.

– Veranstalter: Verein der Freunde und Förderer des Schlesischen Museums zu Görlitz – Landesmuseum Schlesien e.V.

– Eintritt frei

Foto: SMG 

Vorankündigung:

4.–20. Dezember: Kunst und Handwerk im Museum

Als Angebot des Schlesischen Museums während des Görlitzer Christkindlmarktes bieten Künstler und Handwerker in den Gängen des Schönhofes ihre Arbeiten an: Porzellanmalereien, Holzschnitzereien, Bleiverglasungen, Schmuck, Textilien und vieles mehr.

Montag-Freitag 14 – 19 Uhr

Samstag/Sonntag 12 – 19 Uhr

Eintritt frei

Foto: DroneLand.pl 

Seit September 2015 arbeiten wir mit Dawid Smolorz aus Gliwice/Gleiwitz zusammen, um Ihnen im Wechsel mit Kurzreportagen aus Niederschlesien ebenfalls Korrespondenzen aus Oberschlesien zu bieten. Die ersten beiden Texte beschäftigen sich mit dem Stadtjubiläum von Kattowitz und dem Schicksal des historischen Bahnhofs der Stadt.

Schon lange gab es in Kattowitz nicht mehr so vielfältige Kulturereignisse wie im Jahr 2015. Das hat einen einfachen Grund: die größte Stadt Oberschlesiens begeht feierlich ihr 150jähriges Bestehen.

Konzerte, beginnend mit klassischer Musik über Jazz, Folk und Pop, Ausstellungen, Performances,

Vortragsreihen zur Geschichte der Stadt, Feste unter freiem Himmel, darunter Sportveranstaltungen, Theaterpremieren – so präsentiert sich in Kürze das Programm der Feierlichkeiten zum 150. Jahrestag der Verleihung der Stadtrechte an Kattowitz.

Unter den vielen Veranstaltungen verdienen einige besonderer Erwähnung. Im Juni wurde offiziell die sogenannte „Zone der Kultur“ eröffnet. Auf dem Gelände des früheren Bergwerks „Katowice“ (historisch Ferdinandgrube) sind in den vergangenen Jahren verschiedene Kulturinstitutionen entstanden – ein Konzertsaal, Sitz des Nationalen Rundfunksymphonieorchesters in Polen (vgl. SILESIA Nr 9/2014), ein internationales Kongresszentrum und das neue Schlesische Museum.

Im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten wurde im Schlesischen Theater der „Schwarze Garten” uraufgeführt. Ein Theaterstück auf der Grundlage des Bestsellers von Malgorzata Szejnert (Czarny Ogrod), der kürzlich ins Deutsche übersetzt worden und im Verlag des Kulturforums Östliches Europa erschienen ist. Im ersten Moment mag es scheinen, dass es in diesem Stück nur um die Einwohner der Kattowitzer Stadtteile Nikisziowiec (Nikischacht) und Giszowiec (Gieschewald) geht, aber tatsächlich reicht es weit über den Mikrokosmos dieser zwei Ortsteile hinaus. De facto handelt es sich um ein Theaterstück über Oberschlesien, über Polen und über Deutschland. Deutsche Motive spielen auch in anderen Bereichen eine Rolle. Im September erinnerte die Foto-Ausstellung von Hans Bellmer an einen der bekanntesten Künstler Kattowitz`, einen Surrealisten, dessen Werk in der Zeit des Dritten Reiches als „entartete Kunst“ verurteilt wurde.

Das größte Ereignis im Freien hingegen war das vom Polnischen Fernsehen übertragene Konzert

Life aus der „Zone der Kultur“.

Kattowitz war in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ähnlich wie viele andere Industriezentren Oberschlesiens eine wenig bedeutende Siedlung. Die Inbetriebnahme der Eisenbahnlinie 1846 auf der Strecke Breslau – Myslowitz, das “Drei-Kaiser-Eck” an der Grenze zwischen Preußen, Rußland und Österreich-Ungarn, aber vor allem die konsequenten Aktivitäten des Eigentümers von Kattowitz, Franz von Tiele-Winckler, führten dazu, dass aus dem früheren Dorf innerhalb von wenigen Jahrzehnten eine der größten Städte Oberschlesiens wurde. Nach der Teilung Oberschlesiens wurde Kattowitz die Hauptstadt der autonomen, polnischen Wojewodschaft Schlesien. Die Einwohnerzahlen der Stadt überholten schon in den 1930er Jahren die Nachbarstädte auf polnischer (Königshütte/ Królewska Huta) und deutscher (Gleiwitz, Hindenburg, Beuthen) Seite der Wojewodschaftsgrenzen. Dank der Zuzuges der Bevölkerung und der Eingemeindung benachbarter Ortschaften wurde die Stadt zum größten städtischen Raum Oberschlesiens. Diese Stellung hat Kattowitz bis heute nicht verloren, allerdings lebten im Jahr 2012 erstmals seit 60 Jahren weniger als 300.000 Menschen.

