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Die Gnadenkirchen

Innenansicht der Gnadenkirche „Zum Kreuz Christi“ Hirschberg

 

Beim Bau der Gnadenkirchen in Hirschberg und Landeshut nahm der Baumeister Martin Frantz die Katharinenkirche in Stockholm zum Vorbild - als Verbeugung vor dem schwedischen König, der dem Kaiser die „Gnade“ abgetrotzt hatte.

 

© SMG, Foto: Weger

Die neuen evangelischen Kirchen sollten in grenznahen, wirtschaftlich schwachen Städten entstehen. Aus Geldnot aber ließ der Wiener Hof die Konzession zum Kirchenbau ausschreiben. So kamen auch reiche Handelsstädte wie Hirschberg und Landeshut zum Zuge. Auch die Schweden ließen sich ihren Einsatz zugunsten der schlesischen Protestanten teuer erkaufen.

Den sechs ausgewählten Städten wurde das kaiserliche Privileg in einer feierlichen Zeremonie erteilt. Jede erhielt einen „Gnadenstab“ als Zeichen der Vergünstigung. In hölzernen Interimskirchen begann man sofort mit dem Gottesdienst. Erneut wurde in ganz Deutschland für Bau und Ausstattung der neuen Kirchen gesammelt. Die Hauptlast trug allerdings das örtliche Bürgertum. Die Gnadenkirchen in Sagan, Militsch und Freystadt waren in Fachwerk gebaut. In Teschen, Hirschberg und Landeshut errichtete man dagegen Steinbauten. Auch mit Schulen und Glockentürmen durften die Gnadenkirchen ausgestattet werden.

Gnadenkirche „Zur Heiligen Dreifaltigkeit“ in Sagan, Radierung von I. G. Merz (nach F. B. Werner), um 1735

 

Die Saganer Gnadenkirche entstand zunächst als Fachwerkbau. In den 1840er Jahren wurde sie ummantelt und mit einem neugotischen Turm versehen. Trotz nur geringer Kriegsschäden wurde die Kirche 1965 gesprengt.

 

© SMG, Foto: Pech

Modell des Altars der Gnadenkirche in Landeshut, Benjamin Gottlieb Marchen, nach 1723, Holz und Papier

 

Das Modell stellt einen frühen Entwurf des Bildhauers dar. Bis zur Realisierung 1738 erfolgten noch vielfältige Änderungen. Der Altar wurde nach 1945 abgebrochen.

 

SMG

links: Bekrönung des Teschener Gnadenstabes, vergoldetes Silber, Stahlspitze, Wien 1709

Die sechs Gnadenstäbe waren ein Zeichen der kaiserlichen Erlaubnis zum Bau der neuen Kirchen. Mit ihnen wurden die zukünftigen Baugrundstücke abgeschritten. Nach der Weihe erhielten die Stäbe einen besonderen Platz in den Kirchen.

Leihgabe: Parafia Ewangelicko-Augsburska w Cieszynie

rechts: Bekrönung des Gnadenstabes der Kirche „Zur Heiligen Dreifaltigkeit“ in Landeshut, 1709

Die langen Piken der Gnadenstäbe waren in den habsburgischen Farben Gelb und Schwarz geschmückt und trugen den kaiserlichen Doppeladler.

Leihgabe: Muzeum Tkactwa Dolnośląskiego w Kamiennej Górze

Nachbildung des Gnadenstabes der Gnadenkirche „Zum Heiligen Kreuz“ in Militsch, Springe bei Hannover, 1972

 

In Hannover-Mittelfeld siedelten sich nach dem Krieg viele Vertriebene an. Die 1955 entstandene Gemeinde wählte sich daher den Namen der Militscher Gnadenkirche. Seit 1977 steht diese Nachbildung des Militscher Gnadenstabes im Vorraum der Kirche in Mittelfeld.

 

Leihgabe: Gemeinde der Gnadenkirche „Zum Heiligen Kreuz“ Hannover-Mittelfeld

Kronleuchter aus der Gnadenkirche in Hirschberg, Hirschberg 1710, Messing gegossen, modern ergänzt

 

Spenden aus dem Bürgertum und dem Adel Schlesiens und ganz Deutschlands kamen für die Ausstattung der Gnadenkirchen zusammen. Anna Maria Braun aus Hirschberg stiftete 1710 den Leuchter für die dortige Gnadenkirche.

 

© SMG