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Max Wislicenus: Friedhof von Inowłódz [Ostfront], um 1915, Foto: © René Pech, SMG 

Schlesisches Museum zu Görlitz – Programm im Sommer

Kunst zur Kriegszeit 1914 – 1918:
Künstler aus Schlesien zwischen Hurrapatriotismus und Friedenssehnsucht
Sonderausstellung, 11.5.-31.10.2015

Zum Gedenken an den Ersten Weltkrieg stellt das Schlesische Museum zu Görlitz in seiner neuen Sonderausstellung Kunst zum Kriegsgeschehen vor. Die Kunstwerke berichten anschaulich von der anfänglichen Kriegsbegeisterung der Menschen, aber auch von ihren Ängsten und schrecklichen Erfahrungen, die ab 1916 zum Ruf nach Frieden führten. Mit einem Überblick über die Vielfalt der Kunstproduktion will die Ausstellung Denkanstöße zu einem damals wie heute aktuellen Thema vermitteln. Gezeigt werden rund 200 Exponate von 23 Künstlern, die in Schlesien tätig waren oder auf andere Weise mit Schlesien in Verbindung standen.

Die Ausstellung kann bis zum 31.10. besichtigt werden.

Begleitet wird die Ausstellung von einem aufwändig bebilderten Katalog (ca. 300 Seiten), Preis: 39,- €.

Gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages, durch das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst und durch das Sächsische Staatsministerium des Innern (Projektförderung).

Sonderführungen mit der Ausstellungskuratorin Dr. Johanna Brade:

26.6., 3.7., 4.9., 11.9., 18.9., 25.9., Freitags, 13 Uhr

Hirschberger Spitzen, Foto: Sammlung SMG 

Sonder-Präsentation einer Schenkung an das Schlesische Museum

23. Juni – 16. Juli Präsentation im Nordhof:
Hirschberger Spitzen aus den 1920er/30er Jahren 

Dank der großzügigen Unterstützung von Familie Dr. Hans-Joachim Vits konnte das Museum am Montag eine besonders umfangreiche Sammlung Hirschberger Spitzen als Schenkung entgegennehmen: Eine Auswahl der insgesamt etwa 1000„Spitzenwerke“ kann vom 23. Juni bis 16. Juli im Nordhof des Museums besichtigt werden! (Eintritt: 1 € bzw. Museumsticket)

Die feinen, kunstvoll gearbeiteten Textilien stammen aus dem Besitz von Hedwig Freiin von Dobeneck (1877-1956). Sie sind in den 1920er und 1930er Jahren in den Hirschberger „Schulen für künstlerische Nadelarbeiten“ bzw. „Spitzenschulen der Fürstin von Pless“ angefertigt worden. Diese privat gegründeten Schulen trugen dazu bei, die regionale Tradition der Spitzenherstellung weiterzuentwickeln. Der Verkauf der hochwertigen Produkte sicherte damals vielen Frauen ein Einkommen.

Die Sammlung stammt aus Restbeständen früherer Verkaufsstellen in Hirschberg und Warmbrunn. Es handelt es sich dabei um Bänder und Borten, Applikationen (Kragen, Rüschen), Hauben, Schleier, Taschentücher sowie Platzdeckchen und Untersetzer. Auch eine spitzenbesetzte Taufgarnitur (Kleid, Haube, Kissen) ist darunter. An vielen Arbeiten sind noch die Etiketten mit Muster- bzw. Modellnummern und Preisen befestigt.

Keramiken aus der Sammlung Kühn, Foto: Sammlung SMG 

Angebote im Juli und August

Kaffee & Kultur – natürlich schlesisch
1.7., Mittwoch, 15 Uhr
Kunst zum Ersten Weltkrieg

Literatur im Gespräch - neue Veranstaltungsreihe der Kulturreferentin für Schlesien und der Redaktion „Schlesien heute“
16.7., Donnerstag, 18 Uhr
Lesung und Gespräch mit Anre Franke: Kleine Kulturgeschichte der schlesischen Schlösser. 150 Adelssitze im Portrait.

