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herausgegeben vom Förderverein Schlesisches Museum zu Görlitz – Landesmuseum Schlesien e.V.

Aus der Arbeit des Kulturreferenten

Das Thema der Sächsischen Landesausstellung wurde vom Kulturreferenten flankiert durch die Mitgestaltung des Begleitprogramms des Schlesischen Museums – auch einen eigenen Vortrag zu Krakau als Stadt an der via regia – und vor allem durch vier anspruchsvolle Tagesexkursionen zu schlesischen Orten an dieser historischen Route. Zweimal führte der Weg nach Haynau/Chojnów und zur Gröditz-burg/Grodziec, einmal nach Kanth/Kąty Wrocławskie und Neumarkt/Środa Śląska. Diese drei Fahrten fanden in bewährter Zusammenarbeit mit der Stiftung Evangelisches Schlesien statt. Im August wurde eigenständig eine Fahrt nach Liegnitz/Legnica angeboten. Bestandteile sind insbesondere der vorbereitete und gedolmetschte Kontakt der Reisegruppe mit Experten – Denkmalpflegern, Museumsleuten, Ehrenamtlichen, Geistlichen usw. – vor Ort. Ende September konnte der Kulturreferent die Rolle der via regia auf einer wissenschaftlichen Tagung über die Kontakte zwischen Schlesien und dem deutschen Südwesten in Pforzheim vertreten.

Viele Angebote des Kulturreferenten bezogen sich gleichermaßen auf das Thema der Landes-ausstellung und der „Lebenswege“-Ausstellung. Konkrete, auf Gruppen zugeschnittene Angebote konnte der Kulturreferent mit folgenden Partnern entwickeln: Sächsische Lan-deszentrale für politische Bildung, deutsch-polnische Gesellschaft Sachsen, Pädagogische Hochschule Heidelberg, Bildungs- und Begeg-nungsstätte Schloss Trebnitz in Brandenburg, Deutschland- und Europapolitisches Bildungswerk Nordrhein-Westfalen.

Weitere Angebote flankierten speziell die Ausstellung „Lebenswege ins Ungewisse“ und die Ausstellung „Im Neuland unter Fremden“ („Na nowym wśród obcych“) des Muzeum Łużyckie, Zgorzelec. Ein Vortrag von Dr. Elżbieta Opiłowska (Willy Brandt Zentrum, Breslau) deutete die mehrfach überlagerte Identität von Görlitz und Zgorzelec aus ihrer Migrations- und Teilungsgeschichte. Auf dem Kirchentag der Gemeinschaft evangelischer Schlesier erläuterte der Kulturreferent die Konzeption der Ausstellung und die Forschungen von Markus Lammert zu Görlitz als Stadt der Vertriebenen in der Nachkriegszeit.

Im Rahmen einer hochkarätigen Tagung des Bundesinstituts für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa (BKGE) und des Schlesischen Museums (12.-14.10.2011), welche die „Lebenswege“-Ausstellung als Anlass nahm, um über die Rolle von Zeitzeugen in Museen überhaupt zu diskutieren, las der Schriftsteller Theodor Buhl aus seinem eindrucksvollen und erschütternden Roman „Winnetou August“. Er schildert darin (eigene Erfahrungen in meisterhafter literarischer Form darbietend) Kriegsende, Flucht und Vertreibung aus Sicht eines achtjährigen Kindes. Eine Besonderheit war, dass dieses Buch in einer zweisprachigen Veranstaltung auch in der Niederschlesischen Woiwodschaftsbibliothek am Breslauer Ring vorgestellt und mit dem Autor diskutiert werden konnte. Dies zeigt erneut, wie weit die deutsch-polnische Annäherung auf diesem Gebiet bereits gediehen ist. Ein weiterer Beweis dafür waren die vielfältigen positiven Reaktionen einer Gruppe von 84 Lehrern und Schulleitern aus Niederschlesien, denen gemeinsam mit der Sächsischen Bildungsagentur der zur „Lebenswege“-Ausstellung erarbeitete museale und didaktische Zugang zur Zeitgeschichte in der Grenzregion vermittelt werden konnte. Diese Veranstaltung am 10. Oktober dürfte eine lang anhaltende Wirkung auf die Bildungsarbeit von Kulturreferent und Museum im polnischen Niederschlesien haben.

Maximilian Eiden