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Deckengemälde in Grafenort, Fot. A. Augustyn 

Mit der September-Ausgabe des Newsletters SILESIA haben wir eine neue Zusammenarbeit mit Korrespondenten aus den verschiedenen Regionen Schlesiens begonnen.

Aneta Augustyn wird regelmäßig aus Breslau und Niederschlesien berichten bzw. auf Veranstaltungen oder Ereignisse hinweisen.

Sie ist seit über 20 Jahren als Journalistin tätig, vor allem mit der Tageszeitung „Gazeta Wyborcza“ verbunden, für die sie längere Reportagen aus und über Schlesien schreibt. Ausgezeichnet mit Medaillen der Universität Wroclaw und der Hochschule für Natur- und Umweltwissenschaften für die Popularisierung der Wissenschaft.

Im Oktober lade ich in zwei Schlösser ein: eines im Hirschberger Tal, eines im Glatzer Kessel. Im ersten von beiden wurde gerade erst die Sanierung abgeschlossen, im zweiten hat  sie erst begonnen. Ihre Besitzer haben ganz unterschiedliche Ideen für die  Nutzung der Schlösser, aber eines ist ihnen gemeinsam: die Leidenschaft, die sie in die Rettung der Denkmäler setzen und die Tatsache, dass sie beide ganz zufällig zu dieser Aufgabe gekommen sind.

Renaissance-Löwe in Schloss Fischbach, Fot. A. Franke 

Anfang Oktober, nach  vierjähriger Renovierung, öffnete das Schloss Fischbach (Karpniki), das im 19. Jahrhundert Wilhelm von Hohenzollern, dem Bruder des Königs von Preußen gehörte, erneut seine Pforten. 1822 hatte der Prinz dort für sich und seine Frau Marianne eine Sommerresidenz eingerichtet, wo der europäische Hochadel sich zu Konzerten und Theateraufführungen traf. Ein reiches Kulturleben, eine wunderbare Bibliothek, Sammlungen von Kunstwerken und Waffen führten dazu, dass Fischbach zu einem Zentrum der Kultur wurde. Eines der Schätze war die „Darmstädter Madonna“ von Hans Holbein dem Jüngeren, die der Prinz seiner Frau zu ihrem Geburtstag gekauft hatte. Im Zweiten Weltkrieg brachte Günther Grundmann, der letzte deutsche Denkmalpfleger für die Provinz  Niederschlesien, das Gemälde in den Westen und heute hängt es in Frankfurt am Main.

An die Zeit der Hohenzollern erinnern die Eichentäfelung, das Parkett, einige Leuchter und Glasfenster, die Türen, die  Bibliothek und ein prachtvolles Sofa. „Wahrscheinlich hat Zar Nikolaus I, der mit seiner Familie in Fischbach weilte, auf diesem Sofa gesessen. Sicherlich aber erholte sich darauf Henriette Sonntag, Solistin der Berliner Oper, die in der Zeit der Hohenzollern jeden Monat hier konzertierte. Auch Alexander von Humboldt, der berühmte Naturforscher und Reisende“ – sagt Jacek Misior, Privatunternehmer aus Oberschlesien, der das Gebäude vor dem Verfall bewahrt und hier ein Hotel eingerichtet hat. Für die Restaurierungsarbeiten hat er u.a. Experten der Kunsthochschule in Krakau engagiert, die das Renaissanceportal und Stuck-Elemente an der Decke in der Rezeption (2000 Spritzen mit Kunstharz wurden zur Stabilisierung gesetzt) sowie Wandmalereien bearbeitet haben. Ein Fresko wurde sogar  transferiert: ein Löwe aus der Renaissance, der bei der Arbeit in einem der Badezimmer entdeckt wurde, ist abgenommen und neu über dem  Kamin im Restaurant aufgetragen worden. 
Das neugothische Schloss liegt im Tal der Schlösser und Gärten im Hirschberger Kessel, wo sich auf einem kleinen Gebiet 30 Burgen, Schlösser und Herrenhäuser befinden, die historisch den Familien von Schaffgotsch, Hohenzollern, Habsburg, Czartoryski und Radziwiłł gehörten. Das Tal ist auf der Liste der Denkmäler der Geschichte Polens eingetragen, die höchste Form der Anerkennung für Denkmäler in Polen.

