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herausgegeben vom Förderverein Schlesisches Museum zu Görlitz – Landesmuseum Schlesien e.V.

 

Neuerwerbung:  Ansicht von Fischbach. Klein, aber fein

Die bekannte und weltweit geschätzte Bunzlauer Keramik hat eine jahrhundertelange Tradition, doch ist über die Frühzeit der Produktion im 16./17. Jahrhundert bisher nur wenig bekannt. Durch archäologische Untersuchungen, die im Jahr 2007 von den Mitarbeitern des Muzeum Ceramiki Bolesławiec/Keramik-Museum Bunz-au an der ul. Piaskowa (ehemalige  Sandmühlstraße) durchgeführt wurden, konnten Überreste einer der bisher ältesten Töpfereien der Stadt entdeckt werden. Sie stellte um 1600 auch die für Bunzlau typischen Steinzeug-Gefäße her. Dabei ist das Spektrum an Formen und Dekoren viel breiter, als bisher bekannt war. Diese Entdeckung gab den Anlass für ein binationales wissenschaftlich-museumspädagogisches Projekt.

Dieses Projekt über „Die Anfänge der künstlerischen Bunzlauer Keramik in der schlesisch-lausitzer Grenzregion (1500–1650)“ startete 2010 und wird vom Muzeum Ceramiki in Bunzlau in Zusammenarbeit mit dem Schlesischen Museum zu Görlitz durchgeführt. Als weitere Projektpartner sind das Sächsische Landesamt für Archäologie Dresden und das Kunstgewerbemuseum Schloss Pillnitz beteiligt. Die Ehrenpatenschaft übernahm der Minister für Kultur und Nationales Kulturerbe der Republik Polen, Bogdan Zdrojewski. Finanziert wird das Projekt vom „Europäischen Fonds für regionale Entwicklung im Rahmen des Operationellen Programms der grenzübergreifenden Zusammenarbeit Sachsen – Polen 2007-2013“.

Im Rahmen des Projekts erfolgten die wissen-schaftliche Aufarbeitung des archäologischen Materials und umfangreiche Recherchen nach erhaltenen Bunzlauer Gefäßen aus der Zeit um 1600 in über 400 Museen und Sammlungen in fast ganz Europa. Aus diesem enormen Material entsteht nun eine Ausstellung, die im Muzeum Ceramiki in Bunzlau vom 15. Dezember 2012 bis 10. März 2013 und im Schlesischen Museum zu Görlitz vom 13. Juli bis 31. Oktober 2013 zu sehen sein wird. 

Im Mittelpunkt steht eine Auswahl aus den über 20.000 Bodenfunden aus der Töpferei an der Piaskowa-Straße in Bunzlau. Das Spektrum reicht von aufwändigem Gebrauchsgeschirr der Spätrenaissance über prächtige Ofenkacheln bis hin zu Brennhilfen der ehemaligen Töpferei. Zu sehen sind aber auch Bunzlauer Gefäße aus dem 17. Jahrhundert, die aus rund 40 polnischen und deutschen Sammlungen zusammengetragen wurden und in einer bisher wohl nie erreichten Vielfalt gezeigt werden. Zum Vergleich sind Erzeugnisse aus den namhaftesten europäischen Zentren der Steinzeugproduktion zu sehen, so dass ein einzigartiger Überblick über die mitteleuropäische Keramik um 1600 entsteht.

Martin Kügler