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Zur Arbeit des Kulturreferenten für Schlesien

Liebe Freunde des Schlesischen Museums,

am Schlesischen Museum zu Görlitz wirkt im nunmehr sechsten Jahr der vom Bundesbeauftragten für Kultur und Medien  finanzierte „Kulturreferent für Schlesien“. 2005 habe ich diese interessante Aufgabe von Herrn Dr. Tobias Weger, der jetzt am Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa in Oldenburg beschäftigt ist, übernommen.
Zu den Aufgabenbereichen des Kulturreferenten gehört es, die Kultur und Geschichte Schlesiens im Bewusstsein der deutschen Bevölkerung, aber auch in Polen und in Tschechien bekannt zu machen. Sie können sich vorstellen, dass dies eine Mammutaufgabe ist, die nicht immer leicht zu erfüllen ist.
Wenn ich andernorts meine Tätigkeit beschreibe, benutze ich oft das Bild der „Ein-Mann-Volkshochschule“ oder des „Wanderpredigers“. An verschiedenen Orten – nicht nur in Görlitz, auch in der gesamten Bundesrepublik oder in Polen – halte ich Vorträge oder stehe als Ansprechpartner rund um das Thema Schlesien zur Verfügung. Auch Fördermittel für Veranstaltungen der kulturellen Breitenarbeit gemäß § 96 des Bundesvertriebenen- und Flüchtlingsgesetzes können über mich beantragt werden.
In den letzen Monaten haben sich neben den alltäglichen Geschäften erfreuliche Entwicklungen ergeben, über die ich Sie gerne in Kenntnis setzen möchte.
Ich freue mich sehr darüber, dass viele Fragen, die rund um die Integration von Flüchtlingen und Vertriebenen in der Sowjetischen Besatzungszone und in der DDR kreisen, mittlerweile auf meinem Schreibtisch landen.
Dazu hat auch eine groß angelegte Zeitzeugenbefragung beigetragen, die u. a. vom sächsischen Landesverband der Landsmannschaft Schlesien unterstützt wurde. Wir wollen das Schicksal der verharmlosend als „Umsiedler“ bezeichneten Menschen in der DDR näher beleuchten. Eine geplante Dokumentation wird die Lebenswege Betroffener beinhalten.
Glücklicherweise sprechen sich solche Tätigkeiten herum und das Schlesische Museum und der Kulturreferent für Schlesien werden mittlerweile als wichtige Anlaufstelle zu diesem Thema betrachtet, sei es für Vorträge, Schülerprojekte oder auch Dokumentationen in den Medien. Am 24.01.2007 konnte ich so am Themenabend „Der lange Weg nach Hause. Vertriebene in der DDR“ – eine Gemeinschaftsproduktion des MDR Sachsenspiegel und MDR 1 Radio Sachsen – mitwirken. Vor der Kamera zu stehen und live im Radio zu sprechen war für mich eine interessante Erfahrung.
Ich denke, dass es immer wichtiger wird, den Kontakt zu den Medien zu suchen. Denn man kann die interessantesten Veranstaltungen anbieten, wichtig ist aber doch auch, dass ein möglichst breiter Adressatenkreis erreicht wird.
Erst vor einigen Tagen bin ich von einer Fortbildungsreise für Journalisten zurückgekehrt, die ich in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Kulturforum östliches Europa in Potsdam organisiert habe. Vier Tage lang haben wir 20 Journalisten überregionaler Medien – darunter Frankfurter Allgemeine Zeitung, ZDF, MDR, Deutschlandradio, Deutschlandfunk u. a. – Geschichtsorte in Schlesien gezeigt, die für die deutsch-polnische Erinnerung von besonderer Bedeutung sind: den St. Annaberg, den Sender Gleiwitz, das Zentrale Kriegsgefangenenmuseum in Lamsdorf, die Friedenskirche in Schweidnitz und das ehemalige Konzentrationslager in Groß Rosen. In Muhrau hatten wir die Gelegenheit, mit Frau Melitta Sallai, geborene von Wietersheim-Kramsta, zu sprechen, die initiiert hat, dass in dem Schloss, in dem sie geboren wurde, heute ein karitativer Kindergarten sowie eine deutsch-polnische Jugendakademie untergebracht sind.
Und schließlich möchte ich Sie noch auf ein gelungenes Experiment hinweisen, das am 17.03.2007 fast 200 Besucher durch das verregnete Görlitz lockte. Beim Schlesischen Nach(t)lesen haben stadtbekannte Persönlichkeiten – darunter Altbischof Rudolf Müller, der Bundestagsabgeordnete Michael Kretschmer, der ehemalige Breslauer Generalkonsul Dr. Peter Ohr und viele andere mehr – Texte schlesischer Autoren an ungewöhnlichen Orten vorgetragen. So lockten u. a. eine Fleischerei, eine Straßenbahn oder ein Zigarettenladen im polnischen Zgorzelec zum literarischen Spaziergang durch die Stadt. Die Berichterstattung der Sächsischen Zeitung nahm fast die gesamte erste Seite des Lokalteils ein. Noch viel erfreulicher war aber, dass die meisten Besucher der Lesenacht den Mitarbeitern des Museums noch unbekannt waren – Zu meiner Arbeit gehört also auch, neue und manchmal noch etwas ungewöhnliche Wege zu beschreiten, um möglichst viele Personen mit der Kultur und Geschichte Schlesiens vertraut zu machen.

Ihr
Dr. Michael Parak