Es lohnt sich, dort den Spuren von Marianne und Wilhelm von Hohenzollern zu folgen, nicht nur auf  Schloss Fischbach, sondern auch in den benachbarten Höhen des  Landeshuter Kamms (Rudawy Janowickie). Dort ließ Wilhelm im schweizerischen Stil ein Jagdhaus bauen (aus der Schweiz stammte  seine Frau). Heute ist es eine beliebte Berghütte, genannt „Szwajcarka“ (Schweizerin) und von dort aus kann man in einer halben Stunde den Kreuzberg erreichen. Zum Geburtstag ihres Mannes ließ  Marianne ein 7m hohes Eisernes Kreuz mit der Inschrift "Des Kreuzes Segen über Wilhelm, seine Nachkommen und das ganze Thal" errichten. Es ist noch heute aus dem Fenster ihres Schlafzimmers in Schloss Fischbach zu sehen.

Mehr Informationen:  www.zamekkarpniki.pl

Schloss Grafenort, Fot. A. Augustyn 

Ende September fand im Schloss Grafenort/Gorzanow im Glatzer Kessel die erste große wissenschaftliche Konferenz statt, auf der Kunsthistoriker, Kulturwissenschaftler, Historiker, Architekten und Archivare aus Tschechien, Polen und Deutschland zum Thema der Geschichte, der Einzigartigkeit und der Restaurierung dieser bedeutenden Residenz sprachen. Das große Renaissance-Ensemble, das noch vor kurzem als Ruine verfiel, befindet sich seit 2 Jahren unter der Obhut der Stiftung „Fundacja Palac Gorzanow“.

„Als ich 2012 zum ersten Mal hierher kam, mich durch Risse im Fußboden und unter zerborstenen Holzelementen tastete, in Räumen ohne Deckenbalken, alles schien nach Hilfe zu rufen. Die Rettung eines komplett zerstörten Denkmals mit einer Fläche von 6000 qm schien mir verrückt, aber ich fühlte, das ist eine Aufgabe für uns, das hier eine ungewöhnliche Energie ist“, erzählt Alicja Siatka aus Breslau, Kunsthistorikerin und Managerin, Vorsitzende der Stiftung. Gemeinsam gehen wir durch die beeindruckenden Räume der Residenz, die 300 Jahre lang der Sitz der Familie von Herberstein war. Immer noch sieht man das Ausmaß der Zerstörungen, aber man sieht auch Bauarbeiter und Experten: in diesem Jahr wurden Restaurierungsarbeiten an den Deckengemälden und im denkmalgeschützten Park begonnen. Es ist bereits gelungen, das Dach neu zu decken, ruinierte Wände und Decken aus zu bessern. Der Turm des Schlosses wurde wieder hergestellt und genau vor einem Jahr hat zum ersten Mal seit 100 Jahren die Turmuhr wieder die Zeit angezeigt. „Wir machen, was in unserer Macht steht, um das Ensemble zu retten. Wir planen, das Hoftheater wieder zu beleben, das zu Zeiten der Herbersteins hier funktionierte, ein Museum der Grafschaft Glatz zu eröffnen, die Verbindung der Geschichte des Schlosses mit Karl von Holtei zu zeigen. Wir wünschen uns, dass Schloss und Park Grafenort wieder eine Perle des Glatzer Kessels werden und ein Ort offen für Touristen, Wissenschaftler, Teilnehmer von Kunst- und Bildungsworkshops. Indem wir das Gebäude zugunsten der Stiftung abgegeben haben, es also nicht unser privates Eigentum ist, sondern allen dienen soll“, ergänzt Alicja, eine filigrane, aber sehr konsequente Person. Dank des Engagements und der Zielstrebigkeit von ihr und ihrem Partner kehrt das Schloss langsam zu seiner alten Pracht zurück. Große Herausforderungen erwarten sie, ebenso finanzieller Art: gerettet werden muss die von endgültiger Zerstörung gefährdete Stuck-Verzierung vom Beginn des XVIII Jahrhunderts sowie wertvolle Wandgemälde. Geplant ist ebenso die Revitalisierung des Theaterflügels und des „Nympheum“, des Gartenpavillons aus dem XVII Jahrhundert. Restauriert werden müssen der wunderschöne Gartensaal, reich verziert mit barocken Stuckelementen und Portraits der Habsburger Linie.