Opern-Pasticcio im Nordhof
4.8., Dienstag, 19 Uhr
Rübezahls Musikalischer Garten

Kaffee & Kultur – natürlich schlesisch
5.8., Mittwoch, 15 Uhr 
Die Niederschlesische Gewerbe- und Industrie-Ausstellung in Görlitz 1905

Angebote während des Tippelmarktes

Ermäßigter Eintritt
Während des Tippelmarktes am 18. und 19. Juli 2015 können Besucher das Schlesische Museum zum ermäßigten Eintritt besichtigen.

17. Juli – 28. August Präsentation im Nordhof
Keramik Bunzlauer Art 1900 bis 1945

Das Schlesische Museum zu Görlitz erhält gemeinsam mit dem Muzeum Ceramiki w Bolesławcu (Keramikmuseum Bunzlau) eine Schenkung von rund 800 Keramiken des Sammlerpaares Kühn. In über 50 Jahren hatten Hans-Martin Kühn und seine Frau eine beachtliche Sammlung handwerklicher Keramik aus dem Bezirk Bunzlau und der Oberlausitz zusammengetragen. Nun geht dieser Bestand an die Partnermuseen in Görlitz und Bunzlau. Das Schlesische Museum richtet anlässlich des Schlesischen Tippelmarktes (18./19. Juli) eine Präsentation ausgewählter Keramiken ein. Sie gibt einen ersten Einblick in die Vielfalt der Erzeugnisse.

Eintritt: 1 Euro bzw. Museumsticket (während des Tippelmarktes ermäßigt)

Rübezahl, Holzfigur von Oskar Wache, Foto: Sammlung SMG 

Museum für Kinder und Jugendliche

Angebot zur Sonderausstellung „Kunst zur Kriegszeit 1914 - 1918“ für die Klassenstufen 7 bis 12

Bei einem Ausstellungsrundgang beschäftigen wir uns mit Kunstwerken, die das Kriegsgeschehen auf sehr unterschiedliche Art und Weise beleuchten. Mit kritischem Blick versuchen wir Antworten auf Fragen zu finden, die bis heute gesellschaftsrelevant sind: Wie werden junge Leute manipuliert und für den Krieg begeistert? Welche Bilder vermitteln Medien vom Krieg? Wie funktioniert Propaganda?

Angebote in den Sommerferien 2015

Veranstaltungstermine:

Dienstag, 21.7., 14 Uhr
Schlesisches Museum zu Görlitz, Treffpunkt Museumskasse

Zwischen Gut und Böse – Märchenhaftes aus dem Riesengebirge
Der Berggeist Rübezahl zeigt sich mal gut, mal böse und in verschiedenster Gestalt. Vielleicht bringt er euch zum Nachdenken oder gar zum Staunen? Wir begeben uns auf eine sagenumwobene Reise ins Riesengebirge und spüren seinen Abenteuern nach.

Dienstag, 18.8., 14 Uhr

Schlesisches Museum zu Görlitz, Treffpunkt Museumskasse
Die Kunst ist los – und doch still
(für Kinder zwischen 7 und 11 Jahren)

Seit über 400 Jahren beschäftigen sich Künstler mit Stillleben, auf denen Blumen, Gegenstände und sogar kleine Tiere kunstvoll zusammengestellt sind. Diese Bilder zeigen die Schönheit des Lebens und schicken uns Botschaften. Wir wollen erkunden, was auf den Bildern zu sehen ist und wie sich ihr Stil verändert hat. Wie würde wohl euer eigenes Stillleben aussehen?

Buchbare Angebote für Kitas und Horte

Zwischen Gut und Böse – Märchenhaftes aus dem Riesengebirge
(für Kinder zwischen 5 und 10 Jahren)

Der Berggeist Rübezahl zeigt sich in verschiedenster Gestalt – ob als Wolke, ein Stück Holz, als Tier oder Mensch. Seine Charaktereigenschaften können Vorbild sein, aber auch sehr bedrohlich wirken. Vielleicht bringt er euch zum Nachdenken oder gar zum Staunen? Wir begeben uns auf eine sagenumwobene Reise ins Riesengebirge und spüren seinen Abenteuern nach.

