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herausgegeben vom Förderverein Schlesisches Museum zu Görlitz – Landesmuseum Schlesien e.V.

Hochschnittpokal von Friedrich Winter. Herm-sdorf/Schlesien um 1690 Foto: Pech  

Pokal „Ehrenpreis Oder Meisterschaftsschwimmen Breslau 1909 [gestiftet] von einem Freunde des Schwimmsports“. Hersteller (oder nur Vertrieb) Fa. Sommé Nachf., Breslau. 

Bericht des Museumsdirektors

Liebe Freunde des Schlesischen Museums,

das Jahr ist noch jung, aber das Schlesische Museum kann doch schon mit einer ansehnlichen Erfolgsbilanz aufwarten. Zwei Ausstellungen wurden eröffnet, drei Publikationen herausgebracht und die Sammlung hat einen großartigen Zuwachs zu vermelden.
Um mit dem letzteren zu beginnen: der Erwerb von 35 wertvollen Gläsern überwiegend aus der barocken Blütezeit des schlesischen Glases, hat der Sammlung des Schlesischen Museums ein neues Glanzlicht aufgesetzt. Der Name des Sammlers und Verkäufers, Dietmar Zoedler, des Verfassers des Standardwerks zum Thema (Schlesisches Glas, schlesische Gläser, 1996) ist allein schon Ausweis für die Qualität der Gläser.
Bei der Präsentation der Gläser am 25. Februar erzählte er von seiner ersten Begegnung mit schlesischem Glas, als er, der Sohn eines Breslauer Arztes, in den 30er Jahren zusammen mit seinem Vater die Josephinenhütte in Schreiberhau besuchte. Die Rauchschwaden, der Lärm und die brodelnde Glasmasse erweckten bei dem Kind den Eindruck, am Eingang zur Hölle zu stehen. Die Faszination für Glas hat ihn ein Leben lang nicht verlassen. Wir sind froh darüber und stolz darauf, dass das Schlesische Museum den Kernbereich seiner großen Sammlung, nämlich die schlesischen Gläser des 18. und 19. Jahrhunderts, übernehmen und auf diese Weise den Ertrag eines reichen Sammlerlebens zusammenhalten und sichern konnte.
Wer derzeit das Schlesische Museum besucht, kann zwei sehr unterschiedliche Ausstellungen besichtigen, die eigentlich nur eines verbindet: sie wurden von Martin Kügler konzipiert und kuratiert. Die Ausstellung über „Silber aus Schlesien“ wirkt sehr vornehm. Auch sie ist aus der Kooperation mit einem erfahrenen Sammler hervorgegangen: mit Rainer Lemor, dem Sohn des letzten Eigentümers der berühmten Silberfabrik Julius Lemor in Breslau. Sie berichtet vom Auslaufen alter schlesischer Goldschmiedetraditionen in der wilhelminischen Epoche und in der Zeit der Weimarer Republik und lässt mit ihren teils klassisch-schlicht geformten, teils üppig verzierten Kannen und Schalen, mit Tafelaufsätzen und gewaltigen Bestecksätzen eine Welt der gehobenen Lebensart und des gediegenen Luxus wieder erstehen. Dagegen erwartet den Besucher der Ausstellung „Reiseziel: Schlesien“ ein bunter Bilderbogen, eine verspielte Vielfalt von Bildern und Modellen, Souvenirs aller Art, Reiseutensilien und Sportgeräten und jede Menge Rätselspiele und Überraschungen für Kinder.
Zur Silber-Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der erstmals einen Überblick über das Thema bietet (Rainer Lemor, Martin Kügler: Silber aus Schlesien 1871-1945), einschließlich der bislang bekannten Marken schlesischer Hersteller aus der behandelten Epoche. Fast gleichzeitig erschienen zwei weitere Publikationen: Martina Pietsch hat unter dem Titel „Heimat und Fremde. Migration und Bevölkerungswandel in Görlitz und Zgorzelec seit 1933“ die Beiträge einer im vergangenen am Schlesischen Museum abgehaltenen Tagung herausgebracht. Maximilian Eiden stellt in dem Sammelband „Von Schlesien nach Israel. Juden aus einer deutschen Provinz zwischen Verfolgung und Neuanfang“ Vorträge zusammen, die 2008 und 2009 am Museum gehalten wurden.

Zusammengefasst: Der Überblick über ein wichtiges Sammelgebiet des schlesischen Kunsthandwerks, Einblicke in die Kulturgeschichte des Reisens, Auseinandersetzung mit Flucht und Vertreibung als zentralen Themen der schlesischen Geschichte der 1930er und 1940er Jahre – die Ausstellungen und Publikationen im Frühjahr 2010 geben einen guten Eindruck von den weit gespannten Aufgaben des Schlesischen Museums.

Markus Bauer