- Diese Aufzählung lässt sich ohne Ende fort setzen. Jede Hilfe ist wertvoll. Und jeder kann dem Schloss helfen, zum Beispiel indem ein konkretes Element seiner Ausstattung gerettet wird, z.B. durch freiwillige Arbeit oder das Angebot von Baumaterialien“, sagt Alicja.
Ich habe sie im Sommer auf einem Treffen der Eigentümer denkmalgeschützter Objekte des Glatzer Landes kennen gelernt. An die historische Bezeichnung der Region anknüpfend, haben sie gemeinsam die „Stiftung zum Schutz des Kulturerbes der Grafschaft Glatz“ gegründet. Es sind Rechtsanwälte, Historiker, Architekten, Unternehmer. Sie gestehen, dass sie ihre Einnahmen aus eigener wirtschaftlicher Tätigkeit in anderen Bereichen in die Denkmäler investieren. Die Denkmäler sind ihre Leidenschaft, das Geschäft damit steht nicht im Vordergrund.

Das Schloss- und Parkensemble in Grafenort/Gorzanow kann nach vorheriger Anmeldung besichtigt werden. Die Besitzer sind zu erreichen unter Tel. +48 601 81 06 84, +48 601 81 06 47.  Informationen:  www.palacgorzanow.pl.

Aneta Augustyn

 

Verleihung an Barbara Coudenhove-Kalergi und Ray M. Douglas

Am Donnerstag, den 16. Oktober 2014 fand die feierliche Verleihung des Georg Dehio-Buchpreises des Deutschen Kulturforums östliches Europa im Atrium der Deutschen Bank in Berlin statt.

Der Hauptpreis ging in diesem Jahr an Barbara Coudenhove-Kalergi, Autorin und freie Journalistin für tschechische und österreichische Zeitungen. In der Begründung der Jury heißt es: „Ihre inspirierenden Dokumentationen, Kommentare und Fernsehfilme haben den ›Eisernen Vorhang‹ durchlässiger gemacht.“ In der Begründung wurden auch ihre 2013 unter dem Titel „Zuhause ist überall“ erschienenen Memoiren erwähnt. Den Ehrenpreis erhielt der Historiker Ray M. Douglas für sein Buch „Ordnungsgemäße Überführung. Die Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg“. In der Jurybegründung wurde hervorgehoben, dass Douglas „die Ursachen und die verschiedenen Etappen der Vertreibung schildert, einen Blick in die Welt der Internierungs- und Sammellager sowie auf die Opfer eröffnet“.

Ausführliche Informationen finden Sie unter  www.kulturforum.info.

 

Verleihung des Immanuel-Kant Forschungspreises

Das Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa (BKGE) lädt am 13. November 2014 ab 18.30 Uhr zu 25 Jahre BKGE und Verleihung des Immanuel-Kant Forschungspreises der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) ein. Die BKM vergibt den Immanuel-Kant-Forschungspreis „für herausragende Dissertationen und Habilitationsschriften, die sich mit der Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa und den Wechselbeziehungen mit den Nachbarvölkern befassen”

Mehr Informationen:  www.bkge.de

 

Forschungsstipendien von dem Deutschen Polen-Institut

Das Deutsche Polen-Institut schreibt für 2015 wieder vier Forschungsstipendien aus: Sie ermöglichen es, vier bis sechs Wochen lang die einzigartige Forschungsbibliothek und die Archive des Darmstädter Instituts zu benutzen. Das Stipendium ist mit 1.500 Euro dotiert (für besonders qualifizierte Studierende 1.100 Euro).Bewerbungsschluss ist der 31.12.2014.

Detaillierte Informationen:  www.deutsches-polen-institut.de

Das Ballestrem-Schloss in Plawniowitz/Pławniowice, Fot. Lestat 

Wir alle sind Schlesier - Verabredung mit Graf Nikolaus von Ballestrem

Am 20. und 23. September war Graf Nikolaus von Ballestrem, ein Nachkomme der oberschlesischen Magnaten und Oberhaupt der Familie von Ballestrem, Gast einer neuen Reihe unter dem Titel „Wszyscy jesteśmy Ślązakami – Wir alle sind Schlesier”. Die vom Haus der deutsch-polnischen Zusammenarbeit und dem Museum in Gleiwitz/Gliwice veranstaltete Verabredung fand in Gleiwitz/Gliwice und in Naklo/Nakło Śląskie statt. Das Projekt zielt darauf ab, Persönlichkeiten zu präsentieren, die mit Schlesien verbunden sind. Graf Nikolaus von Ballestrem kommt seit vielen Jahren nach Oberschlesien und besucht die Herkunftsregion seiner Familie, da ihm, wie er mehrmals betonte, die schlesischen Familienwurzeln besonders wichtig sind. Das Treffen moderierte Dr. Arkadiusz Kuzio-Podrucki, Historiker, Journalist und Forscher zum schlesischen Adel.

