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Fotos: SMG 

Breslau – Shanghai – München.
Ein Schrankkoffer zeugt vom Schicksal eines Breslauer Juden

Ein besonderes Objekt kam im November 2014 als Schenkung in unser Museum: ein großer, massiver Schrankkoffer. Das imposante Gepäck- und Möbelstück ist gezeichnet von langen Reisen und intensiver Benutzung. Es diente Herbert Schneidemann 1939 als Fluchtgepäck nach Shanghai.

Schneidemann, geb. 1895, stammte aus einer jüdischen Familie in Breslau. Nachdem er in der Pogromnacht 1938 festgenommen und für kurze Zeit im KZ Buchenwald inhaftiert worden war,  beschlossen er und seine nichtjüdische Frau seine Emigration nach Shanghai. Seine Frau, die Tochter und der Sohn blieben in Breslau zurück. Die Scheidung der Ehe sollte ihnen das Überleben sichern.

Shanghai war damals der einzige Fluchtort für Juden, für den kein Visum benötigt wurde. Zwischen 1938 und 1941 kamen ca. 18.000 Juden aus Deutschland und Österreich in die ferne, fremdartige Stadt, die von Japan besetzt war. Im Viertel Hongkou wurde ein Ghetto für die jüdischen Flüchtlinge eingerichtet, in dem sie unter ärmlichsten Verhältnissen leben mussten. Obwohl Deutschland von seinem Bündnispartner Japan die Ermordung der Juden forderte, blieben sie davon verschont. Auch Herbert Schneidemann überlebte. Der Schrankkoffer blieb sein einziges Möbelstück. 1947 kehrte er zu seiner Familie zurück, die nach ihrer Flucht aus Breslau schließlich in München ein neues Leben begonnen hatte – wieder mit dem Schrankkoffer als Gepäck.