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Modernes Ausstellungsdesign: Die Bereiche „Reformation“ und „Gegenreformation“ Foto: Udo Meinel, Berlin 

Wandfries im Schönhof aus der Zeit 1526-1550, Foto: Die Partner, Görlitz 

Der Ausstellungssaal zum Barockzeitalter in Schlesien, Foto: Jürgen Matschie 

Rückblick auf die Museumseröffnung

Ein Wort des Museumsdirektors

Liebe Freunde des Schlesischen Museums,

das Schlesische Museum hat seine Tore geöffnet – und viele, viele kamen. Mehr als 25.000 Besucher haben seit dem 13. Mai die Gelegenheit genutzt, Kunst und Kunsthandwerk aus fünf Jahrhunderten zu bestaunen, die Wechselfälle einer bewegten Landesgeschichte zu verfolgen und die Zeichen für eine Zukunft Schlesiens in Europa zu deuten. Der Erfolg ist so groß, dass man schon wieder die Erwartungen dämpfen muss. Eine durchschnittliche monatliche Zahl von 4.000 Besuchern wird auf Dauer nicht zu halten sein. Für diese hohe Besucherzahl ist natürlich auch die Neugier auf das neue Museum verantwortlich zu machen und die starke publizistische Unterstützung, die wir anlässlich der Museumseröffnung hatten.
Aber soviel lässt sich doch wohl sagen: Es gibt ein starkes Interesse, Schlesien im Museum zu erleben, und Görlitz ist ein guter Ort dafür. Es wird nun an uns liegen, dieses Interesse in der Zukunft wach zu halten und ihm immer wieder durch neue Angebote Nahrung zu geben.
Die Reaktionen der Besucher und der Medien (Die Pressestimmen im Wortlaut sind derzeit noch unter  www.schlesisches-museum.de abzurufen) sind ganz überwiegend positiv, auch wenn kritische Äußerungen natürlich nicht völlig fehlen. Auf einhelliges Lob stößt die moderne Gestaltung der Ausstellung in den historischen Räumen des Schönhofs. So hält Gottfried Kiesow, der als Vorstandsvorsitzender der Deutschen Stiftung Denkmalschutz die Restaurierung des Museumsgebäudes über Jahre begleitet und gefördert hat, das Zusammenspiel von Exponaten und Architektur für „großartig gelungen“. Für viele Beobachter ist es das größte Verdienst der Ausstellung, ein deutliches Zeichen für Schlesien gesetzt zu haben. Herbert Hupka beschloss sein Grußwort zur Eröffnung des Museums mit den Worten: „Mit diesem Museum meldet sich Schlesien unübersehbar, unüberhörbar zu Wort. Das ist der Grund, froh und dankbar zu sein. Görlitz, ein deutliches Ausrufungszeichen für Schlesien, wir sind nach Schlesien eingeladen.“
Ähnlich formulierte Birgit Grimm in der „Sächsischen Zeitung“: „Die Botschaft, die das Schlesische Museum ab 13. Mai von Görlitz aus über die Neiße sendet, wird im Osten – und freilich auch im Westen – nicht mehr überhört und übersehen werden können.“ In vielen Pressekommentaren wird hervorgehoben, dass es sich hierbei um eine Botschaft der Verständigung handelt. In seiner Festrede zur Eröffnung des Museums bezeichnete Andrzej Tomaszewski das Museum als „Wegbereiter für einen übernationalen, europäischen Blick“ auf die Geschichte Schlesiens. In der FAZ kam Imela Spelsberg am Ende eines von Sympathie getragenen Ganges durch die Ausstellung zu dem Ergebnis „Ideologie trennt, aber Kultur eint.“ In der „Mitteldeutschen Zeitung“ bescheinigte Christian Eger den Ausstellungsmachern: „Sie führen die Gefühle, die beim Thema Schlesien schnell aus ihrem Flussbett springen, mit Sachlichkeit, Wärme und Intelligenz. Es gelingt das Kunststück, jene Menschen, die Schlesien im Herzen tragen, sinnfällig zu bedienen, und jene, die es endlich kennen lernen wollen, nicht zu unterfordern“. Michael Zajonz vertrat im Berliner „Tagesspiegel“ eine ähnliche Auffassung: „Das Schlesische Museum vermittelt bis in die Objektbeschriftung hinein ein differenziertes Geschichtsbild in deutscher und polnischer Sprache. Für beide Länder ein Novum.“ Die Ausstellung zeige „Rhythmusgefühl, Überblick und dem Mut zur Pointe. … Wie man die großen historischen Zusammenhänge mit den kleinen privaten Erfahrungen zusammenbringt, aus denen sich Geschichte zusammensetzt, wird in Görlitz vorbildlich vorgeführt – und das, ohne die Komplexität des Themas zu verraten.“ Berthold Seewald meinte in der „Welt“: „Im Görlitz der Gegenwart überschneiden sich noch immer die Entwicklungslinien Alteuropas. Doch es scheint, als hätten sie ihren Anspruch auf Ausschließlichkeit verloren. Um dies zu erkennen, ist das Schlesische Museum ein guter Ort.“
Vielleicht ist diese Einschätzung aber doch zu optimistisch. Denn dass die Auseinandersetzung mit der Geschichte Schlesiens noch immer geeignet ist zu polarisieren, zeigen Äußerungen Rudi Pawelkas in den „Schlesischen Nachrichten“ einerseits, von führenden polnischen Zeitungen aus dem nationalkonservativen Spektrum („Rzeczpospolita“, vor allem „Wprost“) andererseits. Wo nach der Auffassung des einen die „polnische Sicht“ auf Schlesien dominiere, sieht der andere „die deutsche Vorstellung von der schlesischen Geschichte“ am Werk. Natürlich gibt es auch konstruktive, sachlich begründete Kritik, die wir ernst nehmen und auf die wir reagieren. Wirklich schwere inhaltliche Fehler konnte uns noch niemand nachweisen – daran hat der Wissenschaftliche Beirat des Museums, der in den letzten Jahren intensiv und aufmerksam unsere Arbeit verfolgt hat, einen nicht unwesentlichen Anteil. Aber gewisse Unstimmigkeiten, Flüchtigkeitsfehler und sprachliche Ungeschicklichkeiten sind uns natürlich dennoch unterlaufen. In den Wochen und Monaten seit der Museumseröffnung wurden in der Ausstellung etliche kleine Korrekturen, technische und bauliche Verbesserungen vorgenommen. Die Maßnahmen, zu denen auch eine Ergänzung des Leitsystems und die Anbringung zusätzlicher Ausstellungstexte zur Baugeschichte des Schönhofs gehören, sollen bis zum Ende des Jahres abgeschlossen werden.
In den letzten Tagen ist nun eine vorweihnachtliche Ruhe über das Museum gekommen. Die Touristenströme sind abgeebbt, und nur noch wenige Besucher verirren sich in die Ausstellung. Wir haben ein ereignisreiches, anstrengendes und schönes Jahr hinter uns und fühlen uns gut gerüstet für die Herausforderungen des kommenden.

Ihr  

Markus Bauer