Mehr Informationen:  www.haus.pl/de/

Wieder entdeckte Urkunden des Familienarchivs derer von Schoenaich-Carolath, zu sehen in der Ausstellung "Beharren im Wandel" im Kaisertrutz, Fot. SMG 

Verabredung mit Eleonore von Schoenaich -Carolath

Fast jedes Mädchen träumt in seiner Kindheit, eine Prinzessin zu werden, von einem edlen Kleid, Bällen und einem Märchenprinz. Die Mehrheit von uns, wenn wir uns eine Prinzessin vorstellen, sieht ein Mädchen in einem Ballkleid und mit einem Diadem auf dem Kopf. Was hat unsere Vorstellung mit der Realität zu tun? Wie sieht das Leben des Adels im XXI Jahrhundert aus? Womit beschäftigen sich alltags Prinzessinnen? Auf diese und andere Fragen antwortete am Sonntag, 13. Oktober 2014, Eleonore Prinzessin von Schoenaich-Carolath, die Gast der Veranstaltung „Verabredung mit dem Adel“ war.

In Rahmen der Sonderausstellung „Beharren im Wandel“ organisieren das Schlesische Museum und das Kulturhistorische Museum zu Görlitz Sonntags, jeweils bis zum 2.11.2014 um 14 Uhr Verabredungen mit Mitgliedern adliger Familien, die selbst Leihgeber für die Sonderausstellung im Kaisertrutz sind und deren Familiengeschichte mit Schlesien und der Oberlausitz verbunden ist.

Am vergangenen Sonntag ergänzte Eleonore Prinzessin von Schoenaich-Carolath mit ihren Äußerungen die von Annemarie Franke geleitete Führung. Sie erzählte, wie ihre Familie die Tradition behandelt, was die Worte „Adel verpflichtet“ heutzutage bedeuten, welche Bräuche sie bis heute pflegen, und welche in Vergessenheit geraten sind. Die Verabredung mit Eleonore von Schoenaich-Carolath hat alle Stereotype über Vertreter des Adels gebrochen. Für sie selbst ist „Prinzessin“ nicht der Titel, sondern nur ein Bestandteil des Namens, der in München, wo sie aufwuchs, keine Bedeutung hatte. Von Beruf ist sie Diplom-Restauratorin. Sie engagiert sich für die Denkmalpflege. Sie ist eine der Initiatoren des Projekts „Mein? Dein? Unser! Kulturerbe, das verbindet“ von Dobro Kultury – Stiftung zum Schutz des Europäischen Kulturerbes – und dem Lehrstuhl für Denkmalkunde der Europa-Universität Viadrina, Frankfurt (Oder). (Das Projekt wurde durch die Kulturreferentin für Schlesien und die Stiftung für Deutsch-Polnische Zusammenarbeit gefördert). Das Ziel des Projekts ist die deutsch-polnische Zusammenarbeit von Kindern und Jugendlichen und die Förderung des Bewusstseins zum Thema Kulturerbe in der Grenzregion. Obwohl Eleonore von Schoenaich-Carolath fern von hier aufgewachsen ist, fühlt sie sich mit dem Region verbunden. Sie pflegt das Erbe ihrer Vorfahren.

Bei der Führung erzählte Eleonore von Schoenaich-Carolath von Zeugnissen, die ihre Familie für die Ausstellung geliehen hat, zum Beispiel erläuterte sie die Geschichte des Portraits von Hans Carl Fürst zu Carolath-Beuthen, der 1740 als Protestant in den Dienst des preußischen Königs wechselte und erster Oberamtspräsident in Breslau wurde.

Nach der öffentlichen Führung nahmen BesucherInnen an dem von Annemarie Franke moderierten Gespräch mit Eleonore von Schoenaich-Carolath über das Projekt „Mein? Dein? Unser!“ teil.

Jede „Verabredung“ hat einen anderen Charakter, bei jeder Führung werden andere Exponate/Objekte beschrieben, und jeder Gast hat eine andere Meinung zum Thema Adel. Deshalb lohnt es sich, an den noch verbleibenden drei Veranstaltungen teil zu nehmen.

Weitere Informationen: www.schlesisches-mueseum.de

K. Żaboklicka