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Freiwilliges Jahr im Schlesischen Museum

Alles ist möglich. So fand ich zufällig das Angebot des deutsch-polnischen Freiwilligendienstes, aber als  ich las, dass ich im Schlesischen Museum arbeiten könnte, dachte ich mir, dass es kein Zufall war. Ich heiße Karolina Żaboklicka und ich bin seit 8. September die Freiwillige im Schlesischen Museum zu Görlitz.

Mein Abenteuer mit Schlesien begann, als ich vor drei Jahren nach Breslau kam, um Germanistik an der Universität Breslau zu studieren. Dort begeisterte ich mich für die komplizierte Geschichte Schlesiens und seine vielfältige Kultur. In meinen Interessen liegt auch, die Identität der Schlesier aufzudecken. In vielen Berichten spricht man von dem Geheimnis Schlesiens. Ich hoffe, dass die Arbeit im Museum mir helfen kann, dieses Geheimnis zu enthüllen.

Ich freue mich auf dieses Jahr, die Zusammenarbeit mit der Kulturreferentin für Schlesien und mit anderen Mitarbeiter/innen des Museums. Ich hoffe, dass der Freiwilligendienst sich für alle erfolgreich zeigen wird.

Karolina Żaboklicka

 

Mit der September-Ausgabe des Newsletters SILESIA beginnen wir eine neue Zusammenarbeit mit Korrespondenten aus den verschiedenen Regionen Schlesiens.

Aneta Augustyn wird regelmäßig aus Breslau und Niederschlesien berichten bzw. auf Veranstaltungen oder Ereignisse hinweisen.

Sie ist seit über 20 Jahren als Journalistin tätig, vor allem mit der Tageszeitung „Gazeta Wyborcza“ verbunden, für die sie längere Reportagen aus und über Schlesien schreibt. Ausgezeichnet mit Medaillen der Universität Wroclaw und der Hochschule für Natur- und Umweltwissenschaften für die Popularisierung der Wissenschaft.

 

Meine hier vorgestellten zwei Empfehlungen aus dem kulturellen Angebot in Schlesien betreffen zwei unterschiedliche Formate und Epochen. Ein Theaterstück, verortet im 20. Jahrhundert, und eine Ausstellung, die das 19. Jahrhundert hervor ruft. Was beide verbindet – eine unwiederbringlich verlorene Welt.

 

Das Theaterstück „Mein Bosnien“ hatte seine Premiere Mitte September im Theater „Teatr Stary” in Bunzlau/Boleslawiec und behandelt ein wenig bekanntes Phänomen, genannt „kleines Jugoslawien“ in Schlesien. Ende des 19. Jahrhunderts wanderten mehrere Tausend Polen aus Galizien nach Bosnien aus, beides Länder der K.u.K.-Monarchie Österreich-Ungarn. Den ärmlichen Kleinbauern aus Galizien wurde die Ausreise in dünn besiedelte Gebiete des Reiches mit dem Versprechen auf eigenen Landbesitz angepriesen. Gelockt von der Vorstellung eines besseren Lebens wanderten sie über Tausend Kilometer, zu Fuß, mit Wagen und in Zügen. Jede polnische Familie erhielt 10 h Wald in den Bergen, die sie selbst rodeten.  Auf diese Weise entstanden in Mittel-Bosnien mehrere polnische Siedlungen von Grund auf, u.a. Orte wie Dziewięcina, Nożyczko, Grabaśnica, Kunowa, Bakińce, Rakowiec, Gumjera. „Es gab zwei Kirchen, einen Friedhof, eine Mühle, ein Sägewerk, eine Schmiede, Läden, Bort wurde im gemeinsamen Ofen gebacken, der im Freien stand“, erzählte mir vor einem Jahr Józefa Końska. Sie ist in Nowy Martyniec aufgewachsen, das ihre Großeltern gegründet hatten. In der vierklassigen Grundschule, die von kroatischen Ordensschwestern geführt wurde, sprach sie serbokroatisch, zu Hause polnisch. Während des 2. Weltkrieges kämpften Polen bei den kommunistischen Partisanen unter Tito (Jozip Broz), nach dem Krieg ermöglichten die jugoslawischen Behörden den Polen die Rückkehr in ihre Heimat. Sie kehrten nicht nach Galizien zurück, sondern in die Westgebiete Polens, in die Umgebung von Bunzlau/ Bolesławiec. Wiederum machten sich ganze Familien auf den Weg, sie fuhren über mehrere Tage in Viehwaggons, durch halb Europa, um ein neues Kapitel ihrer Geschichte auf zuschlagen. Dieses Mal in den Häusern der Deutschen. In der Küche der Remigranten haben sich Speisen wie  pitapljeskavica und rakija erhalten, in der Sprache viele Wörter aus dem Serbokroatischen, auf den Festen wird „glamočko-Kreis“ getanzt. „Auf dem Balkan haben wir polnische Kirchenlieder gesungen und jetzt in Polen summen wir serbische Lieder über Liebe und Krieg“,  erzählen sie mir. Jemand hat erzählt, sie seien Menschen mit einer schwierigen Identität – überall sind sie zu Hause und doch nicht zu Hause. Auf dem Balkan sehnten sie sich nach Polen, hier – nach Bosnien. Nach den Häusern, von denen kein Stein mehr steht. Über diese Erinnerungen erzählt das Theaterstück von Katarzyna Knychalska in der Regie von Jacek Glomb. Ein vielschichtiges Stück:  die polnische Wirklichkeit mischt sich mit der des Balkans, die Ereignisse vor vielen Jahrzehnten mit der Tragödie Sarajewos in den 90er Jahren, dramatisches mit humorvollem. Alles ist kunstvoll in der Konvention einer folkloristischen Ballade fest gehalten.