Die Kunst ist los – und doch still 
(für Kinder zwischen 7 und 11 Jahren)

Seit über 400 Jahren beschäftigen sich Künstler gern mit Stillleben. In diesen Bildern sind kunstvoll zusammengestellte Blumen und Gegenstände, ja sogar kleine Tiere zu finden. Sie erzählen von der Schönheit dieser Dinge, zum anderen transportieren sie Botschaften. Gemeinsam erkunden wir, was auf den Bildern zu sehen ist und wie sich ihr Stil verändert hat. Wie würde wohl euer eigenes Stillleben aussehen?

Kontakt: Sylvia Wackernagel (Museumspädagogin)
Tel.: +49 (0) 3581 / 8791-128
E-Mail:  swackernagel(at)schlesisches-museum.de

Agave, Foto: www.futuregardens.pl 

Aneta Augustyn schreibt Kurzreportagen aus Breslau und Niederschlesien für den SILESIA-Newsletter. Sie ist seit über 20 Jahren als Journalistin tätig, vor allem mit der Tageszeitung „Gazeta Wyborcza“ verbunden, für die sie längere Reportagen aus und über Schlesien schreibt. Ausgezeichnet mit Medaillen der Universität Wroclaw und der Hochschule für Natur- und Umweltwissenschaften für die Popularisierung der Wissenschaft.

Gartenkunst in Schlesien – bemerkenswerte Neuerscheinung

Über sie wurden Gedichte und wissenschaftliche Abhandlungen geschrieben, von ihr wurde an Höfen erzählt und auch  auf der Gedenkmedaille für Prinz Georg Wilhelm I., den letzten Herrscher der Piasten, ist sie verewigt: es handelt sich um die Agave. Diese Pflanze löste viele Emotionen im 17 Jh. in Europa aus. Aus Südamerika eingeführt, war sie der Stolz an den europäischen Höfen; keiner anderen Pflanze sollten so detaillierte Beschreibungen gewidmet werden. Ihr Phänomen bestand in der Langlebigkeit, aber vor allem in einem ungewöhnlichen Blühtenzyklus. Die Agave verblüht einmal in ihrem Leben, manchmal erst nach Jahrzehnten, übersät mit tausenden gelben wohlriechenden Blühten. Sie verblüht und stirbt ab, daher die Inschrift auf der Piasten-Gedenkmedaille Dum flouri morior (verblühend stirbt). Im damaligen Europa war ihr Verblühen ein Ereignis, aus dessen Anlass goldene Medaillen geprägt wurden. Die Agave, die 1670 am Hof der Grafen von Oppersdorf in Oberglogau (Głogówek) verblühte, war die achtzehnte blühende Agave in europäischen Gärten. Darüber schreiben Prof. Marzanna Jagiełło und Prof. Wojciech Brzezowski vom Institut für Konservierung und Revalorisierung von Architektur und Grünanlagen an der Fakultät für Architektur der Technischen Universität Breslau.

Ihr Buch „Schlesische Gärten“ gewann kürzlich den Leserpreis auf der Breslauer Wissenschaftlichen Buchmesse. Die Geschichte Schlesiens, erzählt über die botanische Leidenschaft seiner Bewohner, die Pflanzensymbolik sowie Komposition der Gärten, ist faszinierend und immer noch wenig bekannt. Im mittelalterlichen Schlesien dominierten Klostergärten, meistens im Innenhof, geteilt durch Alleen in vier Bereiche. Die Vier bedeutete vier Weltrichtungen, vier Jahreszeiten, vier Elemente und vier Kardinaltugenden –Gerechtigkeit, Mäßigung, Tapferkeit, Klugheit.

- Der mittelalterliche Garten war ein Schema des Paradieses, mit einem Brunnen für die paradiesische Quelle und einem Baum für den paradiesischen Baum – erklärt Prof. Wojciech Brzezowski. Die Vorstellung von einem solchen Garten finden wir auch im Innenhof des Breslauer Architekturmuseums (ehemaliges Bernhardinerkloster): das ist die einzige Rekonstruktion eines mittelalterlichen Viridariums in Schlesien. Die älteste Erwähnung über einen schlesischen mittelalterlichen Garten gibt es im „Heinrichauer Buch“, der Chronik der Zisterzienserabtei in Heinrichau/Henryków. Im Mittelalter wurde auch der horus conclusus, ein geschlossener Garten, vor allem für Frauen, bei Schlössern gegründet.

