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herausgegeben vom Förderverein Schlesisches Museum zu Görlitz – Landesmuseum Schlesien e.V.

 

Kunst trifft Dichtung. Sonderausstellung „Poetische Orte“ mit herausragenden Exponaten

Der künstlerische Dialog von Vater und Sohn an „poetischen Orten“ wurde am 11. Mai im Schlesischen Museum eröffnet und stieß beim Publikum und bei der Presse auf großes Interesse. Die zahlreichen Theateraufführungen zum Hauptmann-Jahr während des 7. Sächsischen Theatertreffens hatten die Görlitzer Besucher bereits auf die Ausstellung eingestimmt. Passend dazu begrüßte sie eine metergroße Holzskulptur zu Hauptmanns Komödie „Schluck und Jau“ im Foyer des Schlesischen Museums. Geschaffen wurde dieser lebensecht nachempfundene Volkstyp von Ernst Rülke, dem letzten Direktor der Bad Warmbrunner Holzschnitzschule, der 1946 Hauptmanns Totenmaske abnahm und Abgüsse seiner Hände anfertigte.  

Viel beachteter Gast der Vernissage war Harriet Hauptmann, die Urenkelin des schlesischen Dichters. Ihrem Engagement ist die Schau in erster Linie zu verdanken. Über ein Jahrzehnt hinweg überließ sie dem Museum großzügig Schenkungen aus dem Nachlass Ivo Haupt-manns und ermöglichte nun durch weitere Leihgaben, dass sich der Zauber der „poetischen Orte“ im reizvollen Dialog von Wort und Bild erneut entfalten kann. Nach der Begrüßung durch Dr. Markus Bauer und einem Grußwort von Dr. Jens Baumann (Sächsisches Staatsministerium des Innern) referierte sie anschaulich über ihren Großvater Ivo Hauptmann, Hauptmanns ältesten Sohn aus erster Ehe. Dabei umriss sie seinen künstlerischen Werdegang von anregenden Kindertagen in Schreiberhau über die Stationen Paris, Berlin und Weimar bis zu seiner Karriere in Hamburg – immer begleitet vom großen Interesse des Vaters, der seinen Sohn vielfach zu fördern versuchte. Sie zitierte dabei aus dem erst kürzlich bearbeiteten Briefwechsel zwischen Vater und Sohn, der in diesem Jahr erscheinen soll. Noch einmal wurde die enge Verbundenheit Gerhart Hauptmanns zur bildenden Kunst deutlich, die trotz seines aufgegebenen Jugendtraums von einem Leben als Bildhauer zeitlebens anhielt und zur Freundschaft mit zahlreichen Künstlergrößen führte.

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht das wild-romantische Riesengebirge, das laut Harriet Hauptmann für beide Künstler zentrale Bedeutung hatte. Eine interessante Entdeckung dürfte das noch weitgehend unbekannte Filmmaterial von Alfred Jäschke (Görlitz) sein, das Gerhart Hauptmann im Park des „Wiesenstein“ zeigt. Die Ausstellung weitet jedoch auch den Blick auf das gemeinsame Erlebnis anderer Landschaften. Man begegnet dem Zauber des Frühlings an der italienischen Riviera, rauen Meereswellen und heiterem Strandleben an der Nord- und Ostseeküste sowie herb-schönen Impressionen von einer gemeinsamen Reise nach Griechenland 1907.

Harriet Hauptmanns Vermittlung ist ebenfalls zu verdanken, dass sich unter den sehenswerten Exponaten ein seltenes Jugendwerk des Expressionisten Otto Mueller befindet: ein Porträt des 14-jährigen Ivo Hauptmann. Gerhart Hauptmann setzte sich früh für seinen zwar schwierigen, aber begabten Neffen Otto Mueller ein und versuchte sein künstlerisches Talent zu fördern. Die Bewunderung des jungen Ivo für Muellers charismatische Persönlichkeit förderte sehr wahrscheinlich seine eigene Hinwendung zur bildenden Kunst. Das Porträt ist ebenfalls im Katalog zur Ausstellung zu finden. Der Band enthält neben einem Beitrag des ausgewiesenen Hauptmann-Kenners Prof. Dr. Peter Sprengel, FU Berlin, zahlreiche Fotoaufnahmen und Bilder Ivo Hauptmanns sowie Texte Gerhart Hauptmanns. Die Ausstellung wird bis zum 17. Februar 2013 gezeigt.                                          

Johanna Brade