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Grußwort des Oberbürgermeisters von Görlitz, Joachim Paulick

Heute ist ein besonderer Tag für Görlitz, ein Tag der Freude und Dankbarkeit: Wir können in Anwesenheit zahlreicher Gäste, die unserer Stadt in besonderer Weise verbunden sind, die Eröffnung des Schlesischen Museums zu Görlitz feiern.

Dem Theater Görlitz danke ich für seine Gastfreundschaft und Mitwirkung an der Ausgestaltung der heutigen Festveranstaltung.

Der Schönhof, um den es heute geht, gehört zu den Gebäuden in Görlitz, die den Ruf unserer Stadt als Bilderbuch der Städtebaukunst mitbegründen. Das Werk des Renaissancebaumeisters Wendel Roskopf des Älteren ist ein Bauwerk von hohem stadtgeschichtlichem Rang. Erbaut im Jahr 1526, ist er in unserem Lande und darüber hinaus als das älteste datierte Bürgerhaus der Renaissancebaukunst in Deutschland bekannt. Heute ist der Gebäudekomplex im Herzen unserer Altstadt eines der wichtigsten Kapitel in unserer steinernen Chronik.

Der repräsentative Bau, als herrschaftlicher Renaissance-Stadtpalast konzipiert, entstand nach einem großen Stadtbrand an der Handelsstraße via regia in unmittelbarer Nähe zum Rathaus. Er diente als Wohn-, Handels- und Brauhaus sowie als fürstliche Herberge der Stadt. Er ist damit ein wichtiger Teil unserer Geschichte, und damit schließt sich in geradezu idealer Weise der Kreis zur künftigen Nutzung, denn wir fügen mit der heutigen Eröffnung ein neues Kapitel hinzu: Das Schlesische Museum zu Görlitz soll die Geschichte unserer schlesischen Region in verschiedenen Ausstellungen präsentieren und dabei auch einen Beitrag zum Zusammenwachsen Europas leisten.

Schon bald nach der politischen Wende in unserem Land wurde der Wunsch formuliert, in Görlitz, der größten schlesischen Stadt auf deutschem Boden, eine Einrichtung zu gründen, die sich mit der schlesischen Geschichte befasst und dabei auch die neuere Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg aufarbeitet. Aus dem Wunsch wurde bald eine Absicht, und die Stadtverordnetenversammlung Görlitz verabschiedete bereits am 19. September 1991 den folgenden Beschluss: „Die gesamte Liegenschaft des Görlitzer Schönhofes bis Fischmarkt 5 wird Sitz eines Landesmuseums, das schlesisches Kulturgut sammelt, ausstellt und wissenschaftlich betreut."

Der 1988 in Hannover gegründete Verein Landesmuseum Schlesien verlegte unter den neuen politischen Bedingungen im Jahr 1991 seinen Sitz nach Görlitz. 1996 wurde von der Bundesrepublik Deutschland, dem Freistaat Sachsen, der Stadt Görlitz und der Landsmannschaft Schlesien eine Stiftung gegründet. Diese Stiftung hat die entscheidenden Weichen dafür gestellt, dass das Schlesische Museum zu Görlitz als eine zentrale Einrichtung aufgebaut wird, die Vergangenheit und Gegenwart der gesamten Kulturregion Schlesien dem deutschen und internationalen Publikum bekannt und verständlich macht. Dabei soll das Museum einen Beitrag zur Verständigung mit der Republik Polen und der Tschechischen Republik leisten.

»Schlesien – eine Brücke in Europa« war der Titel der ersten Ausstellung, die der 1992 gebildete Aufbaustab ein Jahr später, 1993, im provisorisch hergerichteten Schönhof zeigte. Ich denke, dieser Titel war programmatisch für das Anliegen, das die neu entstehende Sammlung in der östlichsten Stadt Deutschlands erfüllen will. Den gleichen Titel wählte der ZDF-Redakteur und gebürtige Görlitzer Ekkehard Kuhn für einen Film und ein Buch über Schlesien, mit dem er zeigte, dass auch das heutige Schlesien seiner historischen Brückenfunktion als Vermittler zwischen West- und Osteuropa gerecht wird.

Am 25. Januar 1996 hat der Stadtrat mit seinem Beschluss, den Schönhof in diese Stiftung einzubringen, eine weitere wichtige Grundlage für die Entwicklung des Museums geschaffen. Der Gebäudekomplex wurde als idealer Ort für eine Sammlung diesen Inhalts und dieser Bedeutung angesehen.

Die Sanierung des Schönhofs wurde zum überwiegenden Teil durch Zuwendungen des Bundes und des Freistaates Sachsen finanziert. Aber auch Städtebaufördermittel, beispielsweise aus dem Programm »Aufschwung Ost«, Modellstadtmittel, Denkmalpflegemittel, städtische Mittel, Zuwendungen der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, der Altstadtstiftung sowie private Spenden – auch von vielen Schlesiern – haben die Sanierung und den museumsgerechten Ausbau möglich gemacht.

Viele von Ihnen, meine Damen und Herren, werden noch aus eigenem Erleben wissen, dass der Begriff »Schlesien« zu DDR-Zeiten tabu war. Wir alle können froh sein, dass diese Zeit vorbei ist. Seit der Wende haben wir die Möglichkeit und Freiheit, uns diesseits und jenseits von Oder und Neiße unbefangen mit dem Thema »Schlesien« zu beschäftigen.

Viele Menschen in allen Teilen Deutschlands haben ihre Wurzeln in Schlesien, hängen an ihrer alten Heimat und fühlen sich immer wieder zu ihr hingezogen. Görlitz als größte schlesische Stadt in Deutschland ist Teil dieser Landschaft in der Mitte Europas.

Die Einrichtung eines zentralen Museums für Schlesien in Görlitz war wohl auch deshalb eine folgerichtige Entwicklung. Hier ist nicht nur ein Zentrum des Erinnerns an das alte Schlesien entstanden, sondern auch ein Ort, an dem die jüngere Geschichte dieser Kulturlandschaft aufgearbeitet wird.

Die bereits in der Aufbauphase praktizierte Zusammenarbeit mit ähnlichen Einrichtungen in Deutschland, in Polen, aber auch in Tschechien ist der Garant für die Ausrichtung dieses Museums als Stätte der Information, aber auch des Brückenschlags zwischen den Völkern.

Ich bin froh und dankbar, dass unsere Stadt mit dem Schlesischen Museum einen weiteren Glanzpunkt erhält, der unsere Kultureinrichtungen in vortrefflicher Weise ergänzt.

Wir haben vielfach Grund, »Danke« zu sagen: Dem Bund und dem Freistaat Sachsen, und im speziellen jenen Politikern, die sich für das Vorhaben stark machten. Ich danke aber auch der Stiftung Schlesisches Museum, der Landsmannschaft Schlesien, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, der Altstadtstiftung, den zahlreichen privaten Förderern sowie den engagierten Mitarbeitern und allen Partnern für ihr hohes Engagement während der gesamten Aufbauphase.

Ein besonderes Dankeschön möchte ich auch an das Land Baden-Württemberg richten, das uns bereits in den frühen 90er Jahren mit einer großzügigen Spende die dringend notwendige Sicherung des Gebäudes und damit seinen Erhalt ermöglichte.

Dem Museum und unserer Stadt wünsche ich, dass das schon während der Aufbauphase große Interesse der Öffentlichkeit weiter anhält. Möge das Schlesische Museum zu Görlitz zur ersten Adresse für alle werden, die die Geschichte Schlesiens - unserer Heimat - auf authentische Weise erforschen wollen.