Lorenz Scholz von Rosenau, Laurentius Scholz genannt, gründete vor 400 Jahren in Breslau (auf der heutigen Wierzbowa Straße) den berühmtesten Garten Schlesiens, dem in der Publikation ein besonderer Platz gewidmet ist. Seine Popularität zog viele damals bedeutende Persönlichkeiten an  – Professoren, Künstler, Ärzte, Geistliche. Es gehörte sich, Scholz` Garten zu besuchen, u.a. während des Blumenfestes Floralia Wratislaviensia, dessen Vorbild das antike Fest der Göttin Flora war. Der Gastgeber versammelte nicht nur berühmte Gäste, sondern auch eine Kuriositätengalerie, inklusive einer Mumie, und prächtige Pflanzen, die in Erstaunen versetzten. Wie Kartoffeln, damals eine Neuigkeit, aber man begeisterte sich nicht etwa für die wenig schmackhaften Knollen, sonder für ihre sensiblen Blühten. Wir kennen nicht nur den Katalog der dort wachsenden Pflanzen, sondern auch Graphiken als seine Abbildungen und auch literarische Werke über den Garten, die in der Sammlung der Breslauer Universitätsbibliothek überdauerten. Deswegen wissen wir auch, dass es in Scholz‘ Garten eine Grotte mit einem liegenden Adam gab, die erste künstliche Gartengrotte in Schlesien.

- Humanisten aus der Zeit der Renaissance gründeten Gärten, die nicht nur Salons für die Gesellschaften waren. Sie waren auch eine Wiederspiegelung der Weltharmonie und der Faszination geografischer Entdeckungen – erzählt Prof. Marzanna Jagiełło –  und daher sammelte man exotische Pflanzen aus verschiedenen Ländern. In der Renaissance erschien der  hortus botanicus, ein Bildungsgarten und ein Vorfahre der heutigen botanischen Gärten.

Der erste Garten in Schlesien mit diesem wissenschaftlichen  Anspruch breitete sich im 16. Jahrhundert in der Gegend der heutigen Ruska-Straße aus.  Der Pharmazeut Johannes Woyssel führte dort den systematischen Anbau von Oliven, Feigenbäumen, Zitrusfrüchten, Opuntien, Pistazienbäumen… Er baute auch Mandragore, echte Steinsamen und andere Heilpflanzen an – Medizin ging mit der Botanik einher, Heilkräuter waren sehr lange das Grundarzneimittel.

- Die Schlesier hatten eine große Leidenschaft für Botanik, indem sie Pflanzen sammelten und beschrieben. Dank Caspar Schwenckfeld, dem Reformator und Arzt aus Greiffenberg (Gryfów Ślaski), der die Flora in der Region gründlich erforschte, galt Schlesien am Anfang des 17. Jahrhunderts als die botanisch am besten erforschte Region Europas. – sagen die Autoren. Ihrer Meinung nach war Schlesien ein Land der Gärten, die an den Höfen des Adels, bei bürgerlichen Häusern und Klöstern gegründet wurden. Desto sichtbarer ist der Kontrast zwischen den Zeichnungen und der Wirklichkeit –  praktisch keine Spuren der Gartenarchitektur sind übrig geblieben. Es lohnt sich deshalb zum Buch zu greifen, das das, was nicht mehr existiert, entdecken lässt, umso mehr, als es mit zahlreichen Bildern herausgegeben wurde. Es  ist die erste Veröffentlichung zu diesem Thema in Europa und umfasst die Zeit vom Mittelalter bis zum 17. Jahrhundert. Der zweite Band führt uns zu Barock-Gärten in Schlesien und soll im Herbst erscheinen.