Foto: Wikipedia 

Ohne die Eisenbahn wäre Kattowitz sicherlich nie das geworden, was es heute ist: die größte Stadt in Oberschlesien und ein wichtiges Zentrum mit überregionaler Bedeutung. Um so mehr kann die Tatsache verwundern, dass seit Jahrzehnten so wenig unternommen wurde, um den historischen Bahnhof, eines der interessantesten öffentlichen Gebäude der Stadt, vor der fortschreitenden Zerstörung zu retten. Ob es dieses Mal gelingt, ihm neues Leben einzuhauchen?

Der im Zentrum der Stadt gelegene elegante Gebäudekomplex aus dem 19. Jahrhundert hat seit Kurzem einen neuen Besitzer. Für den Preis von fast 7,5 Mio Zloty (ca. 1,8 Mio Euro) erwarb die Kattowitzer Aktiengesellschaft “Maksimum” die Immobilie. Wenn es dem neuen Inwestor gelingt, seinen Plan zu realisieren, erhält der frühere Bahnhof wieder neues Leben. In den alten Mauern sollen Restaurants sowie Büro- und Dienstleistungsflächen entstehen. Man könnte meinen, dass eine solche Investition zum Erfolg verurteilt ist, aber nach den Erfahrungen der letzten Jahre zeigen sowohl die Behörden der Stadt als auch ihre Einwohner nur begrenzte Begeisterung. Schon einmal schien es, dass dieses Gebäude, dass über Jahrzehnte lang die Visitenkarte der Stadt war, zu seinem alten Glanz zurück findet. 2007 erwarb eine polnisch-italienische Aktiengesellschaft das Gebäude von den Polnischen Staatsbahnen (PKP).  In dem früheren Bahnhof wollten sie ein Hotel, ein Einkaufs- und Dienstleistungszentrum eröffnen. Die Renovierung des Bahnhofes sollte zugleich Schwerpunkt der Revitalisierung des Kattowitzer Jugendstil-Viertels werden. Aus diesen Plänen wurde nur leider nichts. Der Bahnhof verfiel, die Beamten versuchten erfolglos den Eigentümer zu irgendwelchen Aktivitäten zu bewegen und die beunruhigten Einwohner der Stadt organisierten Demonstrationen. Sie forderten von der Verwaltung der Stadt die Rettung dieses so wichtigen Zeugen der oberschlesischen Geschichte. In der Zwischenzeit kam sogar die Idee auf, die in schlechtem Zustand befindlichen Gebäude einfach zu sprengen. Dieses Mal soll es anders werden. Der neue Eigentümer behält sich allerdings vor, dass nichts von heute auf morgen geschieht. Die Revitalisierung wird langwierig und kostenspielig.

Der erste Bahnhof in Kattowitz – damals noch ein Dorf – entstand in den 1850er Jahren an der Strecke der Oberschlesischen Eisenbahn, die Breslau mit Myslowitz verband, der Grenze zu Rußland und Österreich. Die Eröffnung dieser neuen Kommunikatslinie war eine der wichtigsten Impulse für die Entwicklung der oberschlesischen Industrieregion. Der Kattowitzer Bahnhof wurde mehrfach umgebaucht, unter anderem an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, in einer Zeit, als die junge Stadt eine Phase der rasanten Entwicklung durchlebte und innerhalb von wenigen Jahrzehnten das größte und wichtigste Zentrum der Region wurde, sowie ein zweites Mal in der Zwischenkriegszeit. Kattowitz wurde 1922 die Hauptstadt der autonomen Wojewodschaft Schlesien in Polen und gemäß der damaligen politischen Ausrichtung wurde der kaiserlich-deutsche Jugendstil durch den polnischen Stil der neuen Sachlichkeit ersetzt. In diesem Fall betraf das allerdings nur Teile des Bahnhofsgebäudes. Es war nicht das einzige öffentliche Gebäude, am Rande bemerkt, dass in der damaligen Wojewodschaft Schlesien im architektonischen Sinne polonisiert wurde. Der Anfang vom Ende des historischen Ensembles war die Übergabe des neuen Bahnhofs in Kattowitz zu Beginn der 1970er Jahre. Der Bahnhof wurde degradiert zu  Büroräumen und einem technischen Gebäude der PKP  und verfiel schon in den 1980er Jahren. Die jahrzehntelange Vernachlässigung führte dazu, dass der einst elegante Bahnhof ein vom Einsturz bedrohtes Gebäude, ein Anblick der Verfalls wurde. Der neue Eigentümer verspricht eine erneute Chance für die Rückkehr zum alten Glanz, leider aber wohl die letzte Chance.