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herausgegeben vom Förderverein Schlesisches Museum zu Görlitz – Landesmuseum Schlesien e.V.

 

Andere Wege nach Schlesien

Niemand interessiert sich für Schlesien! – auch aktive Mitstreiter für die schlesische Kultur sind vor solch resignativen Anwandlungen nicht gefeit.

Wir müssen aber zur Kenntnis nehmen, dass gerade abendliche Kulturveranstaltungen, die sich in Vortragsform speziellen Themen der Kultur und Geschichte Schlesiens zuwenden, von Jüngeren nicht eben stark besucht werden. Dies ist kein Grund auf solche Veranstaltungen zu verzichten, enthebt jedoch nicht von der Pflicht, auch nach anderen Veranstaltungsformen Ausschau zu halten.

In diesem Jahr konnte ich mehrere Seminare für Studenten und Lehrer durchführen, bei denen sich vor allem eines herauskristallisierte: die Begegnung mit dem historischen Ort und der heutigen Gegenwart ist ein entscheidender Faktor, um  schlesische Kultur und Geschichte gerade an Jüngere zu vermitteln. Lehrer und Studenten sowie Journalisten sollten deshalb in besonderer Art und Weise angesprochen werden.

Seminare für Studenten

Selbst für interessierte Studenten der Fächer Geschichte oder Volkskunde ist Schlesien etwas Abstraktes, dass man nur aus Büchern oder Erzählungen kennt. Natürlich sind solche Informationen wichtig. Wahrscheinlich kann ein innerer Bezug jedoch erst durch Begegnungen vor Ort entstehen.

In diesem Jahr konnte der Kulturreferent vier mehrtätige Schlesienseminare für Studenten organisieren, und zwar für Studentengruppen von den Universitäten Frankfurt/Oder, Würzburg und Bamberg. Dabei zeigte sich auch, dass das Schlesische Museum zu Görlitz als erste Informations- und Anlaufstelle gerne wahrgenommen wird.

In Schlesien finden die Studenten eine Kultur- und Naturlandschaft vor, die sie nicht erwartet haben. Sie fangen an, nachzufragen, gerade auch dann, wenn Familienmitglieder aus Schlesien stammen, sie sich von den Erzählungen der Älteren aber nicht besonders angesprochen fühlten. Die sprichwörtliche polnische Gastfreundschaft tut ein Übriges. Viele wollen wiederkommen und den unbekannten „Osten“ und die dort vorhandenen deutschen Spuren entdecken.

Lehrerweiterbildung

Vom 23. bis zum 29. Juni 2008 unternahmen Geschichtslehrer aus Nordrhein-Westfalen eine Studienreise nach Görlitz und Niederschlesien. Ein Fachleiter des Studienseminars in Jülich war auf die Bildungsangebote des Kulturreferenten im Internet aufmerksam geworden. Dabei spielte nicht nur das Interesse an der deutschen Kultur in Schlesien eine Rolle; die Lehrer wollten auch den unbekannten Nachbarn Polen kennenlernen.

Über das Schlesische Museum in Görlitz, die Stiftung Kreisau für europäische Verständigung, die Friedenskirche in Schweidnitz und die deutsch-polnische Jugendakademie führte die Fortbildungsreise nach Breslau. Dabei erhielten die Lehrer auch Anregungen, welche Aspekte der schlesischen Kultur und Geschichte in den dicht gedrängten Lehrplan eingebaut werden könnten, wie z.B. die Industrialisierung oder auch der Kreisauer Kreis. In Gesprächen mit polnischen Lehrern wurden Pläne für Schülerbegegnungen geschmiedet.

Dass das Interesse nachhaltig war, zeigt sich schon jetzt. Fachleiter des Regierungsbezirks Köln, die an Studienseminaren junge Geschichtslehrer ausbilden, wollen im nächsten Jahr wieder nach Schlesien fahren.

Journalisten im ehemaligen Österreichisch-Schlesien

Viel wäre gewonnen, wenn deutsche Zeitungen einmal über Schlesien jenseits der „Preußischen Treuhand“ berichten würden. Dazu braucht es entsprechender Angebote, denn für die meisten Journalisten stellt Schlesien noch weitgehend Neuland dar. Grund genug, um für Redakteure regionaler und überregionaler Zeitungen wie z. B, taz, Süddeutsche Zeitung, Freitag, Gießener Anzeiger oder auch der Märkischen Oderzeitung eine vom Kulturreferenten organisierte und begleitete Fortbildungsreise durchzuführen, die in das geteilte Teschen (Cieszyn/Český Těšín, Troppau/ Opava und das Altvatergebirge führte. Als Ergebnis konnten Zeitungsleser Reportagen im Reiseteil oder auf der dritten Seite finden.

Natürlich sind solche Fahrten aufwendig und müssen gut vorbereitet werden. Für diejenigen, die teilgenommen haben, ist Schlesien jedoch nicht mehr etwas weit Entferntes sondern Gegenwart. Diese Bildungsangebote sollen deshalb auch im folgenden Jahr fortgesetzt werden.

Dr. Michael Parak

Kulturreferent für Schlesien