Marzanna Jagiełło, Wojciech Brzezowski „Gärten in Schlesien, Band 1: Vom Mittelalter bis zum 17. Jahrhundert.“ Oficyna Wydawnicza Politechniki Wrocławskiej 2015

Internationales Bach-Festival, Schweidnitz 2014, Foto: @ www.bach.pl 

Internationales Bach-Festival in der Friedenskirche zu Schweidnitz / Swidnica

Bevor wir Schlesien in der Zeit des Barock im Spiegel der Gärten kennen lernen, können wir es musikalisch entdecken. Die Lektüre des oben beschriebenen Bandes ist das ideale Präludium zum Internationalen Bach-Festival in Schweidnitz/Świdnica. Ähnlich wie die Gärten weckt auch die Musik Gefühle, denn „Gerüche, Farben, Geräusche antworten sich einander“ -  so denkt Jan Tomasz Adamus, der künstlerischer Leiter des Festivals, und zitiert Baudelaire.

Das diesjährige Programm wird umrahmt von zwei Kantanten-Gottesdiensten, bei denen der Pfarrer das Motiv der Bach-Kantate in der Predigt fort führt. In der Friedenskirche hören wir am 26. Juli die Kantate „Seelig ist der Mann“ BWV 57 und am 2. August – „O Jesu Christ, meins Lebens Licht“ BWV 118.  Ebenso in der Friedenskirche erklingt am 25. Juli Bachs Johannes-Passion (Kontratenor Kai Wessel) und am 1. August Händels Oper „Sosarne“ in Ausführung der Capelli Cracoviensis unter der Leitung von Jan Tomasz Adamus.

Die Friedenkirche ist der wichtigste Aufführungsort während des Festivals, das in verschiedenen Kirchen in Schweidnitz und Umgebung stattfindet. Es entstand im Jahr 2000 anlässlich des 250. Todestages von Johann Sebastian Bach  an diesem Ort, da der Kantor der Friedenskirche Christian Gottlob Wecker Schüler von Bach war. Es ist schwer, für die Werke des Meisters aus Leipzig einen besseren Platz als barocke Holzinnenräume zu finden, in denen die Musik wundervoll erklingt.

In der Friedenskirche hat sich einiges verändert. Die Restaurierungsarbeiten schreiten voran.  Der Altar und die Kanzlei erstrahlen in ihrer ursprünglichen Kolorierung und seit einigen Monaten wird die große Orgel restauriert. Am Friedensplatz wird das Pfarrhaus grundsaniert. Dort soll das Niederschlesische Evangelische Institut entstehen, wo die Sammlungen wertvoller Bibeln, Drucke und Musikalien digitalisiert werden.  Großen Eindruck macht das Orgelprospekt, denn die beschädigten musizierenden Engelchen mit ihren Instrumenten wurden bereits konserviert und neu mit Farbe und Vergoldungen versehen. Das Bach-Festival ist nur einer der Anlässe, dieses UNESCO -Denkmal, eines von drei niederschlesischen Denkmäler auf der Liste des Weltkulturerbes, zu besichtigen. Die Ausstellung „Glauben wie ein Herz aus Erz“ im Haus Friedensplatz 2 lädt zum Besuch ein.  Bisher nie vorgestellte Schätze aus dem Archiv der Kirchengemeinde: Gemälde, sakrale Geräte, Portraits, Dokumente, zum Beispiel das großartige Reise-Set des Pastors Theodonius Gottfried Fuchs – wenn er eine Reise antrat, nahm er ein Kästchen mit einer goldgestickten Tischdecke, einem kleinen Kelch, Ampullen, einer Patene, Hostienbehälter, Leuchter und Kruzifix mit.

Ausstellung „Glauben wie ein Herz aus Erz. Schätze der Friedenskirche in Schweidnitz“; Friedenskirche, Schweidnitz,  www.kosciolpokoju.pl

Programm des XVI Bach-Festivals vom 23. Juli bis 2. August 2015 in Schweidnitz,  www.bach.pl

Kulturzentrum der Stadt Kattowitz/Katowice, Foto: @ www.muzeumslaskie.pl 

Neueröffnung des Schlesischen Museum in Kattowitz/Katowice

Am 26. Juni eröffnet das Kattowitzer Museum seinen neuen Sitz. Der neue Gebäudekomplex auf dem Gelände des ehemaligen Steinkohle-Bergwerks „Katowice“ wird zu einem neuen Kulturzentrum der Stadt. Die postindustrielle Landschaft wurde an das künftige Museum angepasst, aber nicht viel geändert. Unter anderem baute man Glasboxen an, die die unterirdischen Ausstellungsräume erhellen. Der alte Aufzugsturm wurde in einen Aussichtsturm verwandelt. Im neuen Museumsgebäude gibt es, außer Ausstellungfläche, Konferenz- und Seminarräume, einen Lesesaal und ein Atelier für bildende Kunst. Das ehemalige Maschinenhaus ist in ein Cafe verwandelt.

