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herausgegeben vom Förderverein Schlesisches Museum zu Görlitz – Landesmuseum Schlesien e.V.

 

Schlesisches Museum zu Görlitz ehrt Norbert Conrads

Der Vorstand der Stiftung Schlesisches Museum zu Görlitz, der seit 2008 Persönlichkeiten ehrt, die sich um das Museum verdient gemacht haben, wollte in diesem Jahr die Aufmerksamkeit auf die wichtige Arbeit des wissenschaftlichen Beirats, nicht zuletzt in der Zeit vor der Eröffnung des Museums lenken. So fiel die Entscheidung, in diesem Jahr den Vorsitzenden des Beirats in jener Aufbauphase, Professor Norbert Conrads, zu ehren. Die Ehrung erfolgt immer im Rahmen der Mitgliederversammlung des Vereins der Freunde und Förderer des Schlesischen Museums, sozusagen als letzter Punkt der Tagesordnung, der inzwischen ein von allen Teilnehmern geschätzter Höhepunkt der Mitgliederversammlung geworden ist. Mitglieder, die zum Teil von weither angereist waren, wie auch Professor Conrads, aber natürlich auch Görlitzer Mitglieder hatten sich am Tag vor der Mitgliederversammlung zum vereinbarten geselligen Beisammensein im Görlitzer Restaurant „Filetto“ eingefunden. Gesprächsthema war u.a. die zuvor besuchte Sonderausstellung „Art déco in Schlesien – Porzellan und Glas“, durch die deren Kurator Dr. Martin Kügler fachkundig geführt und viele interessante Informationen zur Entwicklung dieser Designerrichtung in der schlesischen Glas- und Porzellanindustrie nach dem Ersten Weltkrieg mitgeteilt hatte. Man hatte Gelegenheit, sich mit dem Ehepaar Schmidt-Stein zu unterhalten, die aus ihrer Porzellansammlung viele Leihgaben für die Ausstellung zur Verfügung gestellt hatten. Neben Dr. Bauer war vom Schlesischen Museum auch Frau Annemarie Franke, die neue Kulturreferentin, zum geselligen Beisammensein gekommen.

In der Mitgliedersammlung am 12. Oktober 2013 konnte der Vorsitzende des Vereins, Dr. Klaus Schneider den Empfänger der diesjährigen Ehrengabe, Professor Conrads, zugleich ganz erfreulicher Weise auch als neues Mitglied des Vereins begrüßen. Nach den Pflicht-Tages-ordnungspunkten einer ordentlichen Mitgliederversammlung berichtete Dr. Bauer über die Geschehnisse und Planungen im Schlesischen Museum (s. Bericht des Museumsdirektors). Hauptthema ist derzeit die Vorbereitung der Ausstellung „Adel in Schlesien“, die am 23. Mai 2014 eröffnet werden soll. Auch die neue Kulturreferentin am Schlesischen Museum, Frau Annemarie Franke, hatte sich an dem Samstagvormittag die Zeit genommen, um den anwesenden Vereinsmitgliedern sich und ihre geplanten Arbeitsschwerpunkte vorzustellen.

Die Laudatio auf Norbert Conrads hielt Dr. Bauer. Conrads hatte seit 1981 an der Universität Stuttgart einen Lehrstuhl für Geschichte der Frühen Neuzeit inne und im Jahre 1985 einen Projektbereich „Schlesische Geschichte“ als Bestandteil seines Lehrstuhls begründet, wodurch dieser Lehrstuhl zum Zentrum der Schlesienforschung in Deutschland wurde. Im Jahre 1999 unternahm Dr. Bauer eine Reise nach Stuttgart zu seinem Wunschkandidaten für den Vorsitz des zu berufenden wissenschaftlichen Beirats. Norbert Conrads, sagte Dr. Bauer, verkörperte „in den 1990er Jahren ein damals noch neues Verständnis der schlesischen Geschichte: ein Abrücken von der dogmatisch verengten preußisch-deutschen Perspektive, gerechte Beurteilung für die lange geschmähte Kultur und den Geist des alten, des habsburgischen Schlesien, Anerkennung auch der slawischen Anteile an der Landesgeschichte, Offenheit gegenüber den heutigen polnischen Bewohnern Schlesiens und Sympathie für ihre Bemühungen, sich der Traditionen des Landes zu versichern.“
Die Jahre bis zur Eröffnung des Museums 2006, so Dr. Bauer, seien die entscheidenden Jahre gewesen, „entscheidend für die Ausarbeitung der Museumskonzeption wie für die praktische Umsetzung des Konzepts. In diesen Jahren haben die Mitglieder des Beirats unter Norbert Conrads Leitung in ungewöhnlich intensiver Weise am Aufbau des Museums mitgewirkt, nicht nur als Ratgeber, sondern auch als Gesprächspartner und Kritiker, Korrektoren und Co-Autoren. Das war nicht immer harmonisch – manchmal haben wir miteinander gerungen, gerungen aber stets um die beste Lösung und im Sinne der gemeinsamen Aufgabe.“

Norbert Conrads hat schon viele Ehrungen erhalten, den Georg-Dehio-Preises und den Kulturpreis Schlesien des Landes Niedersachsen, er ist Ehrendoktor der Universität Breslau und hat die Goldene Medaille dieser Universität erhalten. „Die Ehrung, die wir ihm zuteil lassen können“, sagte Dr. Bauer, „nimmt sich dagegen beschei-den aus, aber sie kommt umso mehr von Herzen“ Er überreichte anschließend die Graphik „Dominsel zu Breslau“, eine Werk der Breslauer Künstlerin Grete Schmedes. Wie Professor Conrads in seinen Dankesworten sagte, hatte er diese Graphik  deswegen aus dem vorhandenen Fundus von Graphiken ausgewählt, die als Ehrengaben zur Verfügung stehen, weil er (1938) auf der Dominsel in Breslau geboren wurde. Die Familie Conrads war auf der Dominsel zu Hause, sein Großvater betrieb dort eine Bäckerei. Seinen Dankesworten war anzumerken, dass er die, wie Dr. Bauer sich ausgedrückt hatte, „bescheidene“ Ehrung durchaus schätzt. In Museum und Verein freut man sich darüber, dass Professor Conrads durch seinen Beitritt zum Verein seiner Verbundenheit mit dem Schlesischen Museum besonderen Ausdruck verliehen hat.

Klaus Schneider