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herausgegeben vom Förderverein Schlesisches Museum zu Görlitz – Landesmuseum Schlesien e.V.

 

Bericht des Museumsdirektors

Liebe Freunde des Schlesischen Museums,

die beiden Ausstellungen des Jahres 2012 beleuchten zwei Pole der Arbeit des Schlesischen Museums. Die Auseinandersetzung mit der Vertreibung und deren Auswirkungen auf die Nachkriegsgeschichte Deutschlands und Polens mündete ein in eine Beschäftigung mit der Nachkriegsgeschichte des polnischen Schlesien („Schlesien nach 1945“). In der Ausstellung „Poetische Orte“ wiederum ging es um eine zentrale Gestalt der deutschen Geschichte Schlesiens, Gerhart Hauptmann, zu der diesmal ein kunstgeschichtlicher Zugang eröffnet wurde. Im Vorfeld der Ausstellung gelangen wertvolle Erwerbungen. Zu den Schenkungen von Arbeiten Ivo Hauptmanns durch dessen Enkelin Harriet kam kurz vor Eröffnung der Ausstellung ein Jugendporträt Ivo Hauptmanns, ein Frühwerk des mit der Hauptmann-Familie verwandten Otto Mueller. Diese bedeutsame Erwerbung gelang mit Hilfe der Siemens Kunststiftung.

Die ständige Ausstellung wird zum Ende des Jahres einige Umbauten, Erneuerungen und Ergänzungen erfahren. Dazu werden auch die Präsentation des Filmes „Lebenswege ins Ungewisse“ im Veranstaltungsraum und die über Monitore bereit gestellten Texte und Bilder der Ausstellung „Schlesien nach 1945“ gehören, als zeitgeschichtliche Ergänzungen zum Ausstellungsrundgang. Bereits verfügbar ist eine musikalisch-literarische Führung durch die ständige Ausstellung. Besucher können – ergänzend zur bereits seit längerem bestehenden Audioführung -  über Kopfhörer Gedichte, kurze Prosatexte und Musikstücke abrufen. Auf diese Weise kommen Themen der bislang im Museum ein wenig vernachlässigten Literaturgeschichte und Musik Schlesiens besser zur Geltung.

Im Mittelpunkt der Museumsarbeit des Jahres 2012 standen Vorhaben, deren Ergebnisse erst 2013 und 2014 zu sehen sein werden. Das große Ausstellungsprojekt „Adel in Schlesien“, an dem sich außer dem Schlesischen Museum auch das Kupfermuseum in Liegnitz, das Universitätsmuseum in Breslau, das Schlesische Landesmuseum in Troppau und das Kulturhistorische Museum der Stadt Görlitz beteiligen, hat jetzt Fahrt aufgenommen. Eine bislang noch nicht gekannte Intensität der Zusammenarbeit wurde mit dem Museum in Bunzlau erreicht. Mit der Eröffnung der ersten von zwei Ausstellungen zunächst in Bunzlau und der Vorstellung der dazu gehörenden Publikation über die Anfänge der Bunzlauer Keramik um 1600 werden noch in diesem Jahr erste Ergebnisse des mehrjährigen, EU-geförderten Projektes zu sehen sein. Die Zusammenarbeit mit dem Stadtmuseum in Breslau kam schon der Ausstellung „Schlesien nach 1945“ sehr zugute. Ein wichtiges gemeinsames Projekt, eine Ausstellung über jüdische Künstler in Breslau im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts, ist für das Jahr 2016 geplant. Auch die Kooperation mit dem Museum in Kattowitz hat sich in diesem Jahr weiter entwickelt: das dortige Museum zeigte sehr erfolgreich die in Görlitz konzipierte Ausstellung über die Künstlerinnen in Schlesien. Die gemeinsam erarbeitete Konzeption für eine Ausstellung über die deutschen und polnischen Erinnerungsorte in Schlesien konnte auf einer wissenschaftlichen Tagung im Frühjahr erstmals zur Diskussion gestellt werden.

Ihr Markus Bauer