Seiten in anderer Sprache:

Druckansicht aufrufen:

Suchbegriff eingeben:

Hauptnavigation:

Unternavigation:

herausgegeben vom Förderverein Schlesisches Museum zu Görlitz – Landesmuseum Schlesien e.V.

Katalog zur Ausstellung 

Sonderausstellung Rollenwechsel
Künstlerinnen … und kein Ende

Verführerische Angebote unter dem Motto „Was Frauen (wirklich?) wollen“ lockten in der diesjährigen Museumsnacht über 1000 Besucher ins Schlesische Museum. Wie immer orientierte sich das Programm an der aktuellen Sonderausstellung, die dieses Jahr ganz im Zeichen der Frauen steht. Unter dem Titel „Rollenwechsel. Künstlerinnen in Schlesien um 1880 bis 1945“ informiert die neue Schau mit zahlreichen Archivalien, Fotografien und über 100 Originalwerken von 38 Künstlerinnen über den Beitrag der Frauen zum künstlerischen Leben Schlesiens.

Eine Präsentation zu diesem Thema war schon längst überfällig, denn die Künstlerinnen Schlesiens stehen den weitaus bekannteren Frauen anderer Regionen in nichts nach – auch wenn die einschlägige Schlesien-Literatur und die allgemeinen Kunstgeschichtsforschung diesem Thema bisher kaum Beachtung schenkte. Allein das Werk von Gertrud Staats (1859-1938), das anlässlich ihres 150. Geburtstages Dank umfangreicher Leihgaben aus Privatbesitz besonders gewürdigt wird, überzeugt durch sein hohes künstlerisches Niveau. Aber auch andere Frauen gilt es wieder zu entdecken: Malerinnen wie Else Bartsch oder Grete Waldau beispielsweise, Bildhauerinnen wie Dorothea von Philipsborn und Marg Moll oder exzentrische Persönlichkeiten wie Charlotte E. Pauly, die durch umfangreiche Leihgaben als vielseitige Künstlerin erlebbar wird. Faszinierend ist ebenfalls die Stickerei- und Webkunst aus dem Kreis der Breslauer Akademie sowie die malerische Fotografie von Elfriede Reichelt, die in ihrem Atelier die Prominenten Breslaus empfing.

Diese Frauen, so verschieden sie auch sein mögen, verbindet eines: ein Lebensweg, der in irgendeiner Weise vom Zwiespalt zwischen der traditionellen weiblichen Rolle als Hausfrau und Mutter und der neuen Rolle der berufstätigen Frau geprägt war. Man kann sich heute nur schwer vorstellen, wie viele Begabungen am Widerstand der Familien scheiterten, an fehlenden Ausbildungsmöglichkeiten oder an frauenfeindlicher Kritik. Vieles ging außerdem in der leidvollen Zeit des Zweiten Weltkrieges und der Vertreibung unter.

Schon lange bemüht sich das Museumsteam, Künstlerinnen gleichberechtigt zu würdigen. Viele Werke kamen bereits im Vorfeld der Ausstellung durch Ankäufe, aber auch durch Geschenke und Dauerleihgaben ins Haus. Außerdem meldeten sich junge Kunsthistorikerinnen, Angehörige von Künstlerinnen, Kunstsammler und Galerien (sogar aus Paris), um Näheres über Lebensdaten und den Verbleib von Kunstwerken zu erfahren. Nun haben wir Dank der grundlegenden Forschungsarbeit der polnischen Kunsthistorikerin Ksenia Stanicka-Brzezicka (Breslau), die nach Kräften von Seiten des Museums unterstützt wurde, ein Katalogbuch zur Ausstellung mit annähernd 600 Namen, zu denen Auskunft gegeben werden kann. Dieses Buch wird noch lange Zeit das Standardwerk zum Thema sein.

Johanna Brade