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Reichstagspräsident Paul Löbe (1921) 

Reichstagsabgeordneter Carl Ulitzka (1919), Fotos: © Archiv für Christlich-Demokratische Politik 

Parlamentarier in Demokratie und Diktatur: Paul Löbe und Carl Ulitzka

Ausstellung vom 9. Mai - 9. August 2009
Vernissage am 8. Mai, 19 Uhr

Weimar 1919: Die Monarchie hatte abgedankt. Deutschland war zum ersten Mal eine parlamentarische Demokratie. Aus allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlen ging die Nationalversammlung hervor.

Unter den 421 Abgeordneten, die sich in Weimar versammelten, waren Paul Löbe (1875-1967) und Carl Ulitzka (1873-1953), beide aus Schlesien, beide in ihrer Heimat beliebt und einflussreich. Sie engagierten sich in den Parteien, die wesentliche Stützen der Weimarer Demokratie waren: in der SPD und in der katholischen Zentrumspartei. Löbe und Ulitzka waren nicht immer derselben Meinung, aber sie standen gemeinsam ein für die Sache der Demokratie.

Regierungen und Koalitionen wechselten dauernd, doch Paul Löbe bekleidete als Reichstagspräsident elf Jahre lang das zweithöchste Amt im Staat. Carl Ulitzka wirkte als Pfarrer in Ratibor und trat als leidenschaftlicher Anwalt Oberschlesiens auf – vor Ort wie auch bei den Reichstagsdebatten in Berlin.

Als Demokraten und Abgeordnete des letzten freien Reichstags wurden sie in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt. Nach dem Zweiten Weltkrieg verloren sie endgültig ihre Heimat. Paul Löbe konnte in der Bundesrepublik sein politisches Wirken fortsetzen. Er eröffnete als Alterspräsident die erste Sitzung des Deutschen Bundestages 1949. Carl Ulitzka dagegen lebte als Seelsorger im Ostteil von Berlin und trat politisch nicht mehr in Erscheinung.

Die Lebensläufe dieser beiden Parlamentarier sind eng verbunden mit der schwierigen Geschichte der Demokratie in Deutschland, mit ihrer Selbstbehauptung und Krise, mit Diktatur und demokratischem Neubeginn. Und sie stehen für das Fortleben der freiheitlichen Traditionen Schlesiens in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Die Ausstellung veranschaulicht anhand bisher unveröffentlichter Fotos und Dokumente sowie Ton- und Filmausschnitten das politische Wirken von Paul Löbe und Carl Ulitzka. Welcher Politiker die Stimmen der heutigen Wähler gewonnen hätte, können Besucher an einem „Wahl-O-Mat“ entscheiden.

Mit finanzieller Unterstützung des Sächsischen Staatsministeriums des Innern.