Aufführungen von „Mein Bosnien“ in Bunzlau/Boleslawiec am 12., 14. Oktober und am 7., 8. November 2014.

 

Die Ausstellung „Friederike und Friedrich Wilhelm von Reden – Mutter des Hirschberger Tals und Vater der oberschlesischen Industrie” in Buchwald erinnert an ein ungewöhnliches Ehepaar, das immer noch zu wenig bekannt ist, obwohl sich beide so nachhaltig um Schlesien verdient gemacht haben. Die Geschichte ihrer Ehe könnte als Vorbild für eine ideale Beziehung dienen. Als sie sich das erste Mal trafen, war er 24 Jahre alt, sie gerade mal 2 Jahre jung. Die nächste Begegnung auf einem Ball in Berlin, nach vielen Jahren, führte zur engeren Bekanntschaft und wenig später zur Hochzeit im Jahr 1802. Friederike –  die gut ausgebildete Tochter eines Generals aus hessischem Adelsgeschlecht und Friedrich – preußischer Bergbauminister und Direktor der Preußischen Porzellanmanufaktur in Berlin, trennten sich seitdem nur noch äußerst selten. Sie begleitete ihn auf seine Dienstreisen durch Oberschlesien, das von Reden seine intensive Entwicklung verdankt: er brachte aus England die erste Dampfmaschine in die Bergwerke, begründete die Eisengießerei in Gleiwitz/Gliwice, die „Köngliche Hütte“ in Chorzow/Königshütte, die Silbermine in Tarnowskie Gory/Tarnowitz, investierte in geologische Forschungen, baute Brücken und moderne Hochöfen, als erster führte er den Brennstoff Koks ein.

Die von Redens teilten ihre Zeit zwischen Oberschlesien, Berlin und Buchwald im Hirschberger Tal, wo sie sich schließlich niederließen.  „Mein Platz auf der Erde”, so sprach die Gräfin über Buchwald, wo ihr mehrere Hundert Hektar großer Landbesitz sich entwickelte. Sie entwarfen ihren Park nach dem Vorbild der damals modischen englischen „ornamented farm“ – einer Zierfarm: die Wirtschaftsgebäude fügten sich in die natürliche Landschaft des Vorgebirges ein. Buchwald war der erste Landschaftspark im Hirschberger Tal, der zum Vorbild für weitere adlige Landsitze wurde. Der Graf gestaltete mit viel Liebe die Flächen des Parks, in dem sich entsprechend dem Zeitgeschmack künstliche Ruinen, ein Druidenkreis, ein Gärtnerhaus und andere Attraktionen verteilten.

Nach dem Tod ihres Mannes war Friederike fast 40 Jahre lang Witwe, sehr engagiert: nicht nur verwaltete sie den sich entwickelnden Besitz gut, sie half den Armen durch Speisungen, und kümmerte sich um 400 Tiroler – Protestanten aus dem Zillertal in den Alpen, die ihre Heimat aufgrund von religiöser Verfolgung verließen und sich im Hirschberger Kessel ansiedelten. Ebenso verdanken wir Friederike die norwegische Kirche Wang aus dem 12. Jahrhundert in Brückenberg/Karpacz. Die Gräfin überzeugte Friedrich Wilhelm IV, dass hier der beste Ort für den Wiederaufbau der Kirche sei. An diesem Ort errichtete der König der Gräfin ein Denkmal, hingegen bekam der Graf ein eigenes Denkmal in Oberschlesien, in Chorzow/Königshütte. 