Das Eröffnungsfestival findet vom. 26.-28. Juni statt. Nach Anmeldung ist der freie Eintritt ins Museum möglich.

 www.muzeumslaskie.pl
 www.otwarte.muzeumslaskie.pl

 

Schlesisches Museum Gast beim Deutschlandtreffen der Schlesier in Hannover

Unter dem Motto „Gemein­sam für Schle­sien“ fand im Kon­gress­zen­trum Han­no­ver das Deutsch­land­tref­fen der Schle­sier 2015 vom 19.- 21. Juni statt.

Das Schlesische Museum zu Görlitz, vertreten durch den Direktor Dr. Markus Bauer und Frau Dr. Martina Pietsch, war mit einem eigenen Stand vertreten. Das Interesse der Besucher/innen war groß, wobei leider viele das Museum aus eigener Anschauung noch nicht kannten. Das kann sich ändern!

Berichte zum Deutschlandtreffen der Schlesier:

 www.landsmannschaft-schlesien.de
 www.schlesien-bonn.de

Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung, Berlin 2015, Foto: @ www.bundespraesident.de 

Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibung

Erstmals wurde am 20. Juni 2015 in Berlin am Weltflüchtlingstag der Vereinten Nationen  mit einem bundesweiten Gedenktag den deutschen  Opfern von Flucht und Vertreibung  gedacht.  Bundespräsident Gauck hielt im Deutschen Historischen Museum eine Rede, die auf beeindruckende Weise die deutsche Erfahrung am Ende des Zweiten Weltkriegs mit den aktuellen Formen von Zwangsmigration zusammen führt.

„Die Erinnerung an Flucht und Vertreibung der Deutschen war in unserer Gesellschaft fast immer schwierig und fast immer emotional. Denn unsere Haltung zum Leid der Deutschen war und blieb verknüpft mit unserer Haltung gegenüber der Schuld der Deutschen. Es hat Jahrzehnte gedauert, bis wir – wieder – an das Leid der Deutschen erinnern konnten, weil wir die Schuld der Deutschen nicht länger ausblendeten.

Der Weg dahin war lang und keineswegs geradlinig.“

Wir empfehlen zum Nachlesen den Wortlaut der Ansprache:
 www.bundespraesident.de

 

Allensbach-Studie: Flucht und Vertreibung bewegen die Menschen noch immer

Aus Anlass des Gedenktages für die Opfer von Flucht und Vertreibung am 20. Juni 2015, der auf Beschluss der Bundesregierung erstmals und zukünftig jährlich begangen wird, hat die Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung eine repräsentative Studie zu Flucht, Vertreibung und Versöhnung beim Institut für Demoskopie Allensbach (IfD Allensbach) in Auftrag gegeben, die in Deutschland, Polen und Tschechien durchgeführt wurde.

Ziel der Studie ist es zum einen, 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges die aktuelle Bedeutung des Themenspektrums Flucht und Vertreibung zu ermitteln. Zum anderen geht es darum, gesicherte Daten für das geplante Informations- und Dokumentationszentrum der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung zu erhalten. Die Studie baut daher auf früheren Untersuchungen im Auftrag der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland auf, die 2005 als Vorbereitung der dortigen Ausstellung »Flucht, Vertreibung und Integration« dienten.

