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Sonderausstellung 5.7. – 21.9.2008

Verbotene Kunst. Bilder von Karl Schmidt-Rottluff für Helmuth James von Moltke

Eine Ausstellung des Schlesischen Museums zu Görlitz und der Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung.

Ein Maler wird auf ein Landgut in Niederschlesien eingeladen, verbringt dort einige Tage und malt Aquarelle – das klingt wie der Ausgangspunkt für eine ländliche Idylle. Aber in diesem Fall ist alles anders: es ist das Jahr 1942, es herrscht Krieg, der Maler ist ein verfemter Expressionist und das Landgut heißt Kreisau. Hier ist das geheime Zentrum einer der wichtigsten Widerstandsgruppen gegen die NS-Diktatur.

Der Maler Karl Schmidt-Rottluff ahnte wohl kaum, wohin er geraten war. Die politisch oppositionelle Haltung seines Gastgebers, Helmuth James von Moltke, war ihm zwar bekannt, von den konspirativen Treffen des „Kreisauer Kreises“ wusste er jedoch nichts. Moltke sah bereits 1941 voraus, dass Deutschland den Krieg und in der Folge seine östlichen Provinzen, darunter Schlesien, verlieren würde. Er wünschte sich daher Erinnerungsbilder von hoher künstlerischer Qualität. Dafür ging er sogar das Risiko ein, einen als „entartet“ gebrandmarkten Maler in sein heute legendäres „Berghaus“ einzuladen.

Mit Schmidt-Rottluffs Aufenthalt in Kreisau berühren sich für einen historischen Moment zwei Sphären, die sonst wenig miteinander zu tun hatten: der politische Widerstand gegen die Nationalsozialisten und die geschmähte, in den Untergrund abgedrängte Kunstmoderne. Von Rechts wegen hätte der Künstler die Einladung gar nicht annehmen dürfen, denn jede künstlerische Tätigkeit war ihm seit April 1941 verboten.

Nur sechs Blätter aus der ursprünglichen Bildserie sind heute erhalten und befinden sich in Privatbesitz. Dank der Leihgaben aus der Familie von Moltke eröffnet sich erstmals die Gelegenheit, diese näher zu studieren.

Zur Ausstellung erschien eine deutsch-polnische Publikation.

(Ausstellungstermin der Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung: 3.10.-18.11.2008)