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herausgegeben vom Förderverein Schlesisches Museum zu Görlitz – Landesmuseum Schlesien e.V.

 

Aus der Arbeit des Kulturreferenten. Studienreise nach Oberschlesien

Eine besondere Studienreise auf den Spuren der Architekturmoderne der Zwischenkriegszeit führte 20 junge Leute - Studierende der Architektur, Geschichte, Kunstgeschichte und Kul-turwissenschaften aus Deutschland und Polen - vom 10. bis 13. Mai 2012 nach Oberschlesien. Der nach dem Ersten Weltkrieg geschlossene Vertrag von Versailles rückte das Industriegebiet um Kattowitz, Hindenburg/O.S. und Beuthen/O.S. ins Licht der Weltöffentlichkeit, denn der Streit um dessen nationale Zugehörigkeit wurde von beiden Seiten mit aller Härte geführt. Der Völkerbund entschied nach einem Plebiszit, Oberschlesien zwischen Deutschland und Polen aufzuteilen. Mitten durch eine eng verflochtene Industrieregion verlief ab 1922 die neue deutsch-polnische Staatsgrenze.

Sowohl in der preußischen Provinz Oberschle-sien auf deutscher als auch in der Woiwodschaft Schlesien auf polnischer Seite entfaltete sich in den zwanziger und dreißiger Jahren eine gesteigerte Bautätigkeit: Administrations- und Wohngebäude entstanden, die nicht allein den alltäglichen Bedürfnissen einer Region entsprachen, die sich nach ihrer Teilung neu organisieren musste. Der Bauboom sollte auch politische Signale aussenden. Das polnische Katowice und die deutsche Dreistadt Gleiwitz-Hindenburg-Beuthen/O.S. verwandelten sich damals in ein Experimentierfeld der Architekturmoderne. Die Ergebnisse dieses Experimentes prägen die Stadtbilder bis heute.

Die Studierenden erkundeten Kattowitz/Katowice, das Zentrum der neuen Woiwodschaft Schlesien in der 2. Polnischen Republik, das Architekturhistoriker als "geheime Hauptstadt der Ostmoderne" bezeichnet haben. Die Stadt erfindet sich als postindustrielle Kulturmetropole neu und rühmt sich noch heute, in der Zwischenkriegszeit den ersten Wolkenkratzer Polens errichtet zu haben. Der andere Schwerpunkt der Reise war das 1922 deutsch gebliebene Hindenburg (seit 1945 wieder Zabrze). Hier wurden zwischen den Kriegen groß angelegte Stadtentwicklungsmodelle erdacht, die der Siedlung durch ein neu gebautes Zentrum einen urbanen Charakter verleihen sollten.

Ziel der Reise ist es, eine interaktive Karte des architektonischen Erbes der Zwischenkriegszeit in Kattowitz und Zabrze für den Internetge-brauch zu erstellen. Die Referate der Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden als Grundlage für die Erstellung der Inhalte der Karte genutzt. Die Reise wurde vorbereitet und begleitet von Juliane Tomann (Institut für angewandte Geschichte, Frankfurt/Oder), Ariane Afsari (Deutsches Kulturforum östliches Europa, Potsdam) und Dr. Maximilian Eiden (Kulturreferent für Schlesien, Görlitz).                  

Maximilian Eiden