Die Studie kommt zu folgenden wesentlichen Ergebnissen:

▪ Das Thema Flucht und Vertreibung beschäftigt ― unter dem Eindruck des aktuellen Fluchtgeschehens weltweit ― die deutsche Bevölkerung heute mehr als noch vor zehn Jahren.
▪ Gut jeder vierte Deutsche sieht einen persönlichen oder familiären Bezug zu den Flüchtlingen und Vertriebenen. Vor allem für die persönlich von der Vertreibung betroffenen Menschen spielt das Thema nach wie vor eine wichtige Rolle.
▪ Die Mehrheit der deutschen Bevölkerung begrüßt die Einführung eines Gedenktages für die Opfer von Flucht und Vertreibung (53 Prozent).
▪ Die polnischen Befragten räumen Flucht und Vertreibung der Deutschen einen ähnlich großen Stellenwert wie die deutschen ein; in Tschechien liegt dieser Wert niedriger.
▪ Die überwiegende Mehrheit der Befragten in allen drei Ländern bewertet die jeweiligen bilateralen Beziehungen als gut oder sehr gut.
▪ Die Einrichtung eines Informations- und Dokumentationszentrums zu Flucht und Vertreibung wird von der deutschen Bevölkerung mehrheitlich begrüßt.

Weitere Informationen:  www.sfvv.de

 

Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung zu Gast im Schlesischen Museum

Am Dienstag, den 23. Juni 2015 waren zwei Kuratorinnen der geplanten Dauerausstellung der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung zu Gast im Schlesischen Museum zu  Görlitz. Andrea Moll und Andrea Kamp stellten ein Sammlungsgeschenk vor, um exemplarisch zu zeigen, wie ein Erinnerungsstück zum Ausstellungsobjekt wird. Der Gegenstand war ein schlesisches Heimatalbum einer Bergarbeiterfamilie aus Hermsdorf/Sobiecin, einem Stadtteil von Waldenburg/Walbrzych. Die Familie durfte zunächst nicht ausreisen, da der Vater und Großvater als Facharbeiter im Bergbau zurückgehalten wurde. Zwischen 1951 – 1957 warteten sie auf die Ausreisebewilligung in die Bundesrepublik. Die nicht erzählte Geschichte vom Dableiben und Weggehen aus Waldenburg war Thema des Vortrags, der bei vielen Besucher/innen eigene Familienerinnerungen hervorrief und zu einer angeregten Diskussion führte.

Die Veranstaltung fand im Rahmen der Vorbereitungen auf eine Fachtagung statt, die vom 1.-4. Oktober 2015 von der Kulturreferentin für Schlesien gemeinsam mit Haus Schlesien (Königswinter) und der Kirchlichen Stiftung Ev. Schlesien in Görlitz sowie weiteren polnischen Partnern in Walbrzych/Waldenburg angeboten wird.  

 

Neuausschreibung des Förderprogramms „Zwangsarbeit und vergessene Opfer“

Der Stand der Aufarbeitung der NS-Zwangsarbeit ist in Europa nach wie vor sehr unterschiedlich. Es gibt zudem in Deutschland und den vom NS-Regime besetzten Ländern bzw. deren Nachfolgestaaten weitere Opfergruppen von NS-Unrecht, die noch keinen angemessenen Platz in der jeweiligen Erinnerungskultur haben. Diese werden in Deutschland häufig mit dem Begriff „vergessene“ NS-Opfer bezeichnet. Die Stiftung EVZ unterstützt mit diesem Programm Projekte, die einen multiperspektivischen Ansatz verfolgen und dadurch zur Entwicklung eines europäischen Geschichtsverständnisses beitragen.

Was wird gefördert?

- Vorrangig internationale Projekte unter Beteiligung deutscher Partner, die sich in Ausstellungen, Dokumentationen, Dokumentarfilmen sowie sonstigen Formaten mit der NS-Zwangsarbeit auseinandersetzen und dazu beitragen, das Thema dauerhaft in der europäischen Erinnerungskultur zu verankern. (Bewerbungsschluss: 15.10.2015)

- Vorrangig internationale Projekte unter Beteiligung deutscher Partner, die sich der Erinnerung an „vergessene“ NS-Opfergruppen widmen. Im Jahr 2016 werden dabei primär Projekte zur Erinnerung an die Opfer der NS-„Euthanasie“ sowie an das Schicksal der sowjetischen Kriegsgefangenen gefördert. (Bewerbungsschluss 15.10.2015)

- Internationale Konferenzen, die kontextübergreifend das Thema NS-Zwangsarbeit behandeln. (Bewerbungen: laufend möglich)

 www.stiftung-evz.de/zavo