Seiten in anderer Sprache:

Druckansicht aufrufen:

Suchbegriff eingeben:

Hauptnavigation:

Unternavigation:

Heinrich Tischler: ohne Titel [Vorortstraße Breslau], undatiert [1920er Jahre], Öl/Leinwand Foto: Jürgen Matschie 

Neuerwerbung durch Spenden

 

Im Jahr 2006 konnte mit Spendenmitteln des Fördervereins und der Zuwendung von Hans Peter Reisse ein bedeutendes Kunstwerk für die Kunstsammlung des Schlesischen Museums erworben werden.

Es handelt sich um ein herausragendes Werk zur Sammlung „Breslauer Moderne“, gemalt vom jüdischen Künstler Heinrich Tischler (1892-1938). Mit einer düsteren Breslauer Vorortlandschaft stellt das Gemälde auf eindrucksvolle Weise das wirtschaftliche und soziale Elend nach dem Ersten Weltkrieg dar.
Durch die Inflation und die Flucht vieler Menschen aus den verlorenen ostoberschlesischen Gebieten war die Not in Breslau besonders groß. Schon während seines Studiums an der Breslauer Akademie vor dem Ersten Weltkrieg setzte sich der Künstler mit der Bedrohung der menschlichen Existenz auseinander und verwendete dafür Formen expressiver Kunst. Er selbst war bereits als Kind von seinem Geburtsort Cosel in Oberschlesien nach Breslau gekommen.
In den 1920er Jahren arbeitete er freischaffend sehr erfolgreich als Architekt, Maler und Graphiker an vielen Breslauer Projekten und war als Vertretern moderner Kunst weit über Breslau hinaus bekannt. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten endete seine Karriere jedoch frühzeitig. Er starb 1938, wenige Tage nach seiner Entlassung aus dem KZ-Buchenwald.

Seine Frau konnte nach London emigrieren und viele Werke retten, darunter auch dieses Gemälde. Dort erwarb es Hans Peter Reisse bereits 1974 mit großen Teilen des Nachlasses, verkaufte es aber anschließend weiter, so dass es erst jetzt wieder möglich wurde, seine bereits ins Museum gelangte Sammlung wieder um ein bedeutendes Werk zu komplettieren.

Tischlers menschlich sehr einfühlsames Werk gilt es heute wieder zu entdecken.

 

Dr. Johanna Brade