Ich bin häufig in Buchwald, ich mag es, auf den Spuren der von Redens zu wandern. Ich denke an sie, während ich auf dem Hügel mit dem berauschenden Blick auf das Riesengebirge sitze, im Teehaus, der Form nach ein griechischer Tempel, den der Graf seiner Frau zum zweiten Hochzeitstag schenkte. Hier aßen sie ihr letztes gemeinsames Frühstück am 21. Juni 1815.  

Es lohnt sich, am nächsten Wochenende 27.-28. September bei den von Redens in Buchwald vorbei zu schauen. Eine Gelegenheit, den Park zu erleben und von einem Führer zu erfahren, was sich in den letzten Jahren entwickelt hat. Außerdem eine Gelegenheit, um Erzählungen von zwei Liebesgeschichten zu hören: Die erfüllte Liebe der von Redens und die tragische Liebe zwischen dem preußischen Prinzen Wilhelm und Eliza Radziwill aus dem benachbarten Ruhberg/Ciszyca. Davon erzählt Dagmar von Gersdorff, die Autorin des Buches „Auf der ganzen Welt nur sie. Die verbotene Liebe zwischen Prinzessin Elisa Radziwill und Wilhelm von Preußen.“ („Na całym świecie tylko ona. Zakazana miłość księżniczki Elizy Radziwiłł i Wilhelma Pruskiego”). Vor dem Autorengespräch wird der Spielfilm von 1938 „Eine preußische Liebesgeschichte” gezeigt.

Weitere Informationen:
 http://www.schlesisches-museum.de/

Aneta Augustyn
 

 

Eröffnung der Literaturtage an der Neiße 2014

Sprache und Grenzen trennen, doch Literatur kann verbinden. Deshalb lautete das Motto der Literaturtage an der Neiße 2014 Geschichte und Geschichten. Kleine Geschichten, die große Geschichte bilden. Geschichten, die in Büchern erzählt werden.

Die feierliche Eröffnung der Literaturtage  fand am 11.09.2014 im Gerhart Hauptmann-Theater in Görlitz statt. Die Veranstaltung begann mit Grußworten der Schirmherren: in Vertretung für den Oberbürgermeister Siegfried Deinege von Herrn Michael Wieler – Kulturbürgermeister der Stadt Görlitz – und von Rafał Gronicz – Bürgermeister der Stadt Zgorzelec. Außerdem sprach Winfried Smaczny, der in Schlesien geborene Vorstandsvorsitzende des Deutschen Kulturforums Östliches Europa, Co-Veranstalter der ersten Literaturtage an der Neiße.

Ob Literatur wirklich verbindet, darüber sprachen Olga Tokarczuk und Christoph Hein – Gäste der Eröffnung der Literaturtage am Donnerstag. Beide Autoren stammen aus Schlesien, auch wenn die eine Polin und der andere Deutsche ist. Sie und er beschäftigen sich mit der Thematik der Vertreibung nach dem 2. Weltkrieg, die sie persönlich berührt: Christoph Hein verließ Schlesien als Kind, die Familie von Olga Tokarczuk kam aus Ostpolen nach Schlesien. Die Lesung unter dem Titel Doppelte Landnahme wurde von Dr. Andreas Kossert – wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung – moderiert.

Die zweisprachige Lesung war eine gute Idee für den Auftakt der Literaturtage. Interessiertes Publikum von beiden Seiten der Europa-Stadt Görlitz/Zgorzelec konnte an der Veranstaltung teilnehmen. Das Gespräch wurde simultan übersetzt, jeder sprach in seiner Muttersprache. Die Texte der Schriftsteller wurden auch in zwei Sprachen gelesen. Hein las Tokarczuk auf Deutsch, Tokarczuk las Hein auf Polnisch.

Christoph Hein stellte seinen Roman Landnahme vor. Er handelt von einem Jungen, der nach dem Zweiten Weltkrieg mit seiner Familie seine Heimat verlassen musste. Allein, ohne Freunde, ohne eigene Wohnung wird  er von den neuen Schulkameraden verspottet; ein Deutscher aus Schlesien, „Polacke” in einem fremden Land. Ein Junge, der aus Wrocław kommt, obwohl er in Breslau geboren wurde. Christoph Hein beschreibt das Schicksal der Vertriebenen ohne Pathos, sondern als eine Geschichte eines durchschnittlichen Menschen.

