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Größte Ausstellung über schlesisches Porzellan eröffnet

Am 26. Oktober 2007 wurde im Schlesischen Museum zu Görlitz unter großer Beteiligung der Öffentlichkeit die bisher umfangreichste Präsentation schlesischen Porzellans eröffnet. Museumsdirektor Dr. Markus Bauer konnte neben Mitgliedern des Fördervereins u.a. zahlreiche Vertreter polnischer Partnermuseen aus Kattowitz, Gleiwitz, Oppeln, Waldenburg und Kamenz sowie des schlesischen Museums in Troppau begrüßen. Die Eröffnung war zugleich ein Treffen vieler Angehöriger der früheren Fabrikbesitzer, darunter Nachkommen von Carl Tielsch, Hermann Ohme und August Rappsilber, die aus dem ganzen Bundesgebiet und sogar aus den USA angereist waren. Besonderer Dank galt den anwesenden Leihgebern und Sponsoren sowie Herrn Dr. Jens Baumann, dem Vertreter des Sächsischen Ministeriums des Innern, das die Ausstellung finanziell gefördert hat. Die fachliche Einführung übernahm Gerhard Schmidt-Stein als bester Kenner der Materie und wichtigster Leihgeber.

Die von Dr. Martin Kügler erarbeitete Ausstellung zeigt auf ca. 400 m² über 800 Porzellane – teils Spitzenprodukte der seit 1820 tätigen schlesischen Porzellanfabriken, teils auch einfaches Gebrauchsgeschirr. In einem thematisch gegliederten Rundgang werden zunächst die wichtigsten Firmen vorgestellt. Weitere Abschnitte widmen sich der Produktion von Porzellan und der Konkurrenz der schlesischen Produzenten mit Firmen in Meißen und Berlin oder dem Wettbewerb untereinander. Wie Porzellan den Menschen durch das ganze Leben begleiten kann, zeigen vielfältige Geschenkporzellane – von der Tasse mit persönlicher Widmung zum Geburtstag über Präsente zur Hochzeit, Silberhochzeit oder anderen Jubiläen bis zu Grabplatten. Zahlreiche Sonderformen – Bowlegefäße, Schreibzeuge oder Barttassen – belegen die große Vielfalt der Produktion. Besondere Anziehungspunkte sind für die Besucher die Inszenierungen: So sind der Nachbau eines Messestandes der Firma Ohme um 1922, eine Festtafel mit dem persönlichen Speiseservice des Porzellanproduzenten August Rappsilber oder auch der mit firmeneigenem Kaffeegeschirr gedeckte Küchentisch der Dienerschaft im Hause Tuppack zu bewundern.

Die beiden letzten Abschnitte der Ausstellung stellen Porzellane des 20. Jahrhunderts vor. Jugendstil und Art déco sind hier zu finden sowie Exponate aus der Zeit des Nationalsozialismus. Trotz vielfältiger Eingriffe des nationalsozialistischen Staates konnte die schlesische Porzellanindustrie bis 1945 weiter produzieren. Die Ausstellung endet mit einem Blick auf die Porzellanproduktion nach dem Zweiten Weltkrieg. An vier der alten Standorte stellten polnische Fabriken ab 1946 wieder Porzellan her – bis heute. In Westdeutschland wurde nur die Firma Krister neu gegründet.

Den Gästen der Eröffnung wurde aber noch mehr geboten. Am Tag danach fanden bei dem „Aktionstag rund um´s Porzellan“ mehrere Führungen für Erwachsene und auch speziell für Kinder statt. Zudem gab es eine Begutachtungsaktion, bei der jeder stolze Besitzer (nicht nur) schlesischen Porzellans von den Fachleuten Gerhard Schmidt-Stein und Dr. Klaus-Peter Arnold mehr über das Alter, die Herkunft und den Wert erfahren konnte.

Für Sammler stellte Hans-Ullrich Leonhardt ein großes Sortiment bester Porzellane aus Schlesien zum Erwerb bereit. Erwachsene und vor allem Kinder belagerten mit Begeisterung die Maltische, wo sie mit Spezialfarben Porzellanteller und Tassen aus heutiger schlesischer Produktion nach eigenen Ideen bemalen konnten. Und zur Erholung standen Kaffee und Kuchen bereit.

Nach dem sehr erfolgreichen Start der Ausstellung hofft das Schlesische Museum zu Görlitz auf viele Besucher dieser einmaligen Präsentation. Sie ist bis zum 17. Februar 2008 geöffnet und wird von einem sehr umfangreichen Angebot an Vorträgen und Exkursionen begleitet. Der Museumsladen bietet zur Ausstellung auch schlesisches Porzellan an. Dort (oder natürlich auch per Bestellung) ist ebenfalls der Katalog zur Ausstellung mit 180 Seiten und über 200 Abbildungen zum Preis von 15,- Euro erhältlich.

Dr. Martin Kügler

Buchhinweis:

Martin Kügler, Beste Qualität zu civilen Preisen. Schlesisches Porzellan seit 1820; Najwyża Jakość po Przystępnych Cenach. Śląska Porcelana od Roku 1820. Katalog zur Ausstellung vom 26.10.07-17.02.08, Dößel 2007, 15,00 EUR;
Gerhard Schmidt-Stein, Schlesisches Porzellan vor 1945. Ein Beitrag zur Geschichte der deutschen Porzellanindustrie und zur schlesischen Landeskunde sowie ein Handbuch für Sammler, Die aktualisierte und erweiterte Neuausgabe des Standardwerkes; Schlesisen in den Grenzen von 1937; Ost-Oberschlesien,
ISBN  978-3-87057-207-5,
Bergstadtverlag 2007, 34.90 EUR zu beziehen über: Schlesisches Museum zu Görlitz,
Museumsshop