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herausgegeben vom Förderverein Schlesisches Museum zu Görlitz – Landesmuseum Schlesien e.V.

 

Sonderausstellung Bunzlauer Keramik
Anfänge + Moderne

Über drei Jahre lang haben das Muzeum Ceramiki w Bolesławcu (Keramik-Museum in Bunzlau) und das Schlesische Museum zu Görlitz an zwei Ausstellungen über Bunzlauer Keramik gearbeitet, die ab 13. Juli gleichzeitig in Görlitz zu sehen sind. Beide Ausstellungen sind in ihrer Thematik, in ihrem Umfang und hinsichtlich der Qualität der gezeigten Keramiken einzigartig und nach ihrer Präsentation in Bunzlau (Bolesławiec) nur in Görlitz zu sehen.
Die Ausstellung „Von den Anfängen der Bunzlauer Keramik“ zeigt erstmals archäologische Funde, die in der niederschlesischen Töpferstadt bei Ausgrabungen entdeckt wurden. Die Scherben der Gefäße stammen überwiegend aus der Anfangszeit der künstlerischen Keramikproduktion in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts. Damit kann nicht nur eine der frühesten Bunzlauer Töpfereien lokalisiert und in ihrem Sortiment erfasst werden. Die mit Auflagen verzierten und zum Teil kobaltblau glasierten Gefäße beweisen auch, dass Bunzlau schon viel früher als bisher angenommen zu den bedeutendsten Herstellungsorten für Steinzeug im deutschsprachigen Raum gehörte. Durch die Forschungsergebnisse und die Ausstellung wird die Bunzlauer Keramik der Frühen Neuzeit ebenso wie Steinzeug aus dem Rheinland oder aus Sachsen der Fachwelt endlich als ein wichtiges Kultur- und Handelsgut von europäischem Rang bewusst. Zum Vergleich mit den Scherben und zahlreichen restaurierten Gefäßen wurden von mehr als 30 Leihgebern in Deutschland und Polen andere Bunzlauer Gefäße aus der Zeit um 1600 entliehen. So entsteht in der Ausstellung ein bisher noch nie dagewesener, einzigartiger Überblick über den hohen handwerklichen und künstlerischen Stand der Bunzlauer Töpferei und ihre erste große Blütezeit. Als Projektpartner sind das Sächsische Landesamt für Archäologie Dresden und das Kunstgewerbemuseum Schloss Pillnitz beteiligt. Die Ehrenpatenschaft übernahm der Minister für Kultur und Nationales Kulturerbe der Republik Polen, Herr Bogdan Zdrojewski.

Zu den historischen Keramiken bewusst in Kontrast gesetzt sind die Zeugnisse der Bunzlauer Keramikbetriebe aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in der zweiten Ausstellung „Die Bunzlauer Keramik auf dem Weg zur Moderne“. Ausgangspunkt ist die Gründung der Keramischen Fachschule Bunzlau 1897. Sie zeigte sich offen für die aktuellen Strömungen der Kunst wie den gerade beginnenden Jugendstil und versuchte, diese neuen Ideen den Töpfern in Bunzlau nahezubringen. Blieben kleinere Betriebe meist konservativ und beharrten auf dem althergebrachten braunen Gebrauchsgeschirr oder auf der geschwämmelten Ware, so griffen Firmen wie Hugo Reinhold oder Julius Paul und Sohn die künstlerischen Impulse der Keramischen Fachschule gerne auf. Mit großem internationalem Erfolg erweiterten sie ihr Sortiment und profitierten auch von den technischen Verbesserungen und Innovationen, die von der Keramischen Fachschule ausgingen.
Über 700 Exponate, darunter Keramiken von Robert Burdack, Karl Werner, Alfred Seiffert oder Kurt Randahn belegen in einer beeindruckenden Fülle und Vielfalt das künstlerische Schaffen, das in einem solchen Umfang und einer solchen Zusammenstellung noch nie in einer Ausstellung zu sehen war. Auch für den Kenner ist es sehr überraschend, welchen Formen- und Dekorreichtum die äußerst fruchtbare Zusammenarbeit der Bunzlauer Keramiker mit der Keramischen Fachschule hervorgebracht hat. Hervorzuheben sind aber auch die Keramiken, die an der Fachschule selbst entstanden sind und die vielfach erst im Rahmen der Recherchen entdeckt wurden. Der deutsche Generalkonsul in Breslau, der Marschall der Wojwodschaft Niederschlesien und der Präsident der Stadt Bunzlau übernahmen die Schirmherrschaft über diese Ausstellung.

Möglich wurden die beiden Ausstellungen durch das binationale wissenschaftlich-museumspädagogische Projekt „Das moderne Museum“, das vom „Europäischen Fonds für regionale Entwicklung im Rahmen des Operationellen Programms der grenzübergreifenden Zusammenarbeit Sachsen – Polen 2007-2013“ finanziert wird. Dieses Projekt wird seit Sommer 2010 vom Muzeum Ceramiki w Bolesławcu und dem Schlesischen Museum zu Görlitz durchgeführt. Im Rahmen des Projekts erfolgten die wissenschaftliche Aufarbeitung der beiden Ausstellungsthemen, die Realisierung der Ausstellungen, die Herausgabe zweier umfangreicher Kataloge, die Erarbeitung um-fangreicher museumspädagogischer Programme und die Sanierung der beiden Gebäude des Muzeum Ceramiki w Bolesławcu.

„Von den Anfängen der Bunzlauer Keramik“ und „Bunzlauer Keramik auf dem Weg zur Moderne“, im Schlesischen Museum zu Görlitz, 13.7.-31.10.2013, Di.-So. 10-19 Uhr. Die Kataloge sind im Museum erhältlich.

Martin Kügler