Olga Tokarczuk erzählt in ihrem Essay Das Schneewittchen-syndrom und andere niederschlesische Träume über ihre „kleine Heimat“, die Schlesien ist. In ihrem Werk beschäftigt sie sich mit der Frage der Identität. Sie versucht ihre Heimat als das Einzugsgebiet der Oder zu definieren. Sie berührt die Thematik der Vertreibung, aber aus einer anderen Perspektive als Christoph Hein. Sie beschreibt die Geschichte eines Mädchens, das in ein fremdes Land umgesiedelt wurde und sich mit der neuen Wirklichkeit konfrontieren musste.

Die Teilnehmer der Diskussion versuchten mit Distanz die Geschichte zu beschreiben und darüber zu sprechen. Man sollte sich mehr damit beschäftigen, was uns verbindet, und weniger damit, was uns trennt. Die Lesung mit Olga Tokarczuk und Christoph Hein war ein gelungener Auftakt der Literaturtage.

K. Żaboklicka

 http://www.literaturtage.eu/

 

Preisverleihung Kulturpreis Schlesien 2014

Am 13. September 2014 wurde der 38. Kulturpreis Schlesien des Landes Niedersachsen in der Universität Breslau verliehen. Die Auszeichnung erhielten in diesem Jahr Beata Maciejewska,  Journalistin der Tageszeitung Gazeta Wyborcza und Autorin von Artikeln und Büchern über Niederschlesien, und Prof. Dr. Norbert Heisig, Präsident der Deutsch-Polnischen Gesellschaft der Universität Bresalu, der sich seit 13 Jahren für die Unterstützung der Universität engagiert. Ein Sonderpreis ging an die Erika-Simon-Stiftung in Rinteln, die deutsche Kunst und Kultur in Schlesien sichert. Der Kulturpreis wurde vom niedersächsischen Minister für Inneres und Sport, Boris Pistorius, und vom niederschlesischen Vizemarschall, Radosław Mołoń verliehen. Der Kulturpreis ist ein Sinnbild der deutsch-polnischen Versöhnung und Integration, als auch eine Auszeichnung für Verdienste um Förderung und Entwicklung des Kulturgutes Schlesiens.

 

 

Kinostart: "Wolfskinder"

Am 28. August kam ein historisches Epos deutschlandweit in die Kinos: WOLFSKINDER erzählt die Geschichte von Kindern in Ostpreußen, die durch den Krieg Eltern und Heimat verloren haben. Mit eindrücklichen Panoramabildern begleitet Regisseur Rick Ostermann das Schicksal dieser Kinder, die nach 1945 zu tausenden in den Wäldern des benachbarten Litauens ums Überleben kämpften. Was die Kinder dabei erlebten, ist bewegend von den jungen Darstellern gespielt und erinnert gleichzeitig an Millionen von Kindern, die heute unschuldig Opfer von Kriegen und Vertreibungen sind.

Der Film feierte seine Weltpremiere auf dem jüngsten Filmfestival in Venedig, wurde im Juli mit dem Friedenspreis des Deutschen Films ausgezeichnet und ist in der Auswahl für den deutschen Beitrag zur nächsten OSCAR-Verleihung 2015.

 

 

 

Ausschreibung Georg Dehio-Kulturpreis

Der Georg Dehio-Kulturpreis wird im Herbst 2015 zum siebenten Mal vergeben. Mit dieser Auszeichnung würdigt das Deutsche Kulturforum östliches Europa besondere Leistungen in der Erforschung, Bewahrung und Präsentation von Zeugnissen des gemeinsamen kulturellen Erbes in Regionen des östlichen Europa, in denen Deutsche gelebt haben oder heute noch leben, sowie herausragendes Engagement für gegenseitiges Verständnis und interkulturellen Dialog. Der Preis, der von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien dotiert wird, erinnert an den bedeutenden, aus Reval gebürtigen Kunsthistoriker Georg Dehio (1850–1932). Deutsches Kulturforum östliches Europa e. V. lädt herzlich ein, für den Georg Dehio-Kulturpreis 2015 Vorschläge einzureichen. Kandidatenvorschläge können noch bis zum 31. Oktober 2014 eingereicht werden


Mehr Informationen:
 http://www